Home arrow Aktuelles arrow Kinostart für "Das Hausmädchen"

Wer ist online?

Kein Benutzer Online
Kinostart für "Das Hausmädchen" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Tuesday, 05 April 2011

Nach dem großen Publikumserfolg in Korea kommt nun auch Im Sang-soo‘s Version des Klassikers ab 21. April unsere Kinos.

 

Image

 

Genau ein halbes Jahrhundert nach dem Originalversion („Hanyo“) von Kim Ki-young erscheint die Geschichte um ein Dienstmädchen im neuen, modernen Gewand.

Eine neureiche koreanische Familie, die sich ganz dem westlichen Lebensstil angeglichen hat, sucht ein junges Dienstmädchen, denn die Hausherrin ist mit Zwillingen hoch schwanger. Sie hat bereits eine Tochter, so dass es der in die Jahre gekommenen bisherigen Hausdame Cho zu viel wird. Der Herr im Haus, Hoon, ist ein Model von einem Mann, ein ganzer Kerl, der Chaffeur, Sekretär und Bodyguard um sich versammelt. Er spielt Klavier und liebt teuren, exklusiven französischen Rotwein. Er hält sich für unwiderstehlich, denn an dem makellosen, durchtrainierten Body findet sich kein Gramm Fett. In dem stilvoll eingerichteten Stadtpalast im Nobelviertel Seouls wird jedoch nicht herzlich miteinander umgegangen. Die junge Hausherrin Hae-ra ist launisch, ihre Regeln streng. Ist endlich Feierabend probiert die Alte schon mal von den Resten der Herrschaft, läßt sich den teuren Wein und die Gourmetfeinkost schmecken. Weil die Ehefrau für Liebesdienste nur noch eingeschränkt zur Verfügung steht, sucht sich Hoon eines Nachts die Zuneigung des neuen Hausmädchens Eun-yi. Selbst das bleibt der Hausdame nicht verborgen. Sie ahnt, dass es bald Ärger geben kann, da sie bemerkt, dass sie erste Anzeichen einer Schwangerschaft zeigt.

Sogleich wähnt die Hausherrin eine Konkurrentin um die Gunst ihres Gemahls und will mit allen Mitteln das Austragen des Kindes verhindern.

 

Lange war das Projekt bekannt, an dass sich nach 50 Jahren wieder ein Regisseur wagen sollte. Lange brodelte auch die Gerüchteküche, wer denn nun an dem Prestigeprojekt teilnehmen würde. Und wirklich ist es gelungen für diesen Film eine erstklassige Crew zusammenzustellen. Regisseur Im, der sicherlich zu dem guten Dutzend Filmemachern der neuen Generation gehört, die im letzten Jahrzehnt den koreanischen Hype (Hallyu) auslösten, interpretiert das Vorbild ziemlich frei und transponiert es in die Jetztzeit. Hier werden ganz archaische Muster angesprochen, wie ein Pascha seinen Harem erweitert und die Hauptfrau die Konkubine ausstechen will. Am Ende tun sich psychologische Abgründe der Gesellschaft auf.

 

Athmosphärisch wurde die Szenerie sehr gut durch die Kamerafahrten über den pompösen Set eingefangen. Unterstrichen von der sanften Streichermusik von Kim Hong-jip, entwickelt sich die Story bis zum kulminierenden Höhepunkt.

 

Die deutsche Synchronisation, von der ich mich durch einen Vorabscreener selbst überzeugen konnte, ist ausgesprochen gelungen. Zwar gibt es ein paar kleine Fehler bei der Aussprache der koreanischen Namen, aber das ist verschmerzbar, denn die Charakter der Originalstimmen wurden ganz gut berücksichtigt, wenn man auch das einmalige Knarzen von Youn Yuh-jung ein wenig vermisst.

 

Selbstredend ist das Hausmädchen mit Jeon Do-youn kongenial besetzt worden. Sie ist seit einer Dekade die Charakterdarstellerin, die nicht zuletzt durch ihre Goldene Palme für „Secret Sunshine“ (2007) auch international Beachtung fand. Ihre Gegenspielerin spielt Seo Woo, die gleich mit ihrem Debütfilm „Crush and Blush“ überzeugte und sicherlich eine große Karriere noch vor sich hat.

 

Zu Lee Jung-jae braucht man nicht viele Worte verlieren. Er ist der smarte Hoon, der mit dem goldenen Löffel im Mund geboren, hier all seine kaltblütige Brillianz an den Tag legt. Zunächst auch auf Romanzen (wie „Il Mare", 2000) prädesteniert, gibt er ebensogut den Actionhelden (wie in „Typhoon“, 2005). Er gehört sicherlich zur Macho-Fraktion des koreanischen Gegenwartskinos, die in positivsten Sinne ihren Mann steht, wenn es um die Rettung des Landes geht.

 

Witziger Weise ist die Besetzung von Youn Yuh-jung eine Reminiszenz an die Originalvorlage, spielte sie doch bereits unter dem damaligen Regisseur Kim Ki-young in den von ihm selbst 1970 gedrehten Remake „The Insect Woman“ mit.

 

Regisseur IM Sang-soo fiel zuletzt durch seine beiden historischen Plots auf, wo bei „The President‘s Last Bang“, 2005 (über die Ermordung von Koreas diktatorischen Präsidenten Park Chung-hee), eine Szene nur geschwärzt zu sehen ist und in „The Old Garden“ (2007) das Massaker von Kwangju 1980 behandelt wurde. Seine Herangehensweise an eine Geschichte ist in Korea nicht unumstritten, hier jedoch bestechen die Anspielungen und sozialkritischen Nadelstiche gegen das Establishment, die rüchsichtslos auch nach den internationalen Finanzkrisen agieren.

 

Ich wünsche dem Film die wohlwollende Zuneigung des Publikums und den Erfolg, den er zweifelsohne verdient. Ein Kompliment an den Verleih „Alamodefilm“, der hier zum ersten Mal einen koreanischen Film in sein Programm aufnimmt.

 

(Dank an Alamodefilm für die Überlassung des Screeners!)

 

 

Zur Webpage des Films

 

Letztes Update ( Tuesday, 05 April 2011 )