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Hunde auf der Speisekarte PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Saturday, 08 April 2006
Immer wieder werden Koreaner im Ausland darauf angesprochen, auch Hunde zu verspeisen. Doch in Wahrheit essen die Koreaner in aller Regel keine Hunde. Sicherlich gibt es, zum Teil auf dem Land, immer wieder Hinweisschilder an Spezialitäten-Restaurants mit „Hundefleisch“ (daebang Ssarijib). Gegessen werden keine Schoßhunde, sondern speziell dafür gezüchtete große Rassen (wie z.B. Nurung-Hunde). Das Fleisch, zumeist gekocht als Suppe (bosin tang), gilt als besonders gesund, da zart und fettarm. Es ist daher gut für schwache, alte Menschen, gerade nach einer Krankheit für Rekonvaleszenten, quasi als Medizin.
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Restaurant für Hundesuppe
Aber auch an heißen Tagen während der 'Hundstage' wird das bekömliche Fleisch geschätzt. Die Bezeichnung Hundstage hängt mit dem Erscheinen des sog. 'Hundsstern' Sirius am Himmel zusammen, an denen oftmals drei sehr heiße Tage aufeinander folgen. Diese Zeit wird in Korea 'bok-nal' genannt und mit dem chinesischen Zeichen für 'Gehorsam' geschrieben, dieses setzt sich aus den beiden Zeichen für Mensch und Hund zusammen. Auch daher könnte es einen Zusammenhang mit dem Gericht geben.
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Grusskarte zum Bok-nal
Historisch gesehen konnte sich die arme Bevölkerung kein Fleisch leisten. Fleisch zu essen war der Yangban-Klasse vorbehalten. Hühner mussten Eier, Kühe Milch liefern. Wurde jemand krank und benötigte dringend Protein, so musste eben der Haushund herhalten. [Eine Konstellation, die im Film "Crossing" für Nordkorea noch immer angenommen wird.]
Das Thema wird nur zumeist sehr emotional geführt, stehen uns doch Hunde seit langem näher als zum Beispiel Schweine, die weitaus intelligentere Tiere sind und von unsereins in riesigen Mengen verspeist werden.
Wie jedoch archäologische Ausgrabungen in China beweisen, waren die ersten domestizierten Tierarten nach der Seßhaftwerdung des Menschen Hund und Schwein als Fleischlieferanten.
Um die Gemüter von ausländischen Gästen zu schonen, wurde allerdings von Seiten der Regierung ein Verzicht auf Hundefleischangebote während der Olympischen Spiele in Seoul 1988 und beim Fußball-Worldcup 2002 angeordnet.

Sicherlich haben auch Koreaner echte Gefühle für ihre vierbeingen Freunde, so gibt es auch viele Hunde in Familien und Wachhunde auf dem Land. Zwei eigene koreanische Hunderassen sind sogar geschütztes Nationalgut, so der Jindo-kae und der Sopsal-kae.

Immer mehr Tierschützer protestieren gegen die traditionelle Suppe und fordern ein Verbot der Schlachtung von jährlich ca. 2 Mio. Tieren.
[Quelle: Der Spiegel No. 32, 2007, S. 78]

Thematisiert wird es in folgenden Filmen:
Saleolilatda (1993)
301 302 (1995) 
Barking dogs never bite (2000)
Address Unknown (2001)
Mutt Boy (2003)
Hearty Paws (2006)
Our Town (2007) 
Boy Director (2007)
Crossing (2008)

 
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Szene aus "Saleolilatda" (Historienfilm von 1993) 
Szene aus "Address Unknown" (2001).
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Sie würde am Liebsten die Beute des Hundefängers wieder befreien. Szene aus "Re-encounter" (2010).

Letztes Update ( Wednesday, 15 June 2011 )