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"Trostfrauen" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Saturday, 15 July 2006
Ab 1930 zwangsrekrutierten die Japaner aus ihren besetzten Gebieten in Korea, China und den Philippinen nicht nur Männer für ihre Armee, sonder führten auch systematisch Mädchen und junge Frauen in die Prostitution.
Ziel seitens der japanischen Armeeleitung war es den Soldaten „sexuelle Erleichterung“ zu verschaffen, um Streß abzubauen, die Zivilbevölkerung vor Vergewaltigungen zu verschonen und die Gesundheit der Soldaten durch medizinisch überwachte Kontakte zu sichern.
So wurden bis zum Ende des 2. Weltkrieges ca. 200.000 bis 300.000 Mädchen im Alter von 12 bis 20 Jahren in Soldatenbordelle verschleppt. Eine schier unmenschliche Tortur begann für die Mädchen, die oftmals durch Versprechungen in Japan in einer Fabrik arbeiten zu können, und somit die oft arme und kinderreiche Familie daheim finanziell unterstützen zu können, angeworben wurden. Einige mußten täglich brutale Vergewaltigungen über sich ergehen lassen. Die Soldaten standen oftmals regelrecht Schlange vor den einfachen Verschlägen, wo die Mädchen zwischen 5 bis 30 Sexualkontakte pro Tag über sich haben ergehen lassen müssen. Viele Berichte zeugen von unglaublichen Zuständen, Schläge und Morde, Zwangsabtreibungen und die Übertragung von Geschlechtskrankheiten. Viele Mädchen verübten Selbstmord. Einige berichten von ihrem Martyrium, das von einem bis zu acht Jahren dauern konnte. Sehr viele Frauen wurden dadurch unfruchtbar. 

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Japanische Soldaten vor einer sog. "Troststation", um 1938. Aus GEO, Heft 6-2002, S. 131

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Wartende "Trostmädchen"
Quelle: WCCW
Bei Kriegsende waren von ca. 80.000 Zwangsprostituierten 60.000 Koreanerinnen. Viele gingen aus Scham nicht wieder nach Korea zurück. Zumindest folgten Jahrzehnte des Schweigens, bis sich im August 1991 Frau Kim Hak-sun in einem Interview erklärte und eine Lawine auslöste. Immer mehr sog. „Trostfrauen“ (engl. „comfort women“) meldeten sich bei der Presse und ein Fond zur Entschädigung wurde ins Leben gerufen. Es begannen Demonstrationen von Überlebenden vor der japanischen Botschaft in Seoul, die bis heute jeden Mittwoch stattfinden. Die Frauen werden in Korea als Chongshindae (Batallionssklavinnen) bezeichnet, aber sie werden auch liebevoll ‚Großmütter’ (halmoni) genannt.
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Zwar hat die japanische Regierung sich mittlerweile formal bei den Geschädigten entschuldigt, doch außer den Lippenbekenntnissen blieben Entschädigungszahlungen bisher aus.
Es gibt eine Reihe von erschütternden Zeugenaussagen von Betroffenen, die dokumentiert worden sind.
Mittlerweile leben einige wenige von ihnen in sog. "Houses of Sharing" in einer Art Wohngemeinschaft zusammen.
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Kunst in einem House of Sharing

Für Interessierte an diesem Thema kann ich die Dokumentarfilme von Byun Young-joo empfehlen:
The Murmuring (Leise Stimmen), 1995
Habitual Sadness (Leise Stimmen 2), 1997
neuerdings ebenso:
My Heart Is Not Broken Yet (2007), Regie: AHN Hae-ryong
63 Years On (2008), Regie: KIM Dong-won


Auswahlliteratur:
„In die Prostitution gezwungen – Koreanische Frauen erinnern sich – Zeugenaussagen aus dem japanischen Asien-Pazifik-Krieg“, Koreanische Frauengruppe in Deutschland (Hrsg.), Osnabrück, 1996.

George Hicks, The Comfort Women. Japan’s brutal regime of enforced prostitution in the second World War, New York, 1995.

Regine Grienberger/ Astrid Lipinsky, Trostfrauen. Zwangsprostituierte der japanischen Armee in China und Taiwan 1932-45, Terre de femmes (Hrsg.), Bonn, 2000.

Mira Choi/ Regina Mühlhäuser, „Wir wissen, daß es die Wahrheit ist...“- Gewalt gegen Frauen im Krieg- Zwangsprostitution koreanischer Frauen 1936-45, Berlin, 1996.

„Trostfrauen“, in GEO, Heft 06, 2002, S. 126-144.


„Die Trostfrau“, Roman von Nora Okja Keller, 1997.

„Die roten Orchideen von Shanghai. Das Schicksal der Sangmi Kim“. Aufgeschrieben von Juliette Morillot, 2003.

Mit "A River of Memories" setzt sich auch ein Bühnenstück von Kim Eun-ah mit den "Trostfrauen" und ihrem Schicksal auseinander.
Letztes Update ( Friday, 26 June 2009 )