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Streit mit Japan PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Tuesday, 15 August 2006
Wenn man sich an die erfolgreiche Austragung der Endrunde der 17. Fussballweltmeisterschaft 2002 in Korea und Japan erinnert, so könnte der Eindruck entstanden sein, dass die beiden Länder hervorragend miteinander harmonieren. Doch dem ist nicht so! Anders als die deutsch-französische Aussöhnung oder die Ausgleichszahlungen an den Staat Israel, haben sich die Beziehungen nach dem Ende der Besatzungszeit zwar auf wirtschaftlicher Ebene, wie auch im Punkt Tourismus normalisiert, aber es gibt eine Reihe von Streitpunkten, die auf politischer Ebene für Zündstoff sorgen.

Am Ende des 19. Jahrhunderts drängte Japan auf Expansion und wollte wie europäische Großmächte auch Kolonien besitzen. Auf Grund der Rohstoffknappheit des Landes suchte der Inselstaat auf dem asiatischen Festland nach geeigneten Gebieten. Als Korea zur politischen Öffnung gezwungen wurde, versuchte Japan den traditionellen Einfluß von China zu unterbinden. Nach dem Erfolg im russisch-japanischen Krieg, sah sich Japan als neue Hegemonialmacht in Ostasien. Koreas Herrscher Kaiser Gojong musste 1907 zu Gunsten seines schwachen Sohnes Sujong den Thron räumen. Das Ende kam 1910 als Japan sich als sog. Schutzmacht Korea als Kolonie unterwarf. Es folgten Jahrzehnte der ethnischen wie kulturellen Unterdrückung, die bis zur Kapitulation Japans am 15. August 1945 andauern sollte.

"Vor allem nach Eintritt Japans in den zweiten Weltkrieg, wurde der Kaiser [Hiroito] als 'Gottheit' proklamiert und der Kaiserkult mit shintoistischen Zeremonien unterbaut, die sich in nichts von religiösen Zeremonien unterschieden. In Japan war das weniger zu verspüren als in Korea, denn die Zeit schien den Japanern günstig, um das koreanische Volkstum von Grund aus auszumerzen und das Volk zu japanisieren: Die koreanische Sprache wurde offiziell abgeschafft, nicht nur in den Schulen, sondern auch in allen öffentlichen Ämtern, die Koreaner mussten japanische Namen annehmen; in allen Schulen, allen Ämtern, allen Arbeitsstätten, allen Versammlungen musste täglich ein Eid geleistet werden, dass man sich als 'eifriger Bürger des japanischen Staates bekenne und dem Kaiser absolute Treue halten werdfe.'...die shintoistischen Zeremonien, die faktisch einem Opfer gleichkamen, waren die Hauptmittel, Korea zu japanisieren." (P. Fabian Damm, in: 'Schicksal in Korea. Deutsche Missionare berichten.2009, S. 18f.). 


#1: Der Schulbuchstreit
Seit einigen Jahren regt sich der Volkszorn gegen japanische Schulbücher, in denen unkritisch die Kolonialzeit Japans dargestellt und die Verbrechen gegen andere unterjochte Völker geleugnet werden. Nach langem Tauziehen hat sich eine Expertenkommision auf eine Neufassung der Schulbücher geeinigt, doch bislang wird dieses Lehrbuch von nur 1 % der Schulen verwendet.
Wie man es anders besser machen kann zeigt seit kurzer Zeit eine Parallele in Deutschland, wurde doch gerade ein Geschichtsbuch vorgestellt, nach dem künftig in Frankreich und Deutschland gelehrt werden wird.


#2: Der Dokdo-Streit
Seit einiger Zeit hat die japanische Regierung territoriale Ansprüche im Ostmeer zwischen Korea und Japan angemeldet. Es geht um zwei unbewohnte kleine Felsinseln, die von Japan beansprucht werden. Seit der Shilla-Zeit und noch im 19. Jhdt. waren die Besitzverhältnisse klar, doch bei einem Grenzvertrag Anfang des 20. Jhdts. wurden sie schlicht vergessen. Aus der Kolonialzeit und der Nutzung in dieser Zeit leitet Japan nun seinerseits einen Besitzanspruch ab, nennen die Inseln Takeshima. Vornehmlich geht es aber hier um Fischereirechte und mögliche Bodenschätze. Eine sog. Vermessungsaktion seitens Japans wurde von Korea mit der Entsendung von Kriegsschiffen beantwortet.

mehr dazu: http://www.korea.net/News/Issues/issueView.asp?issue_no=45

#3: Die Besuche am Yasukuni-Schrein
Seit einigen Jahren sind Korea wie auch China empört über die ehrfurcht zollenden Besuche von Regierungsvertretern am Yasukuni-Schrein, in dem die Seelen der 2,5 Mio. Kriegsopfer, aber seit 1978 auch die Seelen von 14 verurteilten japanischen Kriegsverbrechern (wie die Generäle Tojo, Itagaki Umezu etc.), verehrt werden. Ein symbolischer Akt, der aber große Wirkung zeigt, wird doch hier ein rechtes, konservatives Wahlvolk bewußt angesprochen, um im Wahlkampf seitens der Regierung Flagge zu zeigen. So hat es Premierminister Koizumi in den letzten Jahren -trotz erheblicher Proteste aus dem In- und Ausland- nicht versäumt den Schrein aufzusuchen. Während es in den letzten Jahren immer einige Wochen vor oder nach dem Jahrestag des Kriegsendes war, ging er in diesem Jahr (2006) an bewußt diesem 15. August, der in vielen asiatischen Ländern als Tag der Befreiung von der japanischen Kolonial- und Besatzungszeit begangen wird. Eine Welle von kritischen Bemerkungen und Protesten, sowie die Einstellung der jeweiligen japanischen Botschafter sind vorprogrammiert.

Im Oktober 2009 hat der neue japanische Premierminister Hatoyama angekündigt, künftig auf Besuche des Schreins zu verzichten.


#4: Die Entschädigung der sog. Trostfrauen
Wie schon an anderer Stelle ausgeführt, geht es hier um eine finanzielle Entschädigung von hunderten von Zwangsprostituierten während des zweiten Weltkriegs. Obwohl nach jahrelangen Protestdemonstrationen vor der japanischen Botschaft in Seoul ein Opferfond eingerichtet worden war und der japanische Premierminister formal eine Entschuldigung ausgesprochen hat, haben die Opferverbände dieses nicht akzeptiert. Sie fordern keine Almosen, sondern finanzielle Entschädigung. Der Opferfond wurde daraufhin wieder zurückgezogen. Japan beruft sich auf einen Vertrag von 1965, in dem der damalige Präsident Park Chung-hee die Entschädigung geregelt hat.
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Hashima
#5: Hashima als Weltkulturerbe
das japanische Inselchen Hashima soll in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen werden. Die dem Mitsubishi-Konzern gehörende Insel, die nur 480 x 180 m klein ist, wurde ab 1890 zu einer Betonfestung ausgebaut, um über 5000 Arbeitern den Aufenthalt zu ermöglichen. Dort wurde unter unmenschlichen Bedingungen Kohle abgebaut, die der Rüstungskonzern (Motoren für Flugzeuge und Panzer im 2. Weltkrieg) für seine Produktion benötigte. Die in der Nähe von Nagasaki (die Fabrikhallen waren Ziel des zweiten amerikanischen Atombombenabwurfs vom 9. August 1945) gelegene Insel wurde zum Sarg für hunderte koreanische Zwangsarbeiter, die dort ums Leben kamen. Die touristische Nutzung als Weltkulturerbe ist fragwürdig, wäre doch eine Gedenkstätte dort angebrachter.

Das komplizierte Verhältnis zu Japan wird in einigen Filmen thematisiert:

Phantom – the Submarine (1999)
Fun Movie (2002)
YMCA Baseball Team (2002)
Lost Memories 2009 (2002)
Hanbando (2006)
Modern Boy (2007)
Once Upon a Time in Corea (2008)


Szene aus "Lost Memories 2009" (2001).

Plakat von "Hanbando" (2006).
Letztes Update ( Wednesday, 11 January 2012 )