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"Confession of Murder" auf DVD PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Friday, 10 May 2013

Confession of Murder - Tödliches Geständnis

 

OT: Nae-ga Sal-in-beom-i-da (내가 살인범이다)

Land: Südkorea 2012

Regie: JUNG Byung-gil

Drehbuch: JUNG Byung-gil

Darsteller: JUNG Jae-yeong, PARK Si-hoo, JUNG Hae-gyoon, KIM Yeong-ae, CHOI Won-yeong, KIM Jong-goo

Musik: KIM Woo-geun
Länge: 116 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Koreanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Bildformat: 16:9 anamorph (2.35 : 1)
Extras: Behind the Scenes (16 Min. untertitelt, u.a. mit den Verfolgungsszenen!)
Synchronisation und Untertitel: Die Synchronistaion gefällt mir sehr gut, Namen und Orte wurden fast alle korrekt ausgesprochen.
FSK: frei ab 16 Jahren
Vertrieb: splendid film in der Amasia-Reihe

 

 

Dieser Film ist ein Glanzstück! Ich muss mich sehr zurückhalten um hier kein Feuerwerk an Superlativen zu versprühen, um nicht zu übertrieben zu wirken. Aber dieser Film hat mich umgehauen. So ein qualitativ hochwertiges Regiedebüt hat es lange nicht gegeben. Von der mitreißenden Kamera über den Schnitt, die atemberaubenden Actionscenen und Verfolgungsjagden, der geniale Coup mit der unerwarteten Wendung und die hinreißenden Schauspieler runden eine Leistung ab, die ich für die beste des ganzen letzten Jahres halte.

 

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Winter 2005: Der ermittelnde Polizist, Detective Choi, verfolgt einen vermumten Täter, der durch die Scheibe eines Restaurants geflogen kam in Parcour-Manier durch den Regen. Die schwer verletzte Wirtin ringt nach einer Messerattacke mit dem Tod. Der Cop zieht den Kürzeren und bekommt noch eine große Fleischwunde, die eine ihn entstellende Narbe auf der Wange zurückläßt. Wenig später, am Tag als die Verjährungsfrist abläuft, begeht ein Angehöriger eines Opfers Selbstmord.
Dann erscheint zwei Jahre später eine Autobiographie, in der sich der Autor Lee Du-seok als der gesuchte Serienkiller zu erkennen gibt, der 10 Frauen getötet habe. Da die Edition aber 17 Jahre nach dem letzten Mord ist, wirkt die Verjährungsfrist und die Justiz kann ihn dafür nicht mehr belangen (NB: Anders als in Deutschland verjährt Mord in Südkorea nach 15 Jahren, es gibt auch noch die Todesstrafe, die jedoch seit vielen Jahren nicht mehr ausgeführt wurde). Die Buchpräsentation mit dem smarten Autor wird zum Medienereignis. Das Buch schnell zum Bestseller. Die Presse reißt sich um den sich reuig gebenden Täter, der sich bei den Opferfamilien entschuldigen will. Der Polizist, der selber zum Opfer wurde, will sich nicht geschlagen geben und versucht ihm seinen Ruhm zu beschneiden. Inzwischen hat sich eine Opferinitiative gegründet, angeführt von Han Ji-soo, die ihre Tochter verloren hatte und sich mit den juristischen Gegebenheiten nicht abgeben will und zur Selbstjustiz bereit sind. Sie kidnappen den Täter auf spektakuläre Weise.
Mehr hier Preis zu geben, würde die Spannung reduzieren und das will ich natürlich nicht.

 

 

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Mein Lob gilt zunächst dem Regisseur und Autor Jung Byung-gil (Jg. 1980), der seine Drehbuchidee fulminant umgesetzt hat. Bislang war er nur durch den Dokumentarfilm „Action Boys“ (2008) aufgefallen, wo die selektive Aufnahmeprozedur des Stuntmen-Nachwuchs an der Seoul Action School gezeigt wird.  Seine Erfahrungen in diesem Genre hat sich auch bei den Action-Scenen bei diesem Film ausgezeichnet. Seine Einblicke in Hochgeschwindigkeits-Actionszenen, die er als Kameramann damals gemacht hat, bringt er auch hier ein. Sein Spionfilm-Projekt kam leider aus der Pre-Productionphase nicht heraus. Doch hier ist ihm nun der große Wurf gelungen und er wird in die Reihen großer namhafter Regiekollegen aufsteigen.
Ganz ausgezeichnet ist auch die Auswahl der Protagonisten gelungen, agiert mit Jung Jae-young ein Hochkaräter der Schauspielergilde Koreas. Seit anderthalb Jahrzehnten brillierte er in namhaften Produktionen wie ‚Silmido‘ (2003),  „Righteous Ties“ (2006), dem Historienfilm „The Divine Weapon“ (2008) oder als moderner Robinson in „Castaway on the Moon“ (2009). Er gibt hier das kantige Rauhbein, der nicht nur wegen der großen Narbe, die er jeden Tag im Spiegel sieht, noch eine Rechnung mit dem Täter offen hat.
 Ihm zur Seite gestellt wurde der Beau Park Si-hoo, der hier zum ersten Mal auf der großen Leinwand zu sehen ist, in Korea aber seit 2005 in vielerlei Drama-Serien wie „Ilchimae“ (2008) oder „Prosecutor Princess“ (2010) ein Gesicht hat, welches nicht nur durch sein smartes Äußeres weibliche Fanclubs wie Pilze aus dem Boden schießen ließen. Aber auch die Nebenrollen wurden exquisit besetzt.
Die Medien spielen -wie überall auf der Welt- eine große Rolle und wittern stets nach Sensationen. Der Boulevard wird hier bedient, wenn sich ein enddreißiger Modellathlet rühmt, in einen Zwanzigern ein Serienkiller gewesen zu sein. Er gibt sich geläutert, ohne freilich einen Tag in der Zelle gesessen zu haben. Die Details seines Geständnisses erschüttern die Leser und lassen trotzdem den Schauder des Unfassbaren faszinieren. Die voyeuristische Neugierde des Menschen wird hier bedient. Die Medien inszenieren schließlich eine Fernsehshow, wo der Täter mit dem ermittelnden Polizisten konfrontiert werden soll. Hier zählt nur die Quote, das ist den Machern klar.  Der gesunde Menschenverstand steht den juristischen Tatsachen konträr gegenüber. Wie können solche Taten ungesühnt bleiben, noch schlimmer, wie kann der Täter im Nachhinein mit den Taten noch Geld als Autor verdienen. Die Fronten sind schnell klar. Der Wunsch nach Gerechtigkeit steht gegen die Eitelkeit des Killers, der in die Kamera lächelnd sofort eine Reihe weiblicher Fans bekommt.

Ganz klar wird die Anspielung auf die damals unaufgeklärten Serienmorde in „Memories of Murder" (2002), als kurz ein Tatort am Feldrand gezeigt wird.
Hier wird ganz klar Medienkritik geäußert, hinzu kommt die unzureichende Gesetzeslage, die solche Vorgänge möglich machen (wird mittlerweile von der Regierung geändert). Regisseur Jung legt hier geschickt und unumwunden den Finger in die Wunde. Schuld und Sühne kann es hier nicht geben, bzw. steht in einem straken Mißverhältnis, das birgt den Konfliktstoff, der hier kongenial aufgelöst wird.

Dieser Film ist nicht nur gelungen, er ist herausragend und verdient auch hierzulande eine große Publikumsresonanz.

 

 

(Vielen Dank an splendid film für die Überlassung der Besprechungs-DVD!)

Letztes Update ( Friday, 10 May 2013 )