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Geschrieben von Sascha Klie   
Wednesday, 15 December 2010

DURST – THIRST

 

OT 박쥐 (Bakjui)

Land: Südkorea 2009

Regie: PARK Chan-wook

Drehbuch: PARK Chan-wook, CHUNG Seo-kyung
Darsteller: SONG Kang-ho, KIM Ok-vin, SHIN Ha-kyun, KIM Hae-sook, PARK In-hwan, OH Dal-su, SONG Young-chanMusik: CHO Young-uk
Länge: 128 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Koreanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 16:9 anamorph (2.35 : 1)
Extras: Interview mit Park Chan-wook (Fantasy Filmfest Berlin, 38 Min. + Autogrammstunde, 2 Min.) und zwei dt. Trailer (1:50, bzw. 1:20 Min.)
Synchronisation und Untertitel: Die Synchronisation ist erstklassig! Sehr gute Absprache und konzentriertes Arbeiten ergab hier ein nahezu perfektes Zusammenspiel der Beteiligten. Gute Klangfarben und gute Aussprache sind hier für asiatisches Kino vorbildlich gelöst worden. Großes Lob an alle Beteiligten!Die Untertitel gehen weitestgehend in Ordnung, zwar wird aus einem Reiskuchen ein Sandkuchen und einige Flüche werden recht grob wiedergegeben, verfälschen aber keineswegs den Inhalt.

FSK: ab 16 Jahren

Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

 

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Sang-hyun ist in der Krankenhausseelsorge tätiger katholischer Priester. Er hat viel mit dem Tod zu tun und möchte doch den Lebenden helfen. So meldet er sich freiwillig zu einem medizinischen Experiment, wo ein neuer Impfstoff für eine unheilbare Krankheit getestet werden soll. Doch das Serum zeigt nicht die gewünschte Wirkung, so wird auch er bald von der Härte des Ausschlags und der Auflösung der Organe befallen. Auf dem Sterbebett bekommt er noch Bluttransfusionen. Kurz nachdem der Arzt den Exitus feststellte, kehrt das Leben in seinen Körper zurück. Als er 6 Monate später nach Korea zurückkehrt, wird er wie ein Heiliger behandelt. Die Leute reißen sich um ihn und er soll Kranke mittels Gebete heilen. So kommt auch Frau Ra zu ihm, die früher seine Waisenheimleiterin war. Ihr Sohn Kang-woo hat Darmkrebs, der sich jedoch zurückbildet. Er geht fortan ein und aus im Haus der Mutter. Kang-woo ist mit Tae-joo, einer jungen Frau verheiratet, die der naive Sohnemann jedoch nur ausnutzt und quält.

Durch Zufall entdeckt Sang-hyun, dass er Appetit auf Blut bekommen hat. Als er das Blut einer Patientin leckt geht es ihm gleich besser. Zwar kämpft er gegen seine neue Natur an, doch er scheint unverwundbar und jede Fraktur oder Wunde heilt augenblicklich wieder. Auch hat er seinem blinden Beichtvater seine neue fleischliche Lust zu bekennen. Er fühlt sich zu Tae-joo hingezogen, die ihn auch gerne beglücken möchte. Sie möchte der Hölle daheim mit der tyrannischen Mutter, für die sie in einem Bekleidungsladen für traditionelle Hanbok näht, und dem blöden Ehemann entfliehen. Sang-hyuk gibt ihrem Drängen nach und beichtet auch ihr sein Geheimnis. Er sei nun kein Priester mehr, sondern unfreiwillig zu einem Untoten geworden. Zunächst ängstlich findet Tae-joo immer mehr Gefallen an der Wandlung zu einem neuen Wesen.Sie lässt Sang-hyun ihren Mann umbringen, als sie bei einem nächtlichen Angelausflug über Bord gehen. Fortan hat Tae-joo Sang-hyun in der Hand und immer ausschweifender werden ihre Bedürfnisse.

Dann geht Sang-hyun den entscheidenden Schritt zu weit.  

 

thrist

 

 

Hier beweist sich wieder, warum Park Chan-wook in die erste Garde der jungen koreanischen Regisseure gehört. Das letzte Jahrzehnt hat er mit seinen Dramen beherrscht. Seit seinem Blockbuster-Durchbruch mit „JSA – Joint Security Area“ und der anschließenden sog. Rache-Trilogie hat er wie kein anderer das Bild des neuen koreanischen Kinos geprägt. Optisch stets ein Genuss überlässt der Perfektionist nichts dem Zufall. Sei es das Muster der Tapete oder die Bilder an der Wand. Hier wird mit allen Mitteln des Designs und der Lichttechnik gearbeitet. Das kalte blaue Grundlicht hier passt zur Kühle des Untoten, der wie in einer neonbeleuchteten Zwischenwelt lebt. Das Umstreichen der braunen Holzvertäfelung in eine sterile weiße Umgebung erinnert an einen Sektionssaal. Hier werden Menschen geopfert und das Blut, „der ganz besondere Saft“, kommt hier noch besser zur Geltung.

In „Durst- Thirst“ findet Park zu seiner alten Stärke zurück, die ihm beim Intermezzo mit „I’m a Cyborg, But That’s Ok“ ein wenig abging. Getragen von dem neuen ‚Aufleben‘ des Vampir-Genres an sich, zeigt sich hier eine neue Faszette (wobei Park den Grundgedanken schon 10 Jahre verfolgte).

Hier werden Bilder der christlichen Ikonographie abgerufen, die einem bibelfesten Zeitgenossen ins Auge springen. Zuerst die Auferstehung von den Toten, eingehüllt in Mullbinden wir die Mumie des Lazarus kehrt er Heim. Wie die Wunderheilung eines Aussätzigen erscheint seine Genesung, wenngleich ihm sein Beichtvater in ans Herz greift wie ein ungläubiger Thomas. Die Verführung durch den Satan und die Aussicht auf ein Dasein im Fegefeuer zur Busse der begangenen Sünden werden hier ständig berufen. Das himmlische Ziel auf die Unsterblichkeit im Jenseits wird in sein Gegenteil als Leiden im Diesseits verkehrt. Ein Priester der schließlich alle Tabus und die 10 Gebote bricht und am Ende einen Ozean voll Blut hinterlässt. 

 

Song Kang-ho, der Lieblingsakteur von Park, besticht hier wieder in einer grandiosen Paraderolle. Der gebürtige Busaner, der nie eine Schauspielschule besuchte, überzeugt von der ersten Sekunde an. Seine innere Zwiespältigkeit, die ihn körperlich zerreißt und seinen Geist wollüstige Gedanken treiben lässt, verkörpert er ganz außergewöhnlich.

Die ‚blutjunge‘, erst 22-jährige Kim Ok-vin wandelt sich vom Mauerblümchen, dass im Schatten ihrer Familie zu verkümmern droht nach und nach erst zum Vamp und dann zum Vampir, der Spaß am Töten findet. Ihre Rolle wurde von Emile Zolas ‚Thérèse Raquin‘ angeregt.

„Thirst“ ist sicherlich auch Parks Film mit den meisten erotischen Szenen. Das Vampirgenre gibt diese Konnotation zwingend vor, wird doch der Kuss zum Saugen, das sich hingeben bis zum Tod oft zum lasziven Lustgewinn.

Aber auch die Nebenrollen, wie die stets begeisternde Kim Hae-sook als alkoholabhängige Mutter, die am Ende nur noch mit den Augen rollen kann und trotzdem die Mörder ihres Sohnes verrät, trägt zum Gelingen des Filmes bei.

Die Spezialeffekte sind nicht spektakulär aber passen ins Bild und geben sogar ab und an Grund zum Schmunzeln. Der Maske jedoch gebührt ein großes Lob, wie auch der Kamera und der Beleuchtung. 

 

„Durst – Thirst“ erschien nun auf DVD und Blu-ray mit dem in Korea verbotenen Plakat als Coverbild. 

 

Fazit: Dieser Vampirfilm erschließt dem Genre eine neue Perspektive und erscheint wie eine willkommene Blutauffrischung im allzu oft verharrenden Einerlei der bissigen Massenware aus Hollywood. Nicht nur für Liebhaber der Blutsauger eine willkommene Abwechslung und ein Muss für Koreafans.  

 

(Mit herzlichen Dank an ascot elite für die Bereitstellung der Besprechungs-DVD!) 

Letztes Update ( Wednesday, 15 December 2010 )