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Geschrieben von Sascha Klie   
Friday, 18 August 2006
Die Namyangju Filmstudios

Seit dem Jahr 1997 gibt es vor den Toren Seouls, in der Gyeonggi-Provinz, dieses große Filmareal. Was Babelsberg für Deutschland oder Cinecittà für Italien ist Namyangju für Korea. Auf insgesamt 1,3 Mio. m² stehen den Filmschaffenden Studios für Außen- wie Innenaufnahmen zur Verfügung. Es werden ein Fülle von Equipment, Kameras, Kostümen etc. bereitgestellt. Es gibt Abteilungen für Spezialeffekte und Nachberbeitungsmöglichkeiten vom allerneuesten technischen Stand. Vorführräume und ein Filmmuseum ergänzen den Komplex.
Er kann ganzjährig mit begleiteten Touren besucht werden.
Dort kann man die insgesamt sechs Studios anschauen, wie auch die traditionellen koreanischen Holzhäuser, die etwa beim Film „Chihwaseon“ zu sehen waren oder aber die 1:1 Nachbauten der Grenzanlagen von Panmunjom für „JSA“.
Ein großes Tonstudio mit Einspielmöglichkeiten für Filmmusiken, ein Entwicklungs- und Belichtungslabor und die Computerabteilung für 2D und 3D-Effekte runden die perfekte Filmstadt ab.
Betreiber ist die KOFIC, das Korean Film Council, die sich maßgeblich für die Erstellung und Verbreitung von koreanischen Filmen als wichtiges Kulturmedium einsetzt.

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Komplex-Plan

aus einem Artikel von KOREAheute vom Jaunar 2002:

>>Sambong-ri - das koreanische Hollywood
...Zur Zeit hat es mehrere Namen. Offiziell ist es in Korea unter dem Namen "The Seoul General Film Shooting Site" bekannt, ein Zungenbrecher, der auf Straßenschildern zu "Seoul Cinema Complex" verkürzt wurde. Dieser Begriff ist ein wenig irreführend, da es etwas außerhalb der Stadt liegt. Um Touristen anzulocken, wurde es auf Karten mit einer orangefarbenen Fahne versehen und erneut in "Cine Valley" umbenannt. Es scheint noch Lichtjahre entfernt zu sein, bevor die Menschen entsprechend der Örtlichkeit vom "Three Peaks Village "(Sambong-ri) sprechen. (...)
Sambong-ri liegt in der Nähe des malerischen Städtchens Yangsuri, östlich von Seoul. Da der Nahverkehrsbus unregelmäßig verkehrt, ist es besser, ein Taxi zu nehmen, dem die Zufahrt zum Filmgelände erlaubt ist. Nach einer Fahrt über die breite, bergaufwärts führende, mit Bannern geschmückte Straße biegt das Taxi an einem halbmondförmigen Gebäude nach rechts ab und fährt scheinbar gen Himmel. Sie erreichen ein großes Plateau, das von nebelumhüllten Bergen begrenzt wird. (...)
Wie der Hauptgeschäftsführer des "Cine Valley" erklärt, wurde mit der Errichtung des 1, 3 Millionen qm großen Filmgeländes im Dezember 1991 begonnen, im September 1997 wurde es fertiggestellt. Aufgrund der relativ geringen Kosten sind auch japanische Filmgesellschaften daran interessiert, die Örtlichkeiten zu mieten, die jedoch ausgebucht sind. Früher wurden die Kulissen nach den Dreharbeiten niedergerissen, heute lässt man einige für Touristen stehen. (...)
Das Filmgelände hält jedoch noch einiges mehr bereit. In der Visual Experience Hall mit 3-D Effekten und einem Raum für Spezialeffekte können sich Besucher fotografieren lassen, während sie scheinbar eine steil aufragende Felswand hochklettern. Neben einem Filmmuseum und verschiedenen informativen Ausstellungen ist das Requisitenlager wohl das interessanteste Gebäude: vollgestopft vom Boden bis zur Decke mit Antiquitäten, Möbeln, Kleidern usw.
Ein weiteres Gebäude sollte man ebenfalls besucht haben. Es handelt sich nicht um eine Nachbildung, sondern um das Original, das von seinem ursprünglichen Standort eine bemerkenswerte Distanz entfernt liegt. Das beeindruckende, auf dem Rücken des Hügels stehende Gebäude aus der Joseon-Zeit, "Undang" genannt, befand sich ursprünglich in Unni-dong, Seoul. Es wurde im frühen 19. Jahrhundert zur Regierungszeit König Sunjos errichtet. 1958 kaufte es Park Kwi-hee, ein berühmter traditioneller Sänger, und betrieb es als Treffpunkt für Künstler.<<

Special-Effect-Studios

 

Die Zeiten des Zelluloidfilms scheinen entgültig vorbei zu sein, denn in Korea werden Filme nur noch mit hochauflösenden Digitalkameras aufgenommen. Die erleichtert die zeitnahe Nachbearbeitung des Materials enorm, vom Wegfall der kilometerlangen Filmstreifen einmal abgesehen. Kein Film kommt heutzutage ohne Bearbeitung Bild für Bild am Computer aus. Sei es, dass in Filmen mit historischem Hintergrund rezente anachronistische Dinge wegretuschiert werden, oder aber Gebäude oder Landschaften ins Bild eingebaut werden müssen. Dank modernster Computertechnik sind der Nachbearbeitung mittels VFX (Special Effects) keine Grenzen gesetzt. In Korea haben sich in den letzten Jahren mehrere namhafte  Special-Effect-Studios etabliert. Zu den Wichtigsten zählen DTI = Digital Tetra Inc. (u.a. The Restless, Hanbando, Seven Days, A Bittersweet Life, The Aggressives, Another Public Enenemy, Robot Taekwon V), EON Digital Films (u.a. Antarctic Journal, The Host, alle Filme von Park Chan-wook, Robot Taekwon V), Mofac Studio (u.a. Venus and Mars, M, Old Garden, President‘s Last Bang, Maundy Thursday, Duelist, Rikidozan, Vulcano High, Ice Rain, B-Breakers, Barefoot Gibong, Everybody has Secrets, Bewitching Attraction, Big Scene, Tale of Cinema, Lovely Rivals, Shadowless Sword, Running Wild, Legend (Serie), Robot Taekwon V) und Insight Visual (u.a. Libera Me, Taegukgi, Traces of Love, Le Grand Chef, Robot Taekwon V, Boys Don‘t Cry, Beautiful Sunday, Across the Years, Blood Rain, Typhoon, Blue Swallow, Arahan, Low Life, Memories of Murder, The Classic, Madeleine, Tube, Chihwaseon, Champion, My Sassy Girl, No Blood No Tears, Friends, Bunjee Jumping of their Own, My Wife is a Gangster, Anarchist, Chunhyang, Tell Me Something, Soul Guardians). Sie stehen ihren Mitbewerbern aus den USA keineswegs nach!

 

[Vielen Dank an Matthias Deubel für die VFX-Infos]

 
Die koreanische Filmquote

Seit vielen Jahren gibt es in Korea, wie übrigens in vielen Ländern (so in Italien, Frankreich und Deutschland) eine gewisse festgelegte Quote von Eigenproduktionen, die in den Kinos gezeigt werden müssen. Das soll den einheimischen Filmmarkt unterstützen und das Angebot gegenüber den ausländischen Produktionen vielfältiger machen. Es gibt dergleichen auch in Deutschland, z.T. auch im Radio, wo einige Sender sich festgelegt haben pro Stunde soundsoviel deutschsprachige Lieder zu spielen.
In Korea lag diese Quote bis vor kurzem noch bei 146 Tagen pro Jahr, an denen koreanische Filmproduktionen zu zeigen waren, doch nach massiven Druck der ‚Free Trade Association’ unter Federführung der USA wurde diese Quote auf 73 Tage pro Jahr halbiert. Das blieb nicht ohne Protest, doch ändern ließ es sich nicht mehr. Trotzdem haben sich ausländische, namentlich Hollywood-Produktionen in den letzten Jahren nicht gegen koreanische Filme durchsetzen können. Das mag vielerlei Gründe haben, wie ein gewisser Antiamerikanismus im Land, bzw. ein ausgeprägter Patriotismus, der Eigenproduktionen, sei es nun ein Elektrogerät, Handy oder Auto zumeist den Vorzug gibt. Ausländische Filme werden auch -in der Regel- nicht für den (relativ gesehen) kleinen koreanischen Markt synchronisiert, so daß sie im Orginal mit koreanischen Untertiteln gezeigt werden.

KOFIC und KOFA

 

Das KOrean FIlm Council (KOFIC) ist eine staatliche Filmförderungsbehörde. Hier werden Filme finanziell unterstützt, kommerziell bei Festivals vorgestellt oder Untertitelungen vorgenommen. Hier werden jährlich Filmalmanache (Korean Cinema -seit 1999) erstellt sowie ein Vierteljahresbuch und weitere Buchprojekte gefördert. So entstand eine Reihe mit Werkmonographien koreanischer Regisseure.

Der Internetauftritt bringt news zum Filmgeschehen und ein Lexikon koreanischer Filme der letzten Jahre.

 

Zur KOFIC-Seite

 

Das KOrean Film Archive (KOFA) hat sich zur Aufgabe gestellt, das Vermächtnis der koreanischen Filmindustrie zu bewahren und zu dokumentieren. Hier werden Filme archiviert, digitalisiert und als DVDs ediert. Wissenschaftlern stehen eine Bibliothek und Videothek zur Verfügung. In einem Kino werden regelmäßig alte Filme zur Aufführung gebracht. Ein Museum ist angeschlossen.

Hauptverdienst ist es die teils als verloren geltende Filme weltweit aufzuspüren und für die Nachwelt zu retten.

 

Zur KOFA-Seite

 
Koreas Kinolandschaft

Ein Kinobesuch ist ein beliebtes Freizeitvergnügen, das nach Feierabend oder am Wochenende oft Pärchen oder Freundesgruppen in die Kinosäle lockt. Oftmals als Auftakt eines Essens oder Barbesuchs hinterher.
Während auf dem Land kleine Kinos kaum existieren können, warten in den Megametrololen wie Seoul, Busan, Incheon, Daegu, etc. große Multiplex-Kinos mit einer Reihe von Kinopalästen, wie auch die landesweiten Kinoketten ‚CGV’ und ‚Megabox’ auf ihre Gäste. Es finden sich Kinos in den großen Wolkenkratzern, wie dem KLI-63-Gebäude oder dem COEX-Komplex in Seoul-Gangnam. Normalerweise laufen die Filme ab 11 Uhr morgens bis in die Nacht ununterbrochen. Kinokarten kosten in etwa 7000-8000 Won (ca. 5 €).
Seit September 2009 gibt es im neuen Yeongdeungpo-Kino von CGV in Seoul Filme auf der größten Kinoleinwand der Welt (31,38m x 13m) zu sehen.
Das Picadilly-Kino in Jongno bietet noch eine andere Attraktion auf, denn dort findet man im Pflaster vor dem Gebäude in Bronze gegossene Handabdrücke der koreanischen Filmstars eingelassen.
Sehr beliebt sind bei den Jugendlichen, die zumeist bis zum Beginn des Studiums, der Einberufung zur Armee oder Hochzeit mit den Eltern zusammenwohnen, die DVD-Bangs, Räume, wo man ungestört mit mehreren Freunden eine DVD auf Groß-Flachbildschirmen und mit 3D-Surround-Ton ansehen kann.

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"Seoul Cinema"

Im Untergeschoß des „Korea National Tourism Organization headquarters“ (KNTO) in Seoul-Euljiro befindet sich seit 2004 die „Korean Entertainment Hall of Fame“ mit Informationen zu den beliebtesten Schauspielern und Drama-Serien, die sich in ganz Asien großer Beliebtheit erfreuen.

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„Korean Entertainment Hall of Fame“


Kinobesuche spielen in einigen Filmen eine wichtige Rolle:

Son of a General (1990)
Life and Death of the Hollywood Kid (1994)
Virgin stripped bare by her bachelors (2000)
All for Love (2005)
Tale of Cinema (2005)
Midnight Ballad for Ghost Theatre (2006)
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Film im Film:
Spring on the Korean Peninsula (1941)
Romance Pappa (1960)
Confession of an Actress (1967)
Outlaw on a Donkey (1970)
Imbecile (1985)
Ticket (1986)
I Love You (Kurzfilm, 1988)
Life and Death of the Hollywood Kid (1994)
A Masterpiece in My Life (2000) 
If You Were Me (2003), Episode 1: The Weight of Her
Tale of Cinema (2005)
Pornmaking for Dummies (2007) 
Little Prince (2008) 
Movie is Movie (2008)
Woochi (2009)
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Szene aus "All for Love" (2005)
hostnguest
Szene aus "Host & Guest" (2005). 


Szene aus "Midnight Ballad for Ghost Theatre" (2006).
Springon the Korean ...1941
Dreharbeiten zum Historienfilm "Chunhyang" in "Spring on the Korean Peninsula" (1941).
pornmaking1
Szene aus "Pornmaking for Dummies" (2007). 
Movie1
Szene aus "Movie is Movie" (2008).
woochia
Ein Filmset wird zerstört. Szene aus "Woochi" (2009).
Letztes Update ( Saturday, 10 July 2010 )