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"Snowpiercer" auf DVD PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Monday, 19 January 2015
„Snowpiercer“ auf DVD
 
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OT: Snowpiercer [설국열차]

Land: Südkorea/USA/Frankreich 2013

Regie: BONG Joon-ho

Drehbuch: Bong Joon-ho, Kelly Masterson

Darsteller: Chris Evans, SONG Kang-ho, Tilda Swinton, Jamie Bell, Ed Harris, John Hurt, Octavia Spencer, Ewen Bremner, Ko Asung

Kamera: HONG Kyung-pyo

Musik: Marco Beltrami

Länge: 121 Min.

Ton: DTS-HD Master Audio 5.1 

Sprachen: Englisch, Deutsch

Untertitel: Deutsch

Bildformat: 16:9 anamorph (2.4 : 1)

Extras: Trailer, Kinotrailer; Teaser, Making of... , Making of Spot, Special Animated Clip, Production Sketches (Diashow)

Synchronisation und Untertitel: Die Synchronisation überzeugt überwiegend. Auch die Untertitel entsprechen den höchsten Ansprüchen. Minimale Abweichungen bei den Ausdrücken, manchmal wird im Text geduzt und im Ton gesiezt. 


FSK: ab 16 Jahren

Vertrieb: mfa-film im Vertrieb von Ascot Elite

Ein Zug rast ohne Halt durch eine verschneite Landschaft. Was ist geschehen? Als die Politiker der Welt sich im Jahre 2014 dazu entschlossen gegen das global warming ein Kühlmittel zu versprühen, lösten sie damit eine katastrophale neue Eiszeit aus. Nur durch die Weitsicht des Industriellen Wilford gelang es einigen Menschen in dem Zug zu überleben. Doch der Snowpiercer-Zug erweist sich als grausamer Spiegel einer feudalistischen Welt en miniature. Im hinteren Teil des Zuges leben eingepfercht wie in einer KZ-Baracke hunderte von zerlumpten Menschen, die durch eine Armee daran gehindert werden sich frei im Zug zu bewegen. So regt sich nach 17 Jahren unter katastrophalen Bedingungen Widerstand. Curtis will mittels eines Sicherheitsexperten die Revolution wagen. Der Techniker soll ihm die elektrisch gesicherten Türen zum jeweils nächsten Wagon öffnen. Problem ist nur, dass der Techniker wegen Drogenmissbrauchs im Gefängniswagon ist. Curtis sammelt Freiwillige um sich, die sich ihm anschließen, denn ohne Gegenwehr wird es nicht gelingen. Glücklicherweise gelangt Ministerin Mason in ihr Gewahrsam, die sie als Geisel weiter durch den Zug geleitet. Nach zahlreichen verlustreichen Scharmützeln erreichen die Aufständischen die vorderen Wagons, wo es sich eine Elite in Bars, Restaurants und Welness-Bereichen gut gehen läßt. Die autarke kleine Welt im Zug, die durch die „heilige Maschine“, die Wilford konstuiert hatte, gerät nun aus dem Gleichgewicht. Curtis gelingt es bis zu Wilford vorzudringen, der ihm ein ungewöhnliches Angebot macht.
 
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Dieser spannungsgeladene Film vom koreanischen Meisterregisseur Bong Joon-ho, der durch „The Host“ bereits im Actiongenre reüssierte, überzeugt nicht nur durch seine Optik sondern auch durch die perfekt Umsetzung des Drehbuchs und den fantastischen Cast der Darsteller. Dieser Science-Fiction_Film basiert auf einem französischen Comic, der hier durch die stringente Arbeitsweise von Bong in einzigartige Bilder voller Kraft und Dynamik umgesetzt wurden. In den Kampfszenen zitiert er die Arbeitsweise seines Kollegen Park Chan-wook (der hier als Co-Produzent fungiert), der mit „Oldboy“ (2003) eine ganz eigene Bildchoreographie kreierte. Die Steigerung der Eindrücke, die im Laufe des Parcours durch den Zug in immer neue Dimensionen führt, kulminiert im Triebwagen, in der Wilford wie ein Captain Nemo eines Jules Verne residiert. Der Aufstand der Unterdrückten, die der herrschenden Klasse aufs Dach steigen hat Klassenkampfzüge, die elementar sind. Der Freiheitsheld Curtis wird energisch und listenreich von Chris Evans verkörpert. Sein Mastermind im Hintergrund ist der an Arm und Bein verstümmelte Gillian, der sich selbst dem anfänglichen Nahrungsmangel bedingt als Fleischlieferant anbot. John Hurt überzeugt einmal mehr durch seine Leichtigkeit des Spiels, das Präzison und Können vereint. Jamie Bell, der einstige Tänzer „Billy Elliot“ steht ihnen im Kampf zur Seite. Wie schon in „The Host“ hat sich Regisseur Bong ein koreanisches Schwergewicht auf seinen Plan gerufen. Song Kang-ho ist der Sicherheitsexperte Nam, der sich als abhängiger Junkie der Droge Kronole gibt, jedoch am Ende einen ganz eigenen Plan ausführt. Ein Zusammenarbeit, die ihm im internationalen Kollegium sichtlich Spaß macht. Ed Harris gibt den kongenialen Wissenschaftler, der fast stoisch und kalt agiert, wie die unwirtliche Umgebung durch die der Zug unaufhörlich rast. Er genießt die fast gottgleiche Verehrung, die den Kindern schon in der Schule mittels Liedern und Propagandafilmen eingetrichtert wird. Wilford, der angeblich immer alles so minutiös geplant hatte, hat sich am Ende doch verrechnet. Die Herzenskälte und der Snobismus der im Luxus schwelgenden Elite wird von den Aufbegehrenden brutal beendet. Die Revolution frisst aber auch ihre Kinder. Besonders herauszuheben ist aber die kongeniale Darstellung der Tilda Swinton als wendehalsige Propagandaministerin Mason. Sie brilliert als Funktionärin eines autarken autoritären Elitesystems und gibt die Befehle eins zu eins weiter ohne sie in Frage zu stellen. Die Darstellung sucht ihresgleichen. Nun gilt es noch die besondere Optik, die Kamera und Special Effects zu loben. Der Kontrast des dunklen Inneren der beengten hinteren Wagons, die an die beklemmende Abgeschiedheit eines Ubootes erinnert und die grellweiße schneebedeckte Außenwelt, die zwar in vielen Apokalypsefilmen vorkommt, hier aber minutiös die vermeintliche Unumkehrbarkeit in drastische Bilder verpackt. Der ‚Snowpiercer‘ ist kein ‚Polarexpress‘, der an ein Ziel ankommt, hier bewegen sich vielmehr die Reste der Menschheit in einer Endlosschleife um den Globus. Im Making of... ist dann auch der enorme Aufwand zu sehen, den die Ausstatter mit den Sonderwünschen Bongs hatten. So wurde nicht weniger als über 500 m reale Wagonwelt erzeugt, die sämtliche Dimensionen vorher verblassen lassen. Das umfangreiche Budget ist somit auch im Film spürbar. Zu diesem Hollywood-Debüt muss man Bong Joon-ho nur gratulieren, hier hat er sein fulminantes Können erstmals einem Publikum weltweit zeigen können. Seine Präzison und seine Professionalität hat auch seine erfahrenen Schauspieler gepackt und überzeugt. Hier ist einem koreanischen Regisseur ein großer Wurf gelungen und legt hiermit hoffentlich eine Basis für eine weitere internationale Erfolgskarriere. Mit herzlichen Dank an mfa+ für die Bereitstellung der Besprechungs-DVD!
Letztes Update ( Monday, 19 January 2015 )