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"The Tower" auf DVD PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Monday, 20 May 2013

The Tower - Tödliches Inferno

 

OT: Ta-wo (Ÿ)

Land: Südkorea 2012

Regie: KIM Ji-hoon

Drehbuch: KIM Ji-hoon, YOO Young-ah

Darsteller: SUL Kyung-gu, SON Ye-jin, KIM Sang-kyung, AHN Sung-ki, KIM In-kwon, DO Ji-han, LEE Jang-joo, KWON Hyeon-sang, PARK Jeong-hak, CHA In-pyo, PARK Cheol-min, SONG Jae-ho, LEE Han-wi, KIM Seong-oh, JO Min-ah, MIN Young, LEE Joo-sil, JEONG In-gi

Musik: KIM Tae-sung
Länge: 117 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Koreanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Bildformat: 16:9 anamorph (1,78 : 1)
Extras: keine
Synchronisation und Untertitel: Ausgezeichnete Synchronisation und hervorragende Untertitelung.
FSK: frei ab 16 Jahren
Vertrieb: splendid film in der Amasia-Reihe

 

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Am Weihnachtsabend 2011 plant Mr. Jo, der stolze Besitzer des neuen Wahrzeichens in Seoul, den Doppelturm-Wolkenkratzer „Tower Sky“, eine ‚White Christmas-Party‘ für die Anwohner und andere VIPs aus Politik und Wirtschaft. Weil das Wetter jedoch dafür viel zu warm ist, scheut er keine Mühen und Kosten die perfekte Illusion zu schaffen indem er Hubschrauber mit Schneekanonen um die Türme kreisen läßt. Doch die tückischen Aufwinde in der engen Schlucht zwischen den Türmen lassen einen Helikopter in die Fassade stürzen, das brennende Kerosin verursacht eine verheerende Katastrophe. Weil die Springleranlage nicht funktioniert müssen die Firefighter versuchen den Brandherd zu löschen und das Gebäude zu evakuieren. Dae-ho, der Manager des Gebäudes, der den Abend mit seiner kleinen Tochter Ha-na verbringen wollte, ist nun in der Pflicht, den Rettungskräften zu helfen. Er vertraut die kleine Ha-na Yoon-hee an, der Restaurant-Managerin, auf die er ein Auge geworfen hat.
Auf der Feuerwache, wo am Feiertag auch die Besatzung auf einen ruhigen Abend hoffte, läßt sich auch der legendäre Feuerwehrmann Young-kee nicht abhalten, seine Leute persönlich zu führen. Natürlich reichen die Feuerleitern nicht bis zum Brandherd, so bahnen sich die Rettungskräfte mühsam Stockwerk für Stockwerk nach oben, wo die Prominenten auf Rettung warten. Zwar konnten sich einige auf das Dach retten, von wo man sie ausfliegen kann, aber da fängt der Turm an zu kippen. In der Katastrophen-Einsatzleitung muss man nun abwägen, rettet man die Leute oder sprengt man den Turm, um ein größeres Inferno zu verhindern. Die Zeit wird knapp, so beginnt ein Wettlauf gegen die Uhr.

Selbstverständlich verlaufen Katastrophenfilme nach einem gewissen Schema, das bringt das Genre automatisch mit sich. Wieso soll man sich also „The Tower“ anschauen? Schlicht, weil es sich lohnt! Denn hier ist dem Regisseur ein ausgewogenes Konzept zwischen Story und Ablauf der Katastrophe gelungen, die nicht nur durch die grandiose Schauspielerbesetzung sondern auch durch die spektakulären Bilder voll und ganz überzeugt. Die Special-effects wirken stets authentisch und zu keiner Zeit unrealistisch oder übertrieben. Während man bei Brandkatastrophen in einem Hochhaus à la „Flammendes Inferno“ denkt, wird hier zusätzlich durch Flutbilder eines Schiffsuntergangs erinnert, wenn die Ballasttanks gezielt gesprengt werden. Dass selbst bei atemberaubenden Szenen, die den Adrenalin-Spiegel hochhalten gewisse komische running-gags, wie die „Rettungsengel-Szene“ der christlichen Sekte eine erfrischend entspannende Wirkung als retardierendes Moment aufzeigt, mag typisch koreanische Auffassung sein. Hier gelingt dieser Spagat ohne die Gesamtspannung aufzugeben. Die Rettung der geliebten Partner und Familienangehörigen ist ein Grundthema solcher Filme. Ein aufopfernder Held, der sich zur Not selbst in den Tod schickt, um eine Gruppe Andere zu retten, ebenso.

 

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Bis in die allerkleinste Nebenrolle sind hier nur hochkarätige Schauspieler am Werk, das merkt man der aufwendigen Produktion auch an, die ihre Kosten bereits mehrfach in Korea an der Kinokassen wieder einspielte. Passend zu dem Weihnachtsferien avancierte „The Tower“ zum Blockbuster. Schon der erste optische Eindruck erweckt Assoziationen an die New Yorker-Twintowers, die noch jeder mit brennenden Rauchschwaden vor Augen hat. Sicherlich ist durch die Verbindungsbrücke in luftiger Höhe auch an die Petronas-Tower in Kuala Lumpur, Malaysia, gedacht, die seinerzeit das höchste Gebäude der Welt darstellten. Hier stehen die gewltigen Mega-Hochhäuser auf Yeouido, der Insel im Han-Fluss, wo sich das politische Zentrum mit Regierungsgebäuden und dem Parlament, sowie sämtlichen Fernsehgesellschaften und die größten protestantischen Kirchen der Welt befinden. Das bei seinem Bau höchste Gebäude in Ostasien, dem 63-City-Building, ist hier zum Vergleich mehrfach im Bild als kleines Accessoire zu sehen. Würde hier also im Zentrum der Macht in Südkorea (lediglich der Amtssitz der Präsidentin liegt weiter nördlich) ein solcher Turm kollabieren, wäre ein weit größeres Areal der Verwüstung preisgegeben. Daher sind die Überlegungen einer gezielten Sprengung zwecks Rettung anderer wichtiger Gebäude nicht abwegig.
Während man sich bereits durch Weltuntergangsfilme wie „2012“ an untergehende Wahrzeichen der menschlichen Zivilisation im Übermaß ‚sattgesehen‘ hat, wird hier ein nachvollziehbares Maß gefunden, welches zu keiner Sekunde aufgesetzt oder übertrieben wirkt.
Nach dem Erfolg vom Tsunami-Film „Haeundae“ ( auch mit Sul Kyung-gu, 2009), wo der beliebteste Badestrand Koreas von einer Megawelle verwüstet wird, beweist Korea erneut, dass man auch im Genre Katastrophenfilm der Konkurrenz aus Amerika in Nichts nachsteht.
Hauptdarsteller Sul Kyung-gu ist sicherlich in den letzten 15 Jahren zu einem Schwergewicht im koreanischen Kino herangereift. Charakterrollen noch und nöcher beschreiben seine Filmographie, sei es als eigenwilliger Cop in der Public Enemy-Reihe, als Boxkämpfer in Rikidozan (2004) oder Sträfling beim Himmelfahrtskommando „Silmido" (2003). Eine seiner wichtigsten Rollen war sicherlich der zerrissene Charakter in „Peppermint Candy", der sein Leben Revue passieren läßt und schließlich daran untergeht.
Regisseur Kim Ji-hoon, 1971 in Daegu geboren, dreht seit einer Dekade Spielfilme. Sein Debüt-Streifen „Mokpo, Gangster‘s Paradise“ (2003) spielte mit dem Gangster-Genre mit starken Einschlag von Lokalkolorit und dem derben Dialekt der Südcholla-Provinz. Sein sehr beachteter zweiter Film „May 18“ (2007) hatte die Ereignisse des Massakers von Gwangju von 1980 zum Thema, dem Nationaltrauma Südkoreas, wo Militäreinheiten Demonstranten niederstreckten und ein nie gekanntes Blutbad anrichteten. 2011 folgte der Actionfilm „Sector 7“, wo an Bord einer Ölbohrinsel ein mutiertes Seeungeheuer sein Unwesen treibt.
Mit „The Tower“ ist ihm sicherlich der bislang größte Erfolg gelungen, der auf weitere spannende Werke in der Zukunft hoffen läßt.

 

 

(Herzlichen Dank an splendid film für die Überlassung der Besprechungs-DVD!)

Letztes Update ( Monday, 20 May 2013 )