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Geschrieben von Sascha Klie   
Saturday, 25 September 2010

„Endstation der Sehnsüchte“ auf DVD

 

OT: Endstation der Sehnsüchte. Ein Heimatfilm (µ¶Àϸ¶À»Togil maeul)

 

Alternativer Titel: Home from Home

Deutschland, Korea 2009

Drehbuch, Schnitt und Regie: CHO Sung-hyung
Darsteller: Armin und Young-sook THEIS, Willi und Chun-ja ENGELFRIED, Ludwig und Woo-za STRAUSS-KIM
Länge: 95 Min.
Ton: DTS analog
Sprachen: Koreanisch, Deutsch
Untertitel: Englisch
Bildformat: 1,78:1 PAL
Extras: nicht verwertete Szenen (44 Min.)
Untertitel: die englischen Untertitel bringen auch die rein koreanischen Szenen
FSK: ohne Altersbeschränkung
Vertrieb: Zorro Medien, München

 

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Alles beginnt in den 1960er Jahren: Das Wirtschaftswunder bescherrt Deutschland einen Arbeitermangel, der durch ‚Gastarbeiter‘ ausgelichen wird. So kamen neben vielen Südeuropäern auch Fachkräfte aus Fernost nach Deutschland, vornehmlich Bergbauingenieure und Krankenschwestern aus Südkorea, insgesamt ca. 10.000 Personen. Mittlerweile sind auch sie längst im Rentenalter. Viele sind bereits in ihre koreanische Heimat zurückgekehrt, einige hatten sich jedoch mit deutschen Männern verheiratet und waren hier integriert. So sollte ein Pilotprojekt die Abwanderung auf der ländlich geprägten Insel Namhae an der Südküste Koreas aufhalten. Ein ‚deutsches Dorf‘ (togil maeul) sollte deutsch-koreanische Paare anziehen und die im deutschen Stil gebauten Häuser als Atrraktion Neugierige nach Namhae locken. Seit 2003 entstand so an der Ostküste der Insel an am Hang mit Meeresblick gelegenes Kleinod, wo einige gemischte Ehepaare ihren Traum vom Lebensabend in der koreanischen Heimat, jedoch in deutscher Wohnumgebung, leben.

So lernt man in dieser Dokumentation drei deutsche Männer mit ihren koreansichen Ehefrauen und deren persönliche Geschichte kennen. So haben alle drei ihre Probleme mit der neuen Umgebung, den anderen Sitten und Lebensumständen. Ludwig, der ehemalige Finanzbeamte, der über autofahrende Frauen schimpft; Armin, der Bauunternehmer, der nun sein eigenes Brot backt und deutsche Wurst fabriziert; Willi, der schief hängende Briefkästen bemängelt und lieber schweigt, wenn er sich über seine neue Heimat ausläßt, schließlich sei nun jeder Tag wie Urlaub für ihn.

 

Die Frauen haben zwar, wegen ihrer Muttersprache, keine großen Probleme mit der Verständigung wie ihre Männer, aber nach oft über 30 Jahren in der Fremde, denken sie auch schon Deutsch und rufen, wenn ihnen die durch ihren tadellosen Garten die koreanischen Touristen laufen, schon mal die Polizei als Ordnungshüter dazu. Denn an den Wochenenden geht es zu wie im Taubenschlag: Verstopfte Straßen und wild geparkte Autos, die Koreaner herbringen, die unbedingt ein Photo vor den ungewohnten Häusern knipsen müssen und die deutschen Bewohner, die ‚Langnasen‘, mindestens so exotisch sind, wie die Gartenzwerge in den Rabatten davor. So kommen sich die Neukoreaner wie Ausstellungsstücke eines Freilichtmuseums vor.

 

In den Geschichten der Frauen erfährt man von z.T. tragischen Schicksalen, die ihre Kinder zurücklassen mußten und vor Heimweh kaum arbeiten konnten, weil sie nachts so viel weinten. Doch die gute Bezahlung in Deutschland, von dem sie oft den Großteil an ihre Familien daheim überwiesen haben, ermöglichte den Aufschwung in Südkorea zur heutigen Wirtschaftsmacht.

 

Es werden aber auch die Probleme angesprochen, Versprechungen aus dem Vorfeld, die (noch nicht) erfüllt worden sind und den -akurates Behördengebahren hier gewöhnt- dort über die Hutschnur gehen.  Zwar engagiert sich Willi beim koreanischen Volkstanz und mischt bei einer Seniorengruppe mit, doch mit seinem Knoblauch-Hut wirkt er eher wie ein kurioses Maskottchen. So beklagt der koreansiche Bürgermeister der Gemeinde, dass sich die Deutschen nicht bemühen die Sprache zu lernen und sich zu integrieren, sondern sich abschotten würden. 

 

 

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Kommentar: Regisseurin Cho Sung-hyung gelingt hier ein präziser Einblick in drei Familienschicksale und deren mutigen Schritt in die Fremde als Rentner, die nicht nach Mallorca gehen, wo überall deutsch verstanden wird, sondern in die alte Heimat ihrer Ehefrauen eine terra nova vorgefunden haben.

Wie schon in ihrem ersten Langfilm „Full Metal Village“ über das Wacken-Heavy-Metal-Musikfestival, setzt sie sich einfach mit ihrer Kamera mit an den Tisch und läßt die Bewohner frei von der Leber weg erzählen. Es gibt keine Nachfragen oder Interviews, die Beteiligten werden zu Partnern, die offen über die Sachen reden, die ihnen im Moment wichtig erscheinen.

Ausflüge in die koreanische Saunalandschaft (jimjilbang), an den Badestarnd oder in einen buddhistischen Tempel beleuchten schlaglichtartig die fremde Umgebung und Gebräuche mit denen sich die Deutschen oft schwer tun. (Im Bonusmaterial ergänzen Kirchgang, Friedhofsbesuch und alternative Medizinerfahrungen das Bild).

 

Gekonnt wird die ländliche Umgebung in stillebenartigen Blicken gezeigt. Winterliche Landschaft bis hin zur sommerlichen Landwirtschaft geben Zeugnis von der Abgelgenheit Namhaes von den geschäftigen Großstädten wie Seoul oder Busan, die man nur nach stundenlangen Auto- oder Busfahrten erreicht.In dieser großartigen Dokumentation wird ein interessantes Kapitel deutsch-koreanischer Geschichte beleuchtet und aktuell dargestellt.

Während es zuvor lediglich wenige Kurzberichte im TV und den Printmedien gab, wird hier nun umfassend die Lage der Neubewohner und ihren Problemen aufgezeigt.

 

In der Ferne eine neue Heimat zu suchen und zu finden ist, trotz aller Doku-Soaps wie „Goodbye Deutschland“, noch immer eines der letzten Abenteuer unserer Wohlstandsgesellschaft. 

 

(Dank an Zorro Medien für die Bereitstellung der Rezensions-DVD!) 

 

Letztes Update ( Wednesday, 15 December 2010 )