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"Verjährung" auf DVD und Blu-ray PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Thursday, 14 May 2015

Verjährung

 

OT: 몽타주 Mong-ta-joo 


Land: Südkorea 2013

 

Regie: JEONG Geun-seop

 

Drehbuch: JEONG Geun-seop

 

Darsteller: EOM Jeong-hwa, KIM Sang-kyung, SONG Young-chan, JO Hie-bong

 

Kamera: LEE Jong-youl

 

Musik: AN Hyun-jin, KOO Ja wan

 

Länge: 116 Min.

 

Ton: DTS-HD Master Audio 5.1 

 

Sprachen: Koreanisch, Deutsch

 

Untertitel: Deutsch (Sehr genaue UT, die nur marginal vom gesprochenen Wort der Synchronisation abweichen)

 

Bildformat: 16:9 anamorph (1,85 : 1)

 

Extras: Making of… (15 Min. Interviews mit den Darstellern und alternative Dreheinstellungen)

 

Vertrieb:  edel: motion Film

 

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Dreh- und Angelpunkt der Story ist das abweichende Rechtssystem in Südkorea, wo auch Kapitalverbrechen wie Mord (bislang) nach 15 Jahren verjährt sind, ganz anders also als z.B. in Deutschland, wo Mord nie verjährt.

In diesem Fall liegt eine unaufgeklärte Kindesentführung mit Todesfolge gerade 15 Jahre zurück. Der ermittelnde Kommisar Oh muss der noch immer aufgebrachten Mutter, Frau Yoon mitteilen, dass der Fall offenbar ungesühnt bleiben wird. Sie ist außer sich und klagt den Polizisten an, der ihr damals die Aufklärung versprochen hatte. Es gab sogar noch neue Hinweise auf den Täter, der offenbar kurz vor dem Stichtag am Tatort Blumen niedergelegt hat und von einer Verkehrskamera dabei gefilmt worden war. Auch Reifenspuren wird nachgegangen, doch Stunden vor der Verjährungsgrenze flutscht er der Polizei durch die Finger. Enttäuscht und resigniert verbrennt Oh die Ermittlungsakten. Ein plötzlicher Regenguss verhindert, dass auch das Phantombild (=kor. Originaltitel „Mong-ta-joo“) vernichtet wird.

Nun scheint der Täter erneut zuzuschlagen, wird doch ein Kind entführt, wo der Lösegeldübergabeort derselbe wie vor 15 Jahren war. Schon damals war ein Seesack mit dem Geld an einem Bahnsteig abgelegt, wo ein ganzer Zug mit Soldaten auf Heimaturlaub ankommen und auf dem Bahnsteig entsprechend wuseliges Chaos entsteht, indem sich der Täter unerkannt in der Masse der Uniformträger verstecken kann.

Die kleine Beom wurde auf dem Spielplatz entführt, wo ihr Großvater auf sie acht geben sollte. Ein Anruf lenkte ihn ab, nun quälen ihn Gewissensbisse. Die Ermittlungen bringen nun merkwürdige Indizien zu Tage. Anrufmitschnitte und DNA-Partikel weisen auf den Großvater selbst als Entführer hin. Er wird auf Grund der Indizien verhaftet, bestreitet aber vehement die Tat.

 

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Dieser Film ist ein spannungsgeladener Psycho-Thriller, der unter die Haut geht. Die widersprüchliche koreanische Rechsprechung wird hier einmal mehr von einem Regisseur kritisiert. Im November 2012 griff der Film „Confession of Murder“ (Naega salin-beomida) eben diese Thematik auch auf. Nach Ablauf der 15-Jahresfrist rühmt sich ein junger Mann in einem Enthüllungsbuch einer dann verjährten Mordtat und wird zum Medienstar. Auch dort war die Verjährung Antrieb für den Erstlings-Spielfilm. 2012 war es Jeong Byeong-gil, der als Stuntman stärker auf die Action-Schiene ging, hier zieht Regisseur Jeong Geun-seop die Psycho-Karte. Bis in die Nebenrollen versammelte er eine erstklassige Crew, welches sich für einen Debütfilm sicher nicht von selbst versteht. Gerade die Verpflichtung von Eom Jeong-hwa erwies sich als Glücksfall. Die sensible Darstellung der Mutter des Opfers läßt niemanden kalt. Ihr nimmt man jede Träne ehrlich ab. Die überaus beliebte Actrice (Jg. 1969) beherrscht seit zwei Dekaden jedes erdenkliche Genre von tougher Action bis hin zum Musicalfilm. Ebenso moderiert sie seit Jahren die jährliche Verleihung der koreanischen Filmpreise, mit dem sie für ihre Leistung in diesem Film völlig zu Recht als Beste Schauspielerin mit dem Grand Bell Award ausgezeichnet wurde. An ihrer Seite spielt Kim Sang-kyung dem damals ermittelnden Polizisten. Er hatte zehn Jahre zuvor in dem Kassenschlager „Memories of Murder“ (2003), einem der frühen Filme von Erfolgsregisseur Bong Joon-ho („The Host“, „Mother“ oder zuletzt „Snowpiercer“) ebenfalls einen Kommissar gespielt und seit dem weitere Angebote einen Ermittler zu spielen stets abgeschlagen, um nicht in eine Schublade zu geraten. Er gab sich auf der Leinwand rar, wechselte wie viele seiner Kollegen auch mal zur TV-Serie und spielte dort den berühmtesten Königder koreanischen Geschichte, Sejong. Der 1972 geborene smarte Schauspieler studierte Film an der Chung-Ang Universität, ganz zum Leidwesen seiner Familie. Er verdiente sich seine Sporen in zahlreichen Bühnenproduktionen bevor er 1998 mit „If the Sun Rises in the West“ auf der Leinwand auftauchte. Zunächst wirkt er zurückgezogen und sensibel, ist aber auch zu emotionalen Ausbrüchen fähig, wo seine ganze Leidenschaft zum Tragen kommt, wie etwa in dem Film über das Gwangju-Massaker von 1980 „May 18“ (2007) oder zuletzt im Katastrophenfilm „The Tower-Tödliches Inferno“ (2012). Seit gut 25 Jahren ist Song Young-chang in den unterschiedlichsten Genren auf der Leinwand präsent, hier spielt er Han-cheol und verleiht der Nebenrolle besonderen Glanz. Besonders passend empfand ich den unterlegten dynamischen Musikrhythmus für den hier AN Hyun-jin und KOO Ja wan verantwortlich zeichnen. Offentsichtlich zeigen solche kritischen Filme in Südkorea nun eine gewisse Wirkung, wird doch im Justizministerium über die Anhebung der Verjährungsfrist diskutiert. Der intelligente Handlungsstrang mit den geschickten Rückblenden auf den ersten Fall und seine unerwarteten Wendungen am Ende werden jeden Zuschauer in seinen Bann ziehen. Ab sofort auf DVD und Blu-ray erhältlich! Mit herzlichen Dank für die Überlassung der Besprechungs-Blu-ray!
Letztes Update ( Thursday, 14 May 2015 )