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„Blood & Flowers“ auf DVD PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Saturday, 14 November 2009

 

Blood & Flowers – Der Wächter des Königs

 

 

OT: 쌍화점 (Ssang-hwa-jeom)

Alternativ-Titel: A Frozen Flower

Land: Südkorea 2008
Regie: YU Ha

Drehbuch: YU Ha
Darsteller: JO In-jeong, JU Jin-mo, SONG Ji-hyo, KO In-beom, KWON Tae-won, LIM Ju-hwan, MIN Ji-hyeon, SHIM Ji-ho, YEO Wook-hwan

Musik: CHOI Seung-hyun
Länge: 128 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Koreanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Bildformat: 16:9 anamorph (2,35 : 1)
Extras: Bonusmaterial auf DVD 2 (Making of..., Interviews, Trailer, etc.)
Synchronisation und Untertitel: Die Synchronisation ist exzellent! Bis auf Kleinigkeiten bei den chinesischen und koreanischen Eigennamen wurde hier perfekt gearbeitet. Die Klangfarbe der Stimmen z.B. stimmen gut überein. Die Untertitel sind sehr genau und stimmig. Die Übersetzung ist bis in die Details gelungen.
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: splendid film

 

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Korea im 14. Jahrhundert. Die regierende Koryo-Dynastie ist schon seit über 100 Jahren den in China regierenden Mongolen tributpflichtig. So wurde der junge König mit einer Prinzessin der Yuan verheiratet. Doch seit Jahren schon wartet man vergeblich auf einen Thronfolger. Der Unmut darüber wächst, so dass die Yuan demnächst einen eigenen Thronprinzen bestellen wollen, sollte es keinen legitimen Nachwuchs im Hause der Koryo geben. Zwar sucht die Königin die Schuld dafür bei sich, doch daran liegt es nicht. Der König ist homosexuell und kann Frauen nicht lieben. Er hat seinen Leibwächter, den Hauptmann Hong-lim, in sein Bett geholt. Er gehört zur Elitetruppe der Ko-ryong, die der König selbst schon als Knaben rekrutierte und die seine 36-köpfige Leibgarde stellen.

Sie können gerade noch ein Attentat auf den König verhindern, die von japanischen Ninjas ausgeführt wurde, jedoch von anderer Seite gesteuert wurde.

 

Der König steht mit dem Rücken zur Wand, sieht seine Herrschaft schon fast beendet, da kommt ihm eine letzte Rettung in den Sinn. Heimlich soll Hong-lim seine Stelle im königlichen Bett ausfüllen und so einen Thronerben zeugen. Die Vorbereitungen sind minutiös. Mediziner und Astrologen haben den perfekten Termin für eine Empfängnis errechnet, schamanistische Tänze und Rituale werden abgehalten, aphrodisierende Speisen gereicht. Als sich das Schlafgemach schließt, kommt Hong dazu und legt sich zur Königin. Doch wie kann er die Hoheit berühren, kann er sie küssen? Es rollen Tränen, doch die Mission wird erfüllt, jedoch ohne den erwünschten Erfolg. So soll er es im nächsten Monat erneut versuchen. Dabei kommt es zu einem Sinneswandel auf beiden Seiten, finden die beiden doch Gefallen an dem aufoktroyierten Treiben.

So treffen sich beide heimlich abseits eines Banketts in der Palastbibliothek, während der König ein Stück auf der Komungo (6-saitige Zitter) spielt. Weil Hong immer häufiger seinen Dienst vernachlässigt, wird der König misstrauisch, erwartet Erklärungen, bekommt aber nur fadenscheinige Ausreden. Bei einem Schwertduell unterliegt Hong. Der König sagt, er sei nicht bei der Sache, sein Herz sei das Problem. Als eine Verschwörung innerhalb des Kabinetts aufgedeckt wird, werden sämtliche Minister getötet. Auch der Bruder der Königin gehört zu den Verschwörern, soll ebenfalls mit dem Leben bezahlen, doch Hong verschont ihn, ermöglicht ihm die Flucht nach China. Hong-lim bietet dem König sein Leben an, als der Treuebruch ruchbar wird. Der König will ihn jedoch an die Grenze schicken, um ihm Ablenkung zu verschaffen.

In einem Traum sieht der König ihn bei der gemeinsamen Jagd, es wird zum Motiv eines Bildes, das er malt.

Doch die Loslösung vom zusammen geteilten Bett ist längst vollzogen. Als der König seine Ehefrau, die nun endlich ein Kind erwartet, bei einem Schäferstündchen mit Hong-lim auf frischer Tat erwischt, kennt seine Wut keine Grenzen.

 

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Dieser spannungsreiche Kostümfilm zieht alle Register. So bringt er alle Elemente eines erfolgreichen Blockbusters mit, bekannte Schauspieler in einem traumhaften Set, Action vom Feinsten und heiße Liebesszenen, dazu ein wunderbarer Soundtrack mit klassischer und traditioneller Musik. Regisseur Yu Ha ist es gelungen ein historisches Thema dramatisch aufzuarbeiten und mit Schauspielern der Extraklasse zu besetzen.

Die Grundlage für den Plot bildet die historische Regentschaft des Königs Kongminhwang (1351-1374), dem in den Quellen Homosexualität nachgesagt wird. So wird aus dem Geflecht zwischen Abhängigkeit von China und Erwartungshaltung der Untertanen für einen Thronfolger, der die Dynastie weiterführt und Kontinuität garantiert, eine Dreiecksgeschichte am Hof, die durch den bedingungslosen Gehorsam des Hauptmanns durch den König selbst verursacht wurde. Die Kameraden der Leibgarde, die den historischen Hwarang der Shilla-Zeit ähnlich ist, wissen schon von dem offenen Geheimnis um Hongs Liebesdienste gegenüber dem König, doch die Entwicklung von Gefühlen lässt sich eben nicht befehlen. So bringt ihn der Gehorsam in ein Gefühlsdilemma aus dem es kein Entrinnen gibt. Gefangen in den Rollen bei Hof muss die Dynastie den gesetzmäßigen Abläufen Tribut zollen. Als das Geheimnis herauskommt, ist es ein folgenschwerer Tabubruch, der Konsequenzen hat.

Die Liebesszenen gehören zu den schönsten Akten ihrer Art, werden einfühlsam und doch leidenschaftlich inszeniert und mit klassischer Musik untermalt. Der Zuschauer beäugt, wie der König im Nebenraum, heimlich durch einen Türspalt, wie sich eine gefühlvolle zarte Liebe entwickelt. Die filmische Darstellung von homosexuellem Sex in historischem Ambiente ist ein gewagter Tabubruch, der erstmals in dem Kassenerfolg „King and the Clown“ gezeigt wurde. Dieser Film knüpft an den Erfolg des Blockbusters von 2005 an. Das gute Abschneiden an den Kinokassen hier nun (3,7 Mio. Besucher) ist sicherlich auch den freizügigen Liebesszenen gezollt, die selten offen sind und in Korea eine Jugendfreigabe verhindern.

Anziehungspunkt ist aber Hauptsächlich das überzeugende Spiel der Akteure, allen voran Jo In-jeong, der hier in einer seiner besten Rollen überzeugt. Der 1981 geborene Schauspieler debütierte 2003 in dem Liebesdrama „The Classic“, einem der romantischten Filmen der koreanischen Filmgeschichte. Nach Ausflügen ins TV-Drama kam er 2006 mit „A Dirty Carnival“ als Gangster überzeugend zurück auf die große Leinwand.

Sein Gegenpart als König spielt Ju Jin-mo (Jg. 1974), der bereits seit 1997 vor der Kamera steht. Wichtige Stationen waren Filme wie „Happy End“ (1999), „Real Fiction“ (2000), „Musa“ und „Wanee & Juna“ (beide 2001) oder auch „Puzzle“ (2006) und „A Love“ (2007) wo er sein ganzes Können vom Liebesfilm bis zum Actiondrama beweisen konnte. Als Dritte im Bunde nun die bezaubernde Song Ji-hyo, die in dem Horrorklassiker „Whispering Corridors 3“ (2003) debütierte. Nach „Some“ (2004) spielte sie an der Seite von Song Il-guk in dem TV-Historienepos „Jumong“ sowie in der fiktionalen modernen Palastdramaserie „Palace“ (beide 2006), so war ihr höfisches Zeremoniell sicherlich schon ein Begriff.

Regisseur Yu Ha hat hier einen Glücksgriff getan, anknüpfend an sein preisgekröntes Gangsterdrama „A Dirty Carnival“, das von Kritikern mit Filmen wie „Der Pate“ oder „Goodfellas“ in einem Atemzug genannt wird, gelang ihm nun der Schritt hin zum Historienfilmgenre. Der 1963 geborene Absolvent der Dongguk-Universität landete 2004 bereits mit dem Highschool-Actionfilm „Spirit of Jeet Keun Do – Once Upon a Time in Highschool“ ein Publikumserfolg, durch den viele junge Schauspieler zu Jungstars wurden. Hier kreierte er einen eigenen Stil, der durch Schnitt- und Kamerafahrten verblüffte. Eine kühne kalte Atmosphäre wurde geschaffen, welche den mystisch- horrorfilmhaften Szenen entgegenkam. Die Erfahrung mit Kampf- und Actionszenen kamen ihm in diesem Film wieder zu Gute. Die Balance zwischen ruhigen Liebesszenen, die anmutig, geradezu kunstvoll arrangiert wurden und schnellen Kampfszenen, die einen staunend in den Sessel fesseln ist überzeugend gelungen. Ein opulentes Set beschreiben ein Ambiente, die eines 'Goldenen Käfigs' würdig ist. Die Bankett-Szene ist einzigartig, springt der Überraschungsfunke doch direkt über.

 

Die DVD ist vom Bild und Ton her auf der Höhe der Zeit. Zu loben ist die gelungene Synchronisation, die endlich einmal wieder überzeugt und dem Studio ein Sternchen einbringen würde, wenn es eine solche Auszeichnung gäbe. Erhältlich als Blu-Ray und DVD in 2-Disk-Special Edition mit umfangreichen Bonusmaterial (Making of..., Interviews, etc.).

 

Der englische Originaltitel „A Frozen Flower“ geht auf das Gebäck zurück, dass die Königin ihrem Geliebten Hong-lim als Liebesgabe schenkt, gefüllte Teigtaschen, die mit einer Blüte verziert sind.

 

Der Film überzeugt auf ganzer Linie, die DVD sollte -spätestens Weihnachten- auf keinem Gabentisch fehlen. Es warten zwei faszinierende Stunden, die man nicht bereuen wird.

 

(Vielen Dank an splendid-film für die Bereitstellung der Rezensions-DVD!)

 

Letztes Update ( Saturday, 14 November 2009 )