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Pieta auf DVD PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Tuesday, 23 April 2013

OT: Pi-e-ta (ǿŸ)

Land: Südkorea 2012

Regie: KIM Ki-duk

Drehbuch: KIM Ki-duk

Darsteller: CHO Min-soo, LEE Jeong-jin, WOO Gi-hong, KANG Eun-jin, JO Jae-ryong, LEE Myeong-ja, KWON Se-in, HEO Joon-seok, JIN Yong-wook

Musik: PARK In-young
Länge: 104 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Koreanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 16:9 anamorph (1.85 : 1)
Extras: Trailer
Synchronisation und Untertitel: Die Synchronisation ist sehr gut gelungen, wenn auch die Untertitel formal aber nicht inhaltlich abweichen, so werden andere Schimpfworte verwendet oder der Satzbau verändert. Das Ende wurde im Vergleich zur koreanischen Version leicht geschnitten. So ist die Szene, wie er vom Auto zu Tode geschleift wird, hier nur angedeutet.
FSK: frei ab 16 Jahren
Vertrieb: Ascot Elite/ mfa+

 

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Ein Mann im Rollstuhl erhängt sich mittels einer Kette an einer Motorwinde. Kang-do liegt im Bett und onaniert. Mit diesen verstörenden Szenen beginnt Kim Ki-duks 18. Film ‚Pieta‘. Der brutale Geldeintreiber zwingt die säumigen Kunden sich selbst zu verstümmeln, damit sie die Versicherungsprämie kassieren können, um ihre Schulden zu zahlen, ansonsten hilft er nach. Da taucht plötzlich eine Frau bei ihm auf, die ihn um Verzeihung bittet, habe sie sich doch 30 Jahre nicht um ihn gekümmert. Sie sei seine Mutter, die ihn kurz nach der Geburt weggab und sich nun wieder um ihn kümmern will. Nach anfänglichen Zweifeln gewöhnt sich Kang-do an die Frau, die ihn bekocht und die Wohnung säubert. Wenn sie auch nicht viel miteinander reden, entwickelt er doch Gefühle für sie. Doch dann wendet sich das Blatt. Sie ruft ihn an, schildert einen Einbruch, der gar nicht stattfindet. Er sucht sie überall, denkt an eine Rachetat einer seiner Kunden. Die verkrüppelten Männer sind aber gar nicht mehr in der Lage eine Entführung zu Wege zu bringen. Er erkennt das Elend, dass er verursachte, die Familien, die er zerstörte. Ehen am Rande des Scheiterns. Er kündigt bei seinem Chef, doch die Einsicht kommt zu spät. Das Drama nimmt seinen Lauf.

Kim Ki-duk hält einmal mehr der koreanischen Gesellschaft schonungslos den Spiegel vor. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum der Regisseur im eigenen Land nicht wohl gelitten ist. Seine Filme sind eigentlich nur im Ausland Erfolge, was er mehrfach anprangerte und sich schon ins innere Exil begab (wie in seinem letzten Film „Arirang“ zu sehen ist). Ja, es gibt diese Geldeintreiber, Geldhaie, die brutal zu werke gehen. Ja, es gibt die arme Mittelschicht, die oft bei den Banken keine Kredite mehr bekommen, wenn ihre kleine Handwerker-Manufaktur im Viertel um den Cheonggyecheon-Fluss nicht gut läuft. Ja, es gibt den Versicherungsbetrug, der bei Arbeitsunfähigkeit, Unfall oder sogar Tod greift. Ja, es gab und gibt eine Vielzahl zur Adoption frei gegebener Kinder, die von ihren Müttern nicht versorgt werden konnten, welches zur Zeit zu großen sozialen Diskussionen führt.

 

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Gern zeigt sich Seoul modern, hip und chic, doch es tanzt nicht jeder im Gangnam-Style durch die Stadt, denn es gibt das Elend und die Armut auch.
Auch ist das Verhältnis von Mensch zu Tier in Korea ein anderes. Hierzulande mag man sich über das Ausnehmen eines Huhns oder das Köpfen eines Aals (das Fleisch wird in Korea als potenzfördernd angesehen!) mokieren, doch auf den Märkten und in Restaurants ist es üblich lebendige Ware auszusuchen und zu kaufen. [Noch vor ein/zwei Generationen war es auch hier üblich z.B. den Silvesterkarpfen in der Badewanne frisch zu halten, bis er mit dem Holzhammer erledigt wurde]. Unsere Tierschutzstandarts darf man hier nicht anlegen, das wurde in den Filmen Kims immer wieder thematisiert, wie z.B. bei „Address Unknown“ oder „Frühling, Sommer, Herbst, Winter...und Frühling“.
Neben diesen Aspekten steht aber hier natürlich das (vermeintliche) Mutter-Sohn-Verhältnis im Vordergrund. Kang-do, der Einzelgänger, der sich selbst durchgeschlagen hat und offenbar in keiner Beziehung lebt, wird unversehens mit einer Frau konfrontiert, die sagt, nach 30 Jahren wolle sie ihren Fehler wieder gut machen. Er scheut die Nähe, weist sie zunächst barsch zurück. Doch ihre Hartnäckigkeit zahlt sich aus, sie kann die harte Schale knacken und legt den doch vorhandenen weichen Kern frei. Ödipale Züge kommen zum Vorschein.


Titel und Filmplakatmotiv weisen auf eine religiöse Komponente hin. Die ‚Pietà‘ als intime Trauersituation der Muttergottes mit dem vom Kreuz genommenen Christus als inbegriff der unsagbaren Trauer, wo es keine Tränen mehr gibt, obwohl der Weg dorthin vorgezeichnet war. Kim Ki-duks Filme sind koreanische Themen durch und durch, wenn auch die Bildsprache an französische Vorbilder erinnert. Hier hat seine Studienzeit in Paris sicherlich einen tiefen Eindruck hinterlassen. Es sind die gebrochenen Charaktere die ihn interessieren, deren Tun uns nicht sogleich aufgeht. Menschen, die oft Probleme haben sich auszudrücken, vielfach Schweigen, wo doch Worte angebracht wären. Männer an ihrem Scheideweg, die auf die schiefe Bahn gerieten und immer Tiefer im Treibsand versinken, je stärker sie sich zu retten versuchen.
Kim Ki-duk gehört längst zu den namhaftesten Regisseuren Koreas, der auch hierzulande mittlerweile an Universitäten zu Examensarbeiten inspiriert.
Die oft im low-budget-Bereich gedrehten Streifen werden von Filmkunstfans auf der ganzen Welt geschätzt. Die Auswahl der Schauspieler, Story, Schnitt (auch vom Regisseur) und Musik bilden stets eine Einheit, die den Film zu einem gelungenen, abgerundeten Ganzen machen.
Lee Jeong-jin ist ein Publikumsliebling, der seit 1998 vor der Kamera steht, zunächst in High-School-Filmen oder Horrorschockern (Bloody Beach, 2000), drehte er aber auch Komödien (Mapado, 2004) und Gangsterthriller (Troubleshooter, 2010) .
Sein Counterpart wurde mit Jo Min-soo besetzt, die seit dem legendären Debüt in der Dramaserie ‚Sandglass‘ (1995), in mehreren weiteren Serien mitwirkte, wie ‚Piano‘ oder ‚Happy Together‘, auf der Leinwand war sie zuletzt in ‚Sunny‘ (2010) zu sehen.

 

Pieta wurde auf den 69. Filmfestspielen in Venedig 2012 mit dem Goldenen Löwen für den Besten Film ausgezeichnet. Außerdem bekam er den Sonderpreis der Jury bei den 49. Grand Bell Awards in Seoul im Oktober 2012.

 

Die Qualität der Filme Kim Ki-duks ist unbestritten, hier knüpft er an alte Höhen an und meldet sich erfolgreich aus dem selbstgewälten inneren Exil zurück. Keine leichte Kost, aber das erwartet man von Kim Ki-duk auch nicht. Er wird seinem Namen gerecht und betört und verstört den gebannten Zuseher gleichermaßen. Nicht nur für Fans ein must-have-seen !

 

Die Blu-ray Version hat als besonderen Bonus den vorherigen Film „Arirang“ (2011), der sonst nicht separat erschienen ist auf Extra-Disc in der Special Edition.

 

(Vielen Dank an Ascot Elite für die Bereitstellung der Besprechungs-DVD!)

Letztes Update ( Tuesday, 23 April 2013 )