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„Hansel & Gretel“ auf DVD PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Friday, 16 October 2009

HANSEL & GRETEL

 

OT: 헨젤과 그레텔 (Henjel-gwa geretel)

Land: Südkorea 2007

Regie: YIM Pil-sung

Drehbuch: KIM Min-sook, YIM Pil-sung

Darsteller: CHUN Jeong-myoung, EUN Won-jae, SHIM Eun-kyung, JIN Ji-hee

Musik: Byeongwoo LEE

Länge: 112 Min.

Ton: Dolby Digital 5.1

Sprachen: Deutsch

Untertitel: keine

Bildformat: 16:9 anamorph (1.85:1)

Extras: Set-Impressionen (2 Min.), Making of...(5 Min.), B-Rolle (15 Min.), Interview mit Regisseur Yim (3 Min.), TV-Spots (15 und 30 Sek.), Trailer (1:41 Min.)

Synchronisation: Die Synchronisation ist exzellent gelungen und wortgetreu. Passende Stimmen und engagierter Einsatz haben sich hier gelohnt.

FSK: ab 16 Jahren

Vertrieb: ascot-elite Home Entertainment

 

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Ein Mann, Eun-soo, kommt während eines Handytelefonats am Steuer von der Fahrbahn ab und fällt eine Böschung herunter. In der waldigen Gegend wird er von einem Mädchen, Young-hee, entdeckt und zu ihrem Haus mitten im Wald geführt. Dort erwartet ihn eine merkwürdige Villa im viktorianischen Stil, das „Haus der glücklichen Kinder“, wie es auf einem Schild heißt.

Die beiden Eltern wirken nervös und haben Ausreden, weshalb sie ihm nicht helfen können, eine Ortschaft zu erreichen. Zwei weitere Kinder, der 13-jährige Man-bok und die 7-jährige Young-sun, freuen sich jedenfalls über die Abwechslung durch den Besuch. Die Villa ist der reinste Spielzeugladen und übervoll mit Spielsachen und Nippes. So entschließt sich Eun-soo dort zu übernachten. Am nächsten Morgen will er wieder gehen, doch so tief er auch in den Wald geht, er marschiert im Kreis und landet stets wieder an der Villa. Eine zweite Nacht folgt, doch danach hat sich die Situation verändert. Die Eltern sind verschwunden, haben eine Nachricht hinterlassen, er möge sich doch einige Tage um die Kinder kümmern. Nun ist auch er gebunden, denn er kann die Kinder nicht allein lassen. Da hört er Geräusche auf dem Dachboden und sieht eine geisterhafte Gestallt. Man-bok kann eine Begegnung jedoch verhindern, gibt ihm sogar eine Karte, wie man dem Wald entkommen kann. Trotz einsetzendem Schneefall macht er sich auf den Weg. Es kommt ihm ein Paar entgegen, die ebenfalls eine Panne hatten. Zwar warnt Eun-soo sie, doch sie wollen ein warmes, schützendes Dach über dem Kopf haben. Der Mann, Diakon Byeon und seine zickige Frau, versuchen gleich Kapital aus dem Haus und seinen Reichtümern zu ziehen. Doch schon bald entlarvt Man-bok die böse Frau, die Kinder schlägt und rächt sich an ihr.

Man-bok besitzt offenbar übernatürliche Kräfte, die er gegebenenfalls gegen die Erwachsenen einsetzt. Eun-soo kann Man-bok zu einer blauen Tür im Wald folgen, wo sich ein geheimer Ort verbirgt, der das Geheimnis der Kinder verbirgt.

 

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Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern; das Bübchen hieß Hänsel und das Mädchen Gretel. Er hatte wenig zu beißen und zu brechen, und einmal, als große Teuerung ins Land kam, konnte er das tägliche Brot nicht mehr schaffen, so beginnt das Märchen bei den Gebrüdern Grimm mit dem bekannten Ausgang, dass die kanibalistische Hexe im Ofen den Feuertod stirbt und die Kinder am Ende wieder glücklich nach Hause gelangen. Doch hier spinnt Regisseur Yim Pil-sung seine eigene Variante weiter. Die Kinder haben den Wald nicht verlassen, weigern sich erwachsen zu werden und suchen sich Ersatzeltern, die sie in den abgeschotteten Wald locken, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die Grimmsche Vorlage ist wohl das berühmteste Märchen überhaupt, nicht nur als Oper von Humperdinck vertont, sonder auch vielfach verfilmt worden, zuletzt 2002 von Regisseur Gary J. Tunnicliffe. Auch in Deutschland wurde der Stoff bereits in der Grotesken „Ossegg oder Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“ 1987 nach der Vorlage von Hans Traxler persifliert. Aber hier wurden die Elemente des Märchens zu einer neuen Geschichte weiterentwickelt. Heraus kam ein schwarzer Fantasykrimi voller bunter Bilder und weinenden Kinderaugen, die sich jedoch schnell in böse Fratzen verwandeln können und Tod und Ungemach bringen. Die Geschichte ist in sich stimmig und passt gut zur Erzählweise des Films. Eun-soo fungiert als Erzähler aus dem Off und gibt die Erzählzeit vor, in dem er vom ersten bis zum letzten (dem sechsten) Tag den zeitlichen Rahmen vorgibt. Als ewig Kind gebliebene 'Freaks' bedienen sie das Kindchen-Schema, darauf hoffend, dass die 'gefangenen' Eltern auf ewig bei ihnen bleiben wollen. Für die Kinder ist es das Paradies, für die 'Eltern wider Willen' ein rosarotes Gefängnis, dem sie entfliehen wollen. Die Kinder wollen einen Status quo fixieren, den es nicht gibt, denn sie können die Erwachsenen nicht verstehen, die sich erst rührend um sie kümmern, nach einiger Zeit aber das Weite suchen. So werden die umworbenen Erwachsenen zu Feinden, denen es an den Kragen geht und der Kreislauf beginnt von Neuem. Nur Eun-soo gelingt es mit der Hilfe von Young-hee, deren Geheimnis er kennt, den Teufelskreis zu durchbrechen.

 

Regisseur Yim, dem mit seinem eiskalten Mystery-Krimi „Antarctic Journal“ ein Achtungserfolg beschieden war, hat hier seine Idee einer 'Dark Fantasy' stringent umgesetzt. Sein zweiter Langfilm kommt ohne Superstars aus, sein Kapital ist das Set mit der Villa, die an das Horrorhaus in „Tale of Two Sisters“ (2004) erinnert. Hauptdarsteller Cheon Jeong-myeong debüterte 2002 in „R U Ready?“ und zeigte seinen gestählten Body im Inline-Skater-Drama „The Aggressives“ (2005) und in dem Action-Krimi „Les Formidables“ (2006). Die Kamera überzeugt mit einigen guten Einfällen, interessanten Perspektiven aus der Frosch- und Vogelperspektive. Einige Einstellungen werden anfangs zur Schwarzblende abgezogen. Dynamische Kamerafahrten und Gesichtszooms bringen gewissen Gruseleffekt. Hinzu kommen Trickszenen und ein animiertes Engelchen.

Gedreht wurde in Busan und in den Wäldern auf der Insel Jejudo.

Hervorzuheben ist die sehr gelungene Synchronisation, die man aber leider mangels Originalsprache, respektive Untertitel nicht direkt kontrollieren kann. Hier hätte man sich die koreanische Spur dazu gewünscht!

Das Bonusmaterial ist immerhin deutsch übersprochen, dennoch recht dürftig ausgefallen. Das 'Interview' ist ein reiner Monolog und Werbung für den Film. Allein die B-Rolle ist informativ, wenn auch unkommentiert.

 

Fazit: Es bleibt ein spannungsreicher Film mit einem gewissen drive und einer gut durchdachten und umgesetzten Idee, frei nach dem Märchen der Brüder Grimm. Eine gelungene Mischung aus Fantasy, Horror, Psycho-Drama und Märchenfilm, den man in der Form lange nicht gesehen hat.

 

Der Film erhielt bei dem portugisischen Fantasy-Festival in Porto „Fantasporto“ 2009 zwei Preise.

 

(Dank an ascot-elite für die Bereitstellung der Besprechungs-DVD!)

 

Letztes Update ( Tuesday, 20 October 2009 )