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Geschrieben von Sascha Klie   
Tuesday, 25 September 2007
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HWAL – DER BOGEN

OT: 활 (Hwal)
Land: Südkorea 2005
Drehbuch und Regie: KIM Ki-duk
Darsteller: JEON Sung-hwan, HAN Yeo-reum, SEO Ji-seok, JEON Gook-hwan, JO Seok-hyeon
Musik: KANG Eun-il
Länge: 89 Min.
Ton: Dolby Digital
Sprachen: koreanisch / deutsch
Untertitel: deutsch
Bildformat: 1.85 : 1
Extras: Making of...(40 Min.) [Sehr informatives und hautnahes “Making of..”, welches die Arbeitsweise des Regisseurs beleuchtet!], Kinotrailer
Synchronisation und Untertitel: Die Synchronisation geht in Ordnung; es ist so wenig Text, dass sich keinerlei spezifische Charakterisierung ergeben kann. Die Untertitel sind genauer am Orginal.
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Rapid Eye Movies


Image
Ein alter Mann lebt mit einem jungen Mädchen (die Protagonisten bleiben namenlos) auf einem alten Fischerboot. Sie wohnt dort mit dem Alten seit 10 Jahren. Nur ab und an fährt der 60-jährige mit einem kleineren Boot zum Hafen und holt Angler ab, die dann auf hoher See fischen. Das junge Ding erregt dabei die Aufmerksamkeit der Angler. Wird aber einer zudringlich oder etwas paßt dem Alten nicht bekommt er einen Pfeil um die Ohren geschossen. Die Männer erzählen sich, dass er das Mädchen als Kind dorthin brachte. Sie stehe nun kurz vor ihrem 17. Geburtstag, an dem der Alte die Kleine heiraten will. Und tatsächlich beschafft der alte Fischer nach und nach traditionelle Brautgewänder, die er fein säuberlich in einer Truhe aufbewahrt.

Ab und zu bittet ein Angler den Alten eine Weissagung für die Zukunft zu machen. Dann schießt der Alte auf das Mädchen drei Pfeile ab auf ein an die Bordwand gemaltes Buddhabild, während sie davor auf einer Schaukel hin- und herschwingt. Das Ergebnis flüstert sie ihm ins Ohr, das er dann dem Fragesteller weitersagt. Ansonsten schweigt man an Bord. Die beiden verstehen sich wortlos.

Doch eines Tages ist unter den Angler nein junger Mann, dem die Situation mehr als merkwürdig, ja anrüchig vorkommt. Er verspricht sie anzuholen und ihr die Welt zu zeigen. Der Alte merkt, dass ihm die Zeit knapp wird, er muss nun handeln.


Dieser Film läßt einen nicht kalt, auch wenn er in nur 14 Tagen im Winter bei Eiseskälte gedreht worden ist. Kim Ki-duk erzählt eine simple Geschichte mit wunderbaren Bildern, fast ohne Worte. Wie schon in ‘Iron 3’- ‘Binjib’ oder ‘Frühling, Sommer, Herbst, Winter…und Frühling’ beherrscht das Bild die Geschichte. Der Text ist Nebensache oder Beiwerk, sie erklärt sich von selbst. Die Melancholie der Geschichte wird durch die Streichmusik, die den gesamten Film untermalt, unterstützt. Aus dem Bogen wird mittels eines eingespannten Klangkörpers ein zweisaitiges Streichinstrument, der traditionellen koreanischen Geige namens Haegum. So wird die Zweischneidigkeit des Bogens als einerseits Waffe, andererseits zur musischen Entspannung benutzt, deutlich.

Als der Alte realisiert, dass die Jugend die besseren Karten, ja Argumente hat, platzt sein Traum wie eine Seifenblase. So will er nicht weiterleben, versucht sich das Leben zu nehmen. Doch das Mädchen kann das nicht akzeptieren. Schließlich heiratet sie ihn in einer traditionellen Zeremonie. Ein letzter Bogenschuß führt schließlich zur ungewöhnlichsten Entjungferungsszene der Filmgeschichte.

Nach ‘Samaria’ spielt Han Yeo-reum hier zum zweiten Mal unter Kim Ki-duk. Wenn dem Regisseur auch in seinem Heimatland der große kommerzielle Erfolg versagt bleibt, so ist er doch in Europa als weit über die Landesgrenzen hinaus anerkannter Filmemacher bekannt. So kommen die Filmpreise von Cannes und Venedig 2005 völlig zu Recht. Für ‘Hwal’ bekam er den Regiepreis der Filmfestspiele von Porto (Fantasporto) 2006.

Fazit: Auch mit wenig Mitteln und kleinem Geldbeutel läßt sich schönes Kino machen. Ein prachtvoller Bildereigen, der eine melancholische Stimmung auf den Weiten des Meeres nahe bringt. Eine ungewöhnliche Geschichte um Liebe und Zuneigung, die ihresgleichen sucht. Erzählkino ohne Worte. Einfach genial! Ein poetisches Drama zum Verlieben.

(Dank an rapid eye movies für die Rezensions-DVD)  
Letztes Update ( Thursday, 17 January 2008 )