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Massaker von Gwangju PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Saturday, 07 April 2007
Was in China das Tienamen-Massaker (1989) war, war für Südkorea das Vorgehen von Polizei, Sicherheitskräften und der Armee gegen protestierende und streikende Studenten und Fabrikarbeiter vom 18.-27. Mai 1980 in der Provinzhauptstadt Gwangju.
Vorraus gegangen waren Proteste gegen die neuerliche Militärdiktatur, die sich nach einigen hin und her nach dem Mord an Präsident Park Chung-hee 1979, etabliert hatte. Der damalige Präsident Choi Kyu-ha, der nur eine Übergangslösung war und im August 1980 zurücktrat, wurde dann im Februar 1981 vom für das Massaker verantwortlichen Armeechef Chun Doo-hwan abgelöst (bis 1988).
Nach wochenlangen Demonstrationen und Uni-Besetzungen machten Panzer und Fallschirmeinheiten dem Protest ein blutiges Ende. Offiziell wurde gegen „kommunistische Unterwanderung“ vorgegangen. Nach Schließung der Universität schlossen sich viele Bewohner Gwangjus den Protesten an. Bei der Stürmung von Polizeirevieren bewaffneten sich einige Demonstranten. Die Stadt wurde von der Armee abgeriegelt und der landesweite Ausnahmezustand ausgerufen.

Das Geschehen kann nur aus der besonderen politischen Situation Südkoreas verstanden werden. Hintergrund dabei ist, dass die koreanischen Studenten zu einem Großteil sehr nationalbewußt, und deshalb zwangsläufig sehr amerikakritisch, sowie unermüdliche Verfechter der koreanischen Wiedervereinigung (tongil) waren. Da sie hierbei auch Sympathie für Nordkorea zeigten und dies auch bei Demonstrationen öffentlich machten, waren sie ständig im Blickfeld der Sicherheitsorgane wie Polizei und Geheimdienst (KCIA). Gwangju ist zudem die Hochburg der koreanischen Katholiken, die im Lande selbst eine Minderheit sowohl unter den Christen als auch den anderen Religionen bilden. Ihr politischer Führer war der damalige Oppositionspolitiker und spätere Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung, der von den Militärregimes als Staatsfeind verfolgt wurde. Hinzu kam die Tatsache, daß die Herrschenden fast alle aus den Gyongsang-Provinzen kamen und die Jolla-Provinzen um Gwangju an den staatlich gelenkten Investitionsprogrammen kaum teilhatten, was die dortige Bevölkerung in die Arme der Opposition trieb.

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So stürmte die Armee am 27. Mai die Versammlungszentrale der Demonstranten und räumten in nur 90 Minuten unter Anwendung massiver Gewalt das Gebäude.
Die offizielle Zahl von 207 Toten und fast 1000 Verletzten muss wohl weit nach oben korrigiert werden, Augenzeugenberichten und BBC Untersuchungen zur Folge gab es wohl zwischen 1000 und 2000 Todesopfer und bis zu 15000 Verletzte. So überlebten viele Gefangenen die Vernehmungen und Haftbedingungen nicht.
Die Gwangju Demokratie-Bewegung (광주 민주화 운동) ist noch heute ein nationales Trauma, das in einer gewaltigen Gedenkstätte (May 18 National Cemetery) aufgearbeitet wird, wo die Opfer 1997 hin umgebettet worden waren.

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(Fotos KTO)


Neben Dokumentationen wird die blutige Eskalation des Aufstandes auch in einigen Spielfilmen angesprochen:


Song of Resurrection (1990)

Sandglass (Dramaserie 1995)

A Petal (1996)
Pepermint Candy (1999)
The Old Garden (2007)
May 18 (2007)
Scout (2007)
Memory of May (Animation, 2008)
A Man Who Was Superman (2008)
26 Years (2012)
Sandglass
Szene aus "Sandglass" (1995) 

Szene aus "A Petal"

Szene aus 'Peppermint Candy'

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Szene aus 'The Old Garden'


Szene aus 'May 18'

 
Letztes Update ( Monday, 11 February 2013 )