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Beerdigung und Trauerfeier PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Saturday, 02 September 2006
In Korea gibt es traditionelle Abläufe bei Beerdigungen, die noch besonders auf dem Land praktiziert werden, während in den Großstädten auch Urnenbestattungen schon üblich geworden sind.
Trauerfeiern werden in den Filmen „Farewell My Darling“ und „Festival“ (beide 1996) genau dargestellt:
Nachdem der Tod eingetreten ist, wird der Verstorbene in seinem Raum aufgebahrt und hinter einem Paravan gelegt. Ein Familienmitglied steigt aufs Dach des Hauses, schwenkt ein Kleidungsstück des Toten und ruft seinen Namen. Die Angehörigen werden informiert und die Nachbarschaft kommt zusammen um Speisen für die anstehenden Trauertage zuzubereiten, Tiere dafür geschlachtet.
Es werden 3 Paar Strohschuhe und Reisschalen für die Geister aufgestellt.
Ein Portraitphoto mit Trauerrand wird aufgestellt. Ein Bestatter wird bestellt.
Am zweiten Tag, wenn die ersten Anverwandten eintreffen, wird das Haus mit Kränzen und Gestecken geschmückt. Die Trauergemeinde tritt zusammen und nimmt einzeln Abschied von dem Toten.
Sind alle Verwandten eingetroffen wird der Leichnam (shishin) sorgfältig gewaschen und die Körperöffnungen mit Stoff verschlossen. Gekochter Reis im Mund soll den Toten auf dem Weg ins Jenseits versorgen. Die Nägel werden geschnitten. Dann wird der Tote in weiße Seidengewänder gehüllt und schließlich in grobe Leinenbahnen eingewickelt und verschnürrt. Dann wird der Tote unter großem Wehklagen eingesargt. Es werden Beigaben wie Schmuck und Geld mit in den Sarg gelegt.
Auf einem Tisch vor dem Portraitphoto werden Speisen, Räucherwerk, Kerzen und Schnaps gestellt. Die Verwandten und Bekannten treten ein und verbeugen sich zweimal auf dem Boden davor, danach kondoliert man den männlichen engsten Verwandten mit einer Verbeugung. Geldgaben in weißem Umschlag sind üblich.
Die Trauergemeinschaft trägt weiße Kleidung, bzw. die Leinen- oder juteartige Kleidung (Sangbok oder auch Gulgeonjebok) mit spitzen Mützen (Hyogeon) und die Frauen Tücher und geflochtene Kränze (Sujil).
Am nächsten Tag wird aus Bambus eine Totenbahre gebaut und geschmückt. Anverwandte werden reihum vorne auf ihr herumgetragen.

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Totenbahre (sangyo)

Schließlich verläßt der Trauerzug das Haus. Der Sarg wird an der Türschwelle über eine umgekehrte Keramikschüssel getragen und dabei abgesenkt, dass sie zerbricht. So sollen die bösen Geister vertrieben werden.
Mit bunten Fahnen und von den männlichen Familienmitgliedern getragen setzt sich der Zug (maejang) in Richtung Grabstätte, die zumeist auf oder an einem Hügel liegt. Man stützt sich auf kleine Gehstöcke (Jipang-i), damit man gebeugt geht und nicht nach oben schaut. Die Grube wird ausgehoben und ein runder Grabhügel angelegt. Ein schlichter Stein mit Namen kennzeichnet das Grab, welches später als kleiner grasbewachsener Hügel sichtbar ist.


Am Jahrestag (stets nach dem Mondkalender) treffen sich die Familienangehörigen und ziehen zum Grab, um dort Gaben abzulegen und sich in Erinnerung zu versammeln. Gespräche und Reden mit dem Verstorbenen sind bei dieser Erinnerungsfeier (jaesa) üblich.
Kann man nicht das Grab besuchen, versammelt man sich feierlich gekleidet zur privaten Trauerfeier daheim. Vor einem Bild des Toten werden Opfergaben aufgestellt, wie Obst, Fleisch, Räucherwerk und ein Schnaps wird eingeschenkt. Nach einigen Kreisen des Glases über dem Räucherwerk wird auf das Wohl des Verstorbenen getrunken.
Anschließend verbeugen sich die Angehörigen jeweils zweimal kniend ganz auf den Boden.

Diese Art der Trauerfeier wird nach konfuzianischen Grundsätzen durchgeführt.

Für Interessierte kann ich folgende Filme empfehlen:

Festival (1996)
Farewell My Darling (1996)
My Teacher, Mr. Kim (2003)
My Girl and I (2005)
Mr. Lee vs. Mr. Lee (2007)


Trauerzug aus "Farewell My Darling" (1996).


Beerdigungsszene aus "Festival" (1996).


Gedenk-Zeremonie in "Mr. Lee vs. Mr. Lee" (2007).
Letztes Update ( Monday, 23 July 2007 )