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Japanese Cinema PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Sunday, 27 September 2009

Stuart Galbraith IV. / Paul Duncan (Hrsg.)

 

Taschen-Verlag, Köln, 2009

 

192 Seiten, 340 Abb. 

 

 

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Eine Buchvorstellung

 

Der geneigte Leser wird sich vielleicht fragen, warum ein Buch über Japanisches Kino hier besprochen wird. Aber das ist alles andere als abwegig. Schließlich war in der Anfangszeit des Kinos Korea von Japan besetzt (1910-1945) und eine Beeinflussung lässt sich nicht nur in den erhaltenen Propagandafilmen während des 2. Weltkriegs ablesen. Viele koreanische Regisseure und Schauspieler erlernten ihr Filmhandwerk in den Filmstudios von Tokio.

Zwar war nach der Kapitulation Japans das japanische Kino in Korea nicht angesagt, Filme in TV und Kino bis 1998 sogar verboten, doch wurden klare Trends der Zeit, die das japanische Kino hervorbrachte zweifelsohne für den koreanischen Markt adaptiert, wie z.B. das Urzeitmonster Yongari, welches seinem Vorbild Godzilla sehr ähnlich sieht. Ebenso wurden Erotikfilme á la Nagisa Oshima in den 70er und 80er Jahren aufgegriffen.

Abgesehen davon lohnt sich immer ein Blick über den Tellerrand ... und in diesem Fall kommt der Leser voll auf seine Kosten.

 

 

Im ersten von insgesamt zehn Teilen, bzw. in der kurzen Einleitung wird die Vorkriegszeit angesprochen. Bemerkenswert ist hier, dass es während der Stummfilmzeit Erzähler (sog. benshi) gab, welche die wichtigsten Hintergründe der Geschichte ablasen und mit verstellter Stimme den Akteuren ihre Stimme liehen (wobei anfangs wie im Kabuki-Theater üblich, auch die Frauenrollen von Männern gespielt wurden). Dadurch konnte auf retardierende, den Spielfluß störende Zwischentitel verzichtet werden. Einige benshi waren geradezu berühmt und wahre Stars ihrer Zeit. Auf Stummfilme selbst wird nicht sehr intensiv hingewiesen, haben doch nur wenige Rollen den Krieg überdauert und die leicht entzündlichen Nitratkopien wurden oft wegen ihres Silbergehaltes vernichtet. Hinweise auf einen frühen Regiestar wie Mikio Naruse sucht man jedoch leider vergeblich.

Japans schneller Nachkriegsaufstieg ist auch im Filmwesen ablesbar. Die Filmstudios wurden wiederaufgebaut und die Filmindustrie kam wieder in Gang. Zunächst wurden viele Dramen gedreht, die sich mit dem Schicksal Japans und einzelner Familien befassten. Das Trauma der beiden Atombombenabwürfe wurde in vielen Filmen aufgenommen, die Amerikaner als Aggressoren ausgemacht. In der berühmten Trilogie „Barfuß durch die Hölle“ (1959-61) wird ein Japaner in einem russischen Arbeitslager gequält, bis ihm die Flucht gelingt. Neben dem Grandsenieur Akira Kurosawa waren Regisseure wie Ozu, Misoguchi und Ichikawa maßgeblich an der „Goldenen Ära“ des japanischen Kinos in den 50er Jahren beteiligt.

 

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Mit der Austragung der Olympischen Sommerspiele 1964 in Tokio gelang Japan wieder der internationale Anschluss an die Welt. Ichikawas Olympiafilm schließt an Vorgänger wie Leni Riefenstahl und Berlin 1936 an. Bereits 1950 errang Kurosawas „Rashomon“ internationale Aufmerksamkeit und brachte den Durchbruch im Westen durch die Auszeichnung in Venedig und Japans ersten Auslands-Oscar.

Ziemlich unbekannt hierzulande sind Filme, die im Kapitel „Komödien, Musicals & Liebesgeschichten“ vorgestellt werden. So waren sog. Angestelltenkomödien Kassenerfolge, deren Einnahmen dann aufwendigen Produktionen, wie denen Kurosawas zu Gute kamen. Hinzu kamen Musicals im Hollywoodstil, die von den Toho-Studios gedreht wurden. Doch die seichten Inhalte brachten eine Revolte anderer Regisseure hervor, die verstärkt auf Anspruch setzten.

So kamen Ende der 50er Jahre Taiyozoku-Sonnenjugend-Filme auf, die rebellische Jugendliche zeigten. Den Anfang machte Ko Nakehiras „Verrückte Früchte“ von 1956. Im Zuge dieser Bewegung entstand eine japanische Nouvelle Vague, die von Regisseuren wie Oshima und Masamura, aber auch von Shinoda und Imamura getragen wurden. Es wurden immer freizügigere Themen und sexuelle Phantasien verfilmt, die letztlich einen bestimmten Voyeurismus bedienten.

Größter Exportschlager aber war zweifelsohne Godzilla. Die Riesenechse, die erstmals von Ishiro Honda 1954 ins Leben gerufen wurde, erlebte zig-fache Neuauflagen in immer abenteuerlicheren Variationen und mit absurden Nonsenstiteln wie „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“. Das von King Kong inspirierte Monster brachte Produzent Tanaka und seinen Toho-Studios auch international regen Absatz. Ursprünglich mit Kritik an Atombombenversuchen der Amerikaner verbunden, regte es auch eine Wiederbewaffnungsdiskussion in Japan an.

 

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Als Reaktion auf die Erfolge von Kampfkunstfilmen Hongkongs mit Bruce Lee, schickte Japan Sonny Chiba ins Rennen. Der Knochenbrecher drehte zahlreiche Filme, die auch im Yakuza-Millieu spielten. Die Halbwelt und Unterwelt Tokios wurde in Kriminalfilmen von K. Fukusaku und S. Suzuki aufgemischt und gesäubert.

Selbstverständlich gelten Samuraifilme als genretypisch für Japan. Die historische Kriegerkaste gab viel Stoff für Geschichts- und Kampfkunstdramen her. Die sog. Chanbara-Filme brachten vor allem dem Daiei-Studios volle Kassen. Renner waren die Zatoichi-Serie über einen blinden Kämpfer, der seine Sinne so geschärft hatte, dass er seine Gegner auch ohne zu sehen, überwältigen konnte. Den bushido-Ehrencodex der Samurai verinnerlicht hatten auch die Ronin-Filme über herrenlose Krieger, die gegen Unrecht zu Felde zogen. Toshiro Mifune, der in Kurosawas Klassikern „Die sieben Samurai“ und „Yojimbo“ spielte, gilt als Paradebeispiel eines solchen Kriegers.

 

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Jeder kennt japanische Animes, verfilmte Comics (mangas), die sich größter Beliebtheit erfreuen. Nicht erst seit der Serie „Heidi“ kennt man die etwas klobigen Figuren mit den großen Augen. In jedem Kinderzimmer finden sich heutzutage Pokemons oder die Helden von Hayao Miyazakis Filmen wie Chihiro oder Totoro. „Chihiros Reise ins Zauberland“ wurde sogar zum erfolgreichsten Kinofilm der japanischen Geschichte. Die ökologischen Themen, die immer wieder angesprochen werden, sind symptomatisch für die moderne Sicht und bringen so schon Kindern den Umweltschutzgedanken näher.

 

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Doch neben den Erfolgen muss auch vom Niedergang und der Krise der japanischen Filmwirtschaft gesprochen werden. Viele Studios haben den Rückgang der Besucherzahlen nicht verkraftet und sind bankrott gegangen. Immer wieder blitzten vereinzelt Erfolge wie Itamis Kultfilm-Satire „Tampopo“ (1985) auf, wo es um die Zubereitung der perfekten Nudelsuppe geht.

Ende der 90er Jahre etablierte sich sogar eine Bewegung, die mit einer Renaissance der Nouvelle Vague angesprochen werden kann. Kitano Takeshi und Takashi Miike seien hier stellvertretend erwähnt. Takeshis Erfolge wie „Sonatine“ oder „Hanabi“ wurden auch international mit Lobeshymnen überschüttet. Vielfilmer Miike hingegen provoziert seine Zuschauer mit Gewaltexzessen, die ihresgleichen suchen. Über Filme wie Fukusakus „Battle Royale“ wurde sogar im Parlament diskutiert, ob eine Zensur einschreiten muss. Horrorfilme wie die „Ring“-Reihe wurden auch in anderen Ländern erfolgreich adaptiert.

Eine abschließende Chronologie und Bibliographie runden den Band ab. Immer wieder kommen Regisseure am Rand in Zitaten zu Wort.

Der Autor Stuart Galbraith IV. analysiert kenntnisreich und stimmig die Filmgeschichte Japans und entwickelt einen Überblick, der nicht nur die genrebildenden Trends berücksichtigt, sondern universell und weit über das Etikett „Eastern“ hinausreicht.

Die grandiose Bebilderung (340 z.T. ganzseitige Photos) in gewohnt perfekter „Taschen“-Qualität verleiht diesem Buch eine wundervolle Aura. Der Band „Japanese Cinema“ schließt eine Lücke in der Betrachtung der umfangreichen Geschichte des japanischen Filmschaffens und macht Neugierig auf bislang unbekannte Filme, die in Europa nun endlich auch rezipiert werden müssen.

Da erfreut einen die Nachricht, dass das Label „polyfilm video“ in den nächsten Monaten 22 bisher unbekannte japanische Filme edieren wird, u.a. 11 Filme von Yasujiro Ozu aus den Jahren 1936 bis 1962 und weitere von Nagisa Oshima, Yoshitaro Nomura und Keisuke Kinoshita. So kann man die erlesenen Eindrücke endlich auch im Film betrachten und bewundern. Welch großartige Koinzidenz!

 

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(Dank an den „Taschen“-Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars!)

 

Letztes Update ( Monday, 08 February 2010 )