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„71 Into the Fire“ auf DVD PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Sunday, 13 March 2011
 

 

71 Into the Fire. Der Tag an dem Helden geboren wurden

 

 

OT: 포화 속으로 (Pohwasogeuro)

Land: Südkorea 2010

Regie: John H. LEE (LEE Jae-hoon)

Drehbuch: LEE Man-hee nach dem Buch von KIM Dong-woo

Darsteller: CHA Seung-won, KWON Sang-woo, CHOI Seung-hyeon (T.O.P.), KIM Seung-woo

Musik: LEE Dong-jun
Länge: 116 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Koreanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Bildformat: 16:9 anamorph (2.35 : 1)
Extras: Character Featurette (3 Min.), On Set (20 Min.), Original Trailer (2 Min.), wobei die Extras automatisch mit holländischen Untertiteln laufen (sic)!
Synchronisation und Untertitel: Die Synchronisation gefällt mir sehr, sogar die Klangfarben der Originalsprecher wurde berücksichtigt. Einige unwesentliche Variationen zu den Untertiteln, die jedoch inhaltlich übereinstimmen. Lediglich ein Name wird in der Synchronisation nicht richtig ausgesprochen.

FSK: ab 18 Jahren
Vertrieb: Bei ascot elite als DVD oder Blu ray im Schuber

 

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Als im Sommer 1950 der Koreakrieg ausbricht und der kommunistische Norden den Süden in nur sechs Wochen überrante, warf man alle waffenfähigen Männer an die Front. So kamen auch Schüler und Studenten ins letzte Aufgebot. Den ungelernten Jungsoldaten wurde ein Gewehr in die Hand gedrückt und ein nur wenige Tage gedienter Junge als Zugführer vor die Nase gesetzt. Oh Jang-beom hat nur Botengänge gemacht, doch nun soll er eine strategisch wichtige Schule in der Nähe von Pohang sichern und verteidigen, um so die Hauptarmee an der Nakdong-Front zu entlasten. Man hofft sehnlichst auf die Unterstützung der Amerikaner, die neue Waffen und Luftunterstützung zugesagt haben.

Unter den wild zusammengewürfelten Rekruten aus der Gegend befindet sich auch Gap-jo, ein Messerstecher, der in der Todeszelle saß, aber freiwillig lieber Kommunisten töten will. Er und seine Kumpane wollen sich nichts befehlen lassen und begehren gegen Jang-beom auf. Als durch eine Unachtsamkeit auch noch ihr Vorrat explodiert, müssen sie selbst nach Verpflegung suchen. Eine erste nordkoreanische Vorhut können sie ausschalten, aber dann geraten einige in einen Hinterhalt.

Auf ihrem Rückzug haben die Südkoreaner verbrannte Erde hinterlassen und die Brücken gesprengt. Nun will der kommandierende Offizier Park seine Truppe direkt nach Pohang vorrücken lassen, um danach die letzte Bastion im Süden, den Hafen Busan angreifen zu können.Als Park einen der Schüler gefangen nimmt, erfährt er von deren Schwäche. Er stellt ihnen ein Ultimatum, sich bis zum Mittag zu ergeben, um ungeschoren davon zu kommen, doch die tapferen Jungen stellen Sprengfallen auf und verschanzen sich.  Die Übermacht ist riesig, doch die verzweifelten Schüler stellen sich tapfer ihrer aussichtslosen Rolle, den Vormarsch möglichst lange zu stoppen.

 

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Kommentar: Ein anrührender Kriegsfilm, der nach einer wahren Begebenheit gedreht wurde. Wie man im Abspann sieht, leben noch einige Überlebende dieser Episode aus dem furchtbaren Bruderkrieg, der Millionen von Koreanern auf beiden Seiten das Leben kostete. Grandiose special effects und atemberaubende Kampfszenen stehen nicht hinter vergleichbaren Spielfilmen her. Die athmosphärische Spannung innerhalb der Truppe durch den internen Machtkampf der beiden Kontrahenten Jang-beom und Gap-jo eskaliert in einem offenen Schlagabtausch, der den Tatbestand einer Befehlsverweigerung erfüllt. Erst ein (Gnaden-)Schuss eines Kameraden holt die beiden Kampfhähne wieder in die brutale Wirklichkeit zurück. Denn der eigentliche Feind ist der sich gegen seine Befehle widersetzende Park, der den Ruhm einstreichen will, ganz Korea erobert zu haben. Die Schule in Pohang ist nur eine Episode in seinem Streben nach Weltruhm. Die ahnungslosen Studenten werden ihm so zum lästigen Stolperstein, denn sie kämpfen mutig und einfallsreich gegen ihn bis zur letzten Patrone. Diese verlustreiche Schlacht gewinnt er beinahe, doch es wäre ein Pyrrhus-Sieg, denn die so dezimierte Einheit kann von den nachrückenden Alliiertentruppen gestoppt werden. Das Blatt sollte sich wenden und der Süden die Angreifer bis zur chinesischen Grenze zurücktreiben können, bis eine erneute Invasion der chinesischen Volksarmee eine erneute Wendung brachte, die letztendlich zum heutigen status quo an der innerkoreanischen Grenze und zur Demilitarisierten Pufferzone am 38 Breitengrad führte.

Pünktlich zum 60. Jahrestag des Ausbruchs diese ersten ‚heißen Krieges im Kalten Krieg‘ nach Ende des Zweiten Weltkriegs, kommt nun diese koreanische Sichtweise der Ereignisse. Für die drei Protagonisten wurden hier erstklassige Schauspieler gefunden.

Mit der ersten Hauptrolle für den Sänger „T.O.P.“ der Boyband 'Big Bang‘ bekommt Choi Seung-hyeon seine große Chance zum Durchbruch. Er spielte bereits einen Bösewicht, den Killer Vick in der Dramaserie „IRIS“ (2009) und in dem Teeniedrama „19-Nineteen“ mit. Hier steht er in Ausdruck und Professionalität seinen älteren Kollegen in Nichts nach. Seine feinfühlige Darstellung des an sich selbst zweifelnden, traumatisierten Jang-beom ist grandios. Sein Gegenpart ist der Liebling des letzten Jahrzehnts bei den koreanischen Jugendlichen. Doch um Kwon Sang-woo war es in den letzen Jahren ruhiger geworden. Der junge Familienvater galt als Traumschwiegersohn als er seinen muskulösen Oberkörper in zahlreichen Rollen im Film und im TV präsentierte. Nachdem er zunächst den jungen Wilden gab (u.a. „Vulcano High“ (2001), zeigte er seine melodramatische Seite in „Love, So Divine“ als Priesteranwärter, der mit dem Keuschheitsgebot in Konflikt kommt. In „Fate“ (2008) zeigte er nochmal sein Können als Martial-Arts-Kämpfer. Hier nun gelingt ihm ein fabelhaftes Comeback.

Zu Cha Seung-won braucht man nicht mehr viel zu sagen. Er ist auf dem Zenit seiner Popularität, spielt momentan in vielen Produktionen und mausert sich erfolgreich vom Image des biederen Lehrers („My Teacher, Mr. Kim", 2003) zum vielschichtigen Bösewicht in historischen Filmen („Blades of Blood“, 2009) oder Krimis („Eye for an Eye“, 2008). Gerade erst im koreanischen Fernsehen endete die Erfolgsserie „ATHENA - Godess of War“ (2011), wo er das Mastermind einer Geheimorganisation ist, die auch vor einem Attentat auf den Präsidenten nicht zurückschreckt.

Ebendort spielt auch Kim Seung-woo, der hier den südkoreanischen Captain gibt, dort einen nordkoreanischen Geheimagenten. Er ist seit Jahren ein beliebter Nebendarsteller, der mit seiner strengen Art und seinem korrekten Auftreten oft für Offiziere besetzt wird.

Regisseur John H. Lee, der seit 1999 Filme dreht, aber bereits als Drehbuchautor und sogar als Cutter einen Namen hat, bereitet gerade mit „The Killer" (2012) seinen secshten Film vor. Er inszenierte auch schon in Japan, so die Romanze „Sayonara itsuka" (2010) mit Miho Nakayama und Hidetoshi Nishijima.

In „71 - Into the Fire" setzt er einen Meilenstein in der Geschichte der koreanischen Kriegsfilme. Das Schicksal dieser 71 Jungen, die man am Anfang auf einem vergilbten Photo sieht, geht zu Herzen und läßt niemanden ungerührt zurück.

 

Mit „Brotherhood“ (2005) sicherlich der bewegenste Anti-Kriegsfilm über den Koreakrieg.

 

 

(Herzlichen Dank an ascot elite für die Überlassung der Rezensions-DVD!)

 

Letztes Update ( Sunday, 13 March 2011 )