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"I saw the Devil" auf DVD (Black Edition) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Tuesday, 26 April 2011
 

 

I Saw The Devil

 

 

OT: 악마를 보았다 (Agmareul bo-att-da)

Land: Südkorea 2010

Regie: KIM Jee-won

Darsteller: CHOI Min-shik, LEE Byung-hoon, OH San-ha, JEON Gook-hwan

Musik: Mowg
Länge: 137 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Koreanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Bildformat: 16:9 anamorph (1,85 : 1)
Extras: Making of...(19 Min.), Interviews mit Kim, Lee und Choi (zusammen 20 Min.), 3 TV-Spots, Original Trailer (1 Min.), wobei die Extras automatisch mit holländischen Untertiteln laufen (sic)!
Synchronisation und Untertitel: Die Synchronisation muss als gelungen bezeichnet werden, wenn auch die Diabolik eines Choi Min-shik kaum adäquat wiederzugeben ist, besonders wenn er flucht und stöhnt. Einige wenige Abweichungen in den Untertiteln, die nicht weiter ins Gewicht fallen, in einer Szene wurde das Duzen und Siezen verwechselt.

FSK: ab 18 Jahren
Vertrieb: Die uncut version erschien bei splendid film in der black edition

 

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Geheimagent Kim Soo-hyun ist wieder durch seinen Job gebunden, so kann er seiner Verlobten nur per Telefon zum Geburtstag gratulieren. Sie sitzt derweil im Schnee fest, weil sie eine Autopanne hat. Da klopft ein Mann an ihre Scheibe, will ihr helfen. Doch sie ist skeptisch, will lieber auf den Abschleppdienst warten. Der Unbekannte schlägt die Scheibe ein, überwältigt sie und bringt sie in seine Lagerhalle, wo er sie tötet und zerstückelt. Einige Zeit später entdecken Kinder beim spielen Teile der Leiche. Soo-hyun ist zuerst aufgelöst vor Trauer, dann wütend und schwört Rache für Ju-yeon. Ihr Vater ist Polizeipräsident und gibt Soo-hyun die Ermittlungsakten. Vier Killer sind in engerem Fokus. Schnell findet er die Verdächtigen und beim Dritten Kandidaten steht fest, dass er der Killer ist. Der Schulbusfahrer hatte gerade eine Schülerin in seiner Gewalt, als er einschreitet, ihn überwältigt und ihn beinahe tötet. Dann erinnert er sich an sein Gelöbnis, ihn qualvoll zur Strecke zu bringen. So verletzt er ihn nur und begibt sich auf eine Jagd, die er mittels eines GPS-Senders in Pillenform aufnimmt. Mehrfach kann er ihn überwältigen, wenn er auch auf seiner Flucht immer wieder Leute in tödliche Gefahr bringt.

 

 

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Dieser Film läßt einem das Blut in den Adern gefrieren. Selten sah man Gewaltszenen in einer solchen, oft nur schwer zu ertragenden Brutalität (gebrochene Knochen, ausgerengte Gelenke, zerschnittene Sehnen, etc.). Ein Massenmörder und Sadist wird von seinem Gegner gefaßt, aber nicht zur Strecke gebracht. Das Leid, dass er hervorrief soll auch er durchleiden. Im Angelsport kennt man den ‚Catch-and-release‘-Gedanken, wo ein an den Haken geratener Fisch nach dem Anlanden wieder ins Wasser entlassen wird. So ‚spielt‘ auch hier Geheimagent Kim ein zunächst ungleiches Spiel. Doch wider Erwarten, entwickelt der Sadist ein Gefallen an dem Treiben, zumal er nach einiger Zeit den Spieß umdrehen kann und seinerseits das Szepter des Handelns in die Hand nimmt.

Ein ungeheurer Spannungsbogen hält den Plot auf Hochspannung. Die grandiose Kamera mit fantastischen Perspektiven und Schwenks und Schnitten überzeugt auf ganzer Linie. Der krankhafte Drang und Zwang des sadistischen Serienkillers wird von Choi Min-shik in bewegender Direktheit auf die Leinwand gebracht. Körperlich an seine Grenzen gehend, besticht Choi einmal mehr durch seine Präsenz und seinem schlichten, autentischen Agieren. Er verkörpert den subtilen Wahn wie einst Peter Lorre in Fritz Langs „M- Eine Stadt sucht einen Mörder“.

Regisseur Kim Jee-woon konnte auf sich auf seine beiden Protagonisten blindlinks verlassen, hatte er doch mit beiden schon zuvor gefilmt. Schon in seinem dritten Film „A Quiet Family“ (1998), mit dem ihm der Durchbruch gelang, war Choi mit von der Partie. Lee Byung-hoon war bereits in „A Bittersweet Life“ (2005) dabei. Spätestens seit seinem Blockbuster „A Two-Sisters Story“ (2003) gehört der 1964 geborene Kim zu den angesehensten Vertretern seiner Zunft. Immer wieder versucht er sich an neuen Genres, läßt sich in keine Schublade stecken. So überzeugte er mit seinem wahnwitzigen ‚Kimtschi-Western‘ „The Good, The Bad, The Weird“ (ebenfalls mit Lee Byung-hoon) alle Kritiker und fand auch International großen Widerhall in der Presse und auf Festivals .

Choi Min-shik ist eine feste Größe in der koreanischen Kinolandschaft und besticht immer wieder durch seine kompromißlose Spielweise. Nicht zuletzt durch auch körperlich intensive Charaktere wie in „Oldboy“ oder „Crying Fist“ hinterläßt er stets einen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer.

Lee Byung-hoon gehört zu den Lieblingen des Publikums. Seine Hauptrollen verleihen ihm Starqualität, die er durch die Auswahl seiner Filme immer wieder unter Beweis stellt. Der vielbeschäftigte Action-Held hat bereits mit „G.I. Joe“ seinen ersten Hollywoodeinsatz abgeliefert. In koreanischen TV-Drama-Serien wie „All In“ oder „IRIS“ ist er ebenso präsent wie auf der Leinwand, sei es als romantischer Liebhaber, stahlharter Geheimagent oder nebulöser Gangster.

 

Das Genre des Rachefilms hat in den letzten Jahren Konjunktur. Auf vielerlei Weise setzen sich Opfer mit ihrem Schicksal auseinander und wehren sich selbst, ohne sich auf die Staatsmacht oder die Justiz zu verlassen. Das mag ein Trend sein, der durch Fehlurteile oder in den Augen der Opfer zu milde Strafmaße ursächlich ist. Selbstjustiz wie in der Rachetrilogie von Park Chan-wook in mehreren Varianten durchdekliniert wurde oder der perfide Plan durch eine Freipressung eines Täters selbst Rache zu üben wie in „Seven Days“ brachten neue Aspekte in diese spannenden Krimifilme.

Hier wird nun wieder eine Stufe höher gegangen und ein ausgeklügeltes Katz-und-Mausspiel gezeigt, wie man es so noch nicht gesehen hat.

 

„I Saw The Devil“ birgt allertiefste menschliche Abgründe. Dieser Film läßt einen so schnell nicht mehr los.

 

Kurz vor Ostern bekam der Film beim BIFFF (Brussels International Fantastic Film Festival) den großen Preis der Jury mit dem Goldenen Raben 2011 zugesprochen.

 

Ein Dank geht an splendid film, der diesen Film in der ungeschnittenen Version und sehr schnell zum deutschen Publikum bringt.

 

(Dank an splendid film für die Bereitstellung der Besprechungs-DVD!)

 

 

Letztes Update ( Tuesday, 26 April 2011 )