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Geschrieben von Sascha Klie   
Saturday, 06 October 2007
Schon in alter Zeit wurden Hochzeiten arrangiert. Ehen ohne Vermittlung galten sogar als schwerer Verstoß gegen die guten Sitten. So bekamen schamanistische Vermittler die fünf wichtigen Daten einer Person genannt (Sajoo), die Geburtsjahr, -monat, -tag und –stunde umfaßten, sowie das Tiersymbol des chinesischen Kalenders. Selbstverständlich wurde innerhalb des Standes geheiratet, gesellschaftlicher Aufstieg war aber nicht ausgeschlossen. Auch Liebesheiraten soll es vereinzelt gegeben haben. Ein Mädchen wurde üblicherweise mit 16 verheiratet. Der Bräutigam konnte aber auch jünger sein. Bis heute gibt es aber auch Absprachen unter den Eltern, die ihre Familien verbunden sehen möchten.

Seit der Chosun-Zeit wird der Hochzeitsritus nach neokonfuzianistischem Vorbid durchgeführt. Die Braut verläßt danach ihr Elternhaus und lebt künftig im Haus der Schwiegereltern, denen sie zu Gehorsam verpflichtet ist. Trotzdem blieb die Braut immer ein gewisser ‘Fremdkörper’ in der neuen Familie, so behielt sie ihren Mädchennamen auch nach der Hochzeit bei.

Geheirate wurde zwischen verschiedenen Sippen, so daß es bis vor wenigen Jahren unpassend erscheint, jemanden mit dem gleichen Familiennamen zu ehelichen, auch wenn die Sippe von einem anderen Zweig abstammt. Bei den Namensarmut in Korea ein wirkliches Hinderniss. Arrangierte Ehen im Adel und im Königshaus dienten zumeist dem Machterhalt und Gewinn an Einfluß. Die zu verheiratenden Kinder sahen sich häufig bei der Hochzeit zum ersten Mal.

Heutzutage arrangieren Vermittlerinnen oft mehrere Kennenlerntreffs in einem Café, wo sich potentielle Kandidaten für eine Stunde lang ‘beschnuppern’ können, ob die Chemie untereinander stimmt, manchmal auch in Anwesenheit beider Eltern (eine Sitte, die aus der Japanzeit herrührt). Jedoch nimmt die Zahl der späten Heiraten (um 30 Jahre) immer mehr zu, welches zum einem am Wehrdienst, der oft erst nach dem Studium abgeleistet wird und an der Ausbildung und Berufslaufbahn der Frauen liegt.

Korea hat neben einer der höchsten Scheidungsraten der Welt auch eine sehr geringe Geburtenrate.
Die traditionelle Hochzeit beschreibt den Schritt in ein neues Leben für die Eheleute: Ihr sexuelles Leben beginnt, welches der Stammhalterzeugung dient und den Familienerhalt gewährleisten soll. Außerdem begegnen sich Eheleute mit Respekt, zumeist Siezen sie sich, bzw. benutzen die Honorativform beim Sprechen. Ab der Heirat stellen sie aber auch einen gemeinsamen Haushalt dar, der in ein soziales Gefüge eingegliedert wird und seine Stellung nach außen hin der Gemeinschaft wahrnimmt.
Zunächst werden Hochzeitsbriefe ausgetauscht und eine Ehezeremonie vereinbart. Während der festgefügten Zeremonie treffen sich die Brautleute festlich geschmückt an einem Zeremonialtisch (Choilyechung), der auf dem Hof des Hauses der Braut aufgebaut wird. Er wird geschmückt mit einer roten und blauen Kerze, zwei Vasen mit Pinien- und Bambuszweigen, zwei Schalen Reis und zwei Hühnern, je nach Nord und Süd ausgerichtet. Hinzu kommen Wasserschalen, Handtücher und Tische mit Wein. Der Bräutigam, der mit den Brautgeschenken und seinem Begleittross am Haus der Braut ankommt (Junanlyh), klopft, übergibt eine Wildgans und wartet auf ihr Erscheinen (Gyubealyh). Sie verdeckt ihr Gesicht und wird von Brauthelferinnen (Soomo) geführt. Im Hof angekommen, stehen sie vor dem Zeremonialtisch und verbeugen sich voreinander mehrfach. Ein ehrwürdiger Meister leitet die Zeremonie und sagt an, was die Brautleute zu tun haben. Nach der Verbeugung knien sie nieder und nippen an einem Becher Wein (Habgeunlyh), wobei der Bräutigam zusätzlich eine Beilage probiert. Dieser teil der Zeremonie beschreibt das gegenseitige für-einander-sorgen und die Harmonie der Eheleute. Nach dem Ende der Zeremonie bewirtet der Bräutigam seine Freunde. Oft wird nun getanzt und Musik gespielt.

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Das Brautpaar erscheint

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Die Verbeugungszeremonie


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Ein Brautpaar in traditioneller Kleidung (yebok)

Durch die Missionierungen im 19. Jahrhundert kamen auch christliche Zeremonien ins Land und neben den Riten in Hochzeitshäusern gibt es kirchliche Trauungen durch einen Priester.

Mittlerweile haben sich Zeremonien in Hochzeitshäusern durchgesetzt, wo praktisch im Stundenrhythmus Ehen vor der Familien und Gästen geschlossen werden. Die Braut in Weiß wird vom Brautvater hereingeführt. Ein Freund verliest den Ablauf der Zeremonie. Ein Ehrengast, oft ein Professor, ermahnt die Eheleute in einer kleinen Ansprache ihren gegenseitigen Pflichten nachzukommen. Nach den Verbeugungen vor den Eltern werden die Ringe getauscht und unter den Klängen vom Hochzeitsmarsch (vom Band) verläßt das frischgetraute Ehepaar die Feier. Danach werden hunderte Photos gemacht. Weil das nächste Paar und deren Gäste nachdrängt, wird im ersten Stock zu einem Essen geladen, welches in Mensamanier serviert wird. Während die Eheleute auf die Hochzeitsreise (oftmals nach Jejudo) abreisen, feiern die Gäste in unterschiedlicher Zusammensetzung weiter.

Gastgeschenke sind zumeist Bargeld, die vor der Trauung in einem weißen Umschlag an einen extra eingerichteten Tisch abgegeben werden und säuberlich in eine Liste eingetragen werden.


In vielen Filmen wird geheiratet, hier eine kleine Auswahl:  
Wedding Day (1956)
The Eternal Flow (1984)
My Heart (1999)
Marrying The Mafia (2002)
A Moment to Remember (2004)
My Little Bride (2004)
My Wedding Campaign (2005)
You are my Sunshine (2005)
Love in Magic (2005) 
My Friend & His Wife (2006)
Oh! My God (2006)
The Worst Guy Ever (2007) 
More Than Blue (2009)

 

In Ulrike Ottingers Dokumentarfilm "Die koreanische Hochzeitstruhe" geht es um koreanische Hochzeitsriten (D 2008).


Eine königliche Hochzeit in der K-Drama-Serie ‘Goong (궁)’ (Palace), MBC 2006, Episode 3 zu sehen.
In "A Bizarre Love Triangle" (2002) wird ein homosexuelles Paar getraut. Die Szene spielt jedoch erst im Jahr 2030 auf einer Marskolonie.
Weddingday
Die traditionelle Braut in "Wedding Day" (1956)

 
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Traditionelle Hochzeit mit ungleichem Brautpaar. Szene aus "My Heart" (1999).

 

Szene aus 'My Little Bride' (2004)
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Szene aus 'The Worst Guy Ever' (2007) 
sadsad1
Szene aus "More Than Blue" (2009)
Letztes Update ( Thursday, 24 September 2009 )