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"A Company Man" auf DVD PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Sunday, 24 March 2013

A Company Man

OT: Hoe-sa-won (ȸ)

Land: Südkorea 2012

Regie: LIM Sang-yun

Drehbuch: LIM Sang-yun

Darsteller: SO Ji-sub, LEE Mi-youn, KIM Dong-jun, KWAK Do-won, LEE Kyeong-yeong, DONG Jun

Musik: Mowg
Länge: 95 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Koreanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Bildformat: 16:9 anamorph (2.35 : 1)
Extras: keine
Synchronisation und Untertitel: Die Synchronisation ist ausgezeichnet. Minimale Abweichungen fallen nicht ins Gewicht. Großes Lob an mighty titles für die Untertitelung.
FSK: ab 18 Jahren (ungeschnittene Black edition)
Vertrieb: splendid film

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Wenn sich Ji Hyung-do vorstellt, sagt er, dass er in einer Firma in der Metallbranche arbeite. Doch das Großraumbüro ist nur Fassade. Im geheimen Zwischengeschoß sitzt der Boss einer Auftragskillergang. Hyung-do ist ihr bester Man, akkurat, chic und kaltblütig. Er stellt keine Fragen, erledigt seine Aufträge mit großer Routine und ohne Spuren zu hinterlassen. Als er jedoch zwei Aufträge nicht ausführt, bekommt er Ärger. Eines Tages trifft er Su-yeon, die Mutter eines jungen Kollegen, den er leben ließ. Sie ist die ehemalige Sängerin seines Lieblingsliedes zu Teenagerzeiten. Er geht mit ihr aus und verliebt sich in sie. Plötzlich zweifelt er an seinem Job, träumt von einer bürgerlichen Existenz. Zwar gelang seinem ehemaligen Boss Ban der Ausstieg, doch damit war auch sein gesellschaftlicher Abstieg verbunden. Er lebt in einer Fischerhütte. Nun denkt auch Ji daran zu kündigen. Doch der Ausstieg wird ihm nicht gewährt, so gerät er ins Fadenkreuz seiner Kollegen. Auf der Flucht setzt er auf Ban, der ihm Unterschlupf gewährt, ihn dann aber doch verrät, weil er hofft in die Firma zurückzukehren.
In letzter Konsequenz muss er die Firma auslöschen, will er weiterleben. Im unvermeidlichen Showdown heißt es: Alle gegen einen!

Dieses Erstlingswerk von Regiedebütant Lim Sang-yun läßt keine Wünsche eines Actionfreundes offen. Eine überschaubare, stringente Handlung und brilliant gefimte Schußwechsel im Stile eines John Woo. Trotz aller Brutalität, bleibt die Choreographie der Gewalt nachvollziehbar und wirkt niemals aufgesetzt oder übertrieben. So Ji-sub ist die ideale Besetzung für den smarten Killer im Maßanzug. Der ehemalige Schwimmer und hochgewachsene Model ist ein athletischer, cooler Held, der kaum eine Mine verzieht. Das ändert sich schlagartig, als er sich in die deutlich ältere Su-yeon verliebt. Er macht Scherze, lacht und träumt von einer gemeinsamen Zukunft wie ein Teenager. Diese beiden Gesichter verdeutlichen den inneren Konflikt, der ihn schließlich zum Äußersten treibt. Die Bosse wissen, was sie an ihn haben, die ‚Firma‘ prosperiert. Da sie ihn in der Hand haben, können sie ihn nicht ziehen lassen. Ein ehemaliger Kollege, der ihm zum Freund geworden ist, plant mit dem Ableben Hyung-dos seinen Wiedereinstieg in die Company. Eine Flucht ist unmöglich, der ‚Angestellte‘ muss tabula rasa machen, ansonsten gibt es für ihn keine friedliche Zukunft.
Die Story ist sicherlich nicht neu, aber neu erzählt und ohne Längen flott inszeniert. Exzellente Kamerafahrten und ungewöhnliche Perspektiven runden das Gesamtbild ab. Der Cast ist bis in die letzte Nebenrolle passend besetzt. Der coole Oberboss und sein schleimiger Möchte-gern-Nachfolger, der geläuterte Freund, der unversehens zum Gegner wird und die Mutter, die unverhofft in eine Romanze hineinschliddert, wurden mit gestandenen Schauspielern inszeniert. Die Polizei wird einmal mehr als dummer Haufen, der der Entwicklung meilenweit hinterherhinkt, dargestellt.


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Der unvermeidliche Showdown wurde erstklassig in atemberaubender Brillanz detailliert choreographiert. Handwerklich steht die Action Genreklassikern aus Hongkong oder Japan in keiner Weise nach. Man darf sich hoffentlich bald auf Neues vom Regisseur Lim freuen.

Hauptdarsteller So Ji-sub ist nicht nur in Korea ein Superstar ohne Allüren. Der 1977 geborene So arbeitete ab 1994 als Model bevor er in einer Sitcom (Three Men, Three Women) zum Teeniestar avancierte. 2002 debütierte er dann mit „Can‘t Live Without Robbery“ für die Kinoleinwand. Doch zunächst brachten ihm Rollen in TV-Dramen wie „Something Happened in Bali“ oder „I‘m Sorry, I Love You“ auch anderen Ländern Asiens eine Riesenaufmerksamkeit. Sein tadelloses Äußeres, die markanten Züge und die sinnlichen Rehaugen lassen die Herzen seiner Fans höher schlagen. Sein zweiter Spielfilm „Rough Cut“ (2008) brachte ihm auch bei den männlichen Zuschauern große Anerkennung. Regisseur Jang Hun zog So als Joker aus der Tasche und spielte mit dem Genre (Action-)Film und Gewaltinszenierung in einer hochinteressanten Wechselwirkung. So Ji-sub als Gang-pae war hier die Idealbesetzung. Vielleicht um in keine Schublade zu kommen, zeigte So sich 2009 in Zhang Zi-yi‘s romantic comedy „Sophie‘s Revenge“. In Interviews gibt So auch unverblümt zu, dass er nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt sei und sich seine Angebote genau ansehe, bevor er sie wahrnehme. Dass er hier das Angebot von Jungregisseur Lim Sang-yun angenommen hat, zeugt von Sachverstand, wird hier doch auch unterschwellig Gesellschaftskritik angesprochen. Eine Gesellschaft, die von sog. White-Collar-Leuten dominiert wird, die sich nach außen hin den Schein der blütenweißen Weste geben und hinter der Fassade womöglich in schlimme Geschäfte verwickelt sind. Korea wird immer wieder von Skandalen erschüttert, wo Manager in illegale Machenschaften verflochten sind, in der Öffentlichkeit aber den großzügigen Wohltäter abgeben. Mehr Schein als Sein ist in der koreanischen Gesellschaft ein gängiges Erfolgsrezept.
Auf das (vermeintliche) Tabuthema junger Mann liebt ältere Frau will ich hier gar nicht weiter eingehen.
2007 war für Lim der Einstieg in das Filmgeschäft, war er doch bei drei Produktionen als Regieassistent tätig. So lernte er bei „The Cut“ die Spannung eines Mysteryhorrorfilms kennen. Beim Historienepos „Shadows in the Palace“ (dem sog. ‚Frauenfilm‘, weil sowohl vor als auch hinter der Kamera fast nur Frauen tätig waren) ging es um einen Kriminalfall zur Joseon-Zeit und schleißlich bei „The Old Garden“ um das Massaker von Gwangju 1980.
Erfreulich auch die Rückkehr von Lee Mi-youn auf die Leinwand, war sie doch seit „Love Exposure“ (2007) nicht mehr zu sehen gewesen.
Nach vier Monaten entbehrungsreichen Dreharbeiten stand fest, dass Lim Sang-yun hier ein großer Wurf in neuer Optik für den Actionfilm gelungen ist.

 

(Vielen Dank an Splendid film für die Überlassung der Besprechungs-DVD!)

Letztes Update ( Sunday, 24 March 2013 )