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Aufarbeitung der Geschichte PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Wednesday, 09 January 2008

 

Seit dem Ende der Militärzeit 1988 in Südkorea hat sich in der Auswahl der Themen grundlegendes geändert, so wurden in den letzten zwei Jahrzehnten immer wieder kritische Themen, die die jüngste Geschichte betrifft aufgegriffen. Drehbuchautoren und Regisseure haben dabei auch nicht davor zurückgescheut, unangenehme Themen zu beleuchten. Zwar gelang es immer wieder Regisseuren kritische Themen an der Zensur vorbei in ihren Filmen unterzubringen, doch wirkt es, als hätte die Demokratisierung den Deckel weggesprengt unter dem es schon viel zu lange gebrodelt hatte. Die Befreiung und der Wegfall des Maulkorbes bescherte uns dadurch ein Fülle von wichtigen Themen, die es nun mit den Mittlen des Filmes zu behandeln galt.

 

Wegbereiter dieser kritischen Sichtweise ist sicherlich der Altmeister des koreanischen Kinos IM Kwon-taek mit Filmen wie „Taebaek Mountains“ (1994) um das Hin und Her zwischen den ideologischen Lagern nach dem 2. Weltkrieg. Der blutige Bruderkrieg, der zum ersten heißen Krieg im ‚Kalten Krieg‘ von 1950-53 wurde, wie er in „Taegukgi-Brotherhood of War“ (2004) als Konflikt innerhalb einer Familie exemplarisch für ein ganzes Volk dargestellt wird, ist beispielhaft für die Auseinandersetzung von persönlicher Betroffenheit und nationalem Trennungsschmerz, der seitdem die politische Auseinandersetzung bis in unsere Tage bestimmt.

Relativ zeitnah sind die Beschreibungen der Arbeiter- und Studentenaufstände 1987 im Film von Kim Hong-joon "La Vie en Rose" (1994).

Ebenso wichtig sind die Filme von Park Kwang-su wie die Abrechnung mit der Militärdiktatur eines Park Chung-hee in "Black Republic" (1990) und "A Single Spark" (1995) oder auch in "The Uprising" über ein blutig niedergeschlagenen Aufstand und das Massaker auf der Insel Jeju. 

Anders als in der Politik, wo eine „Wahrheits- und Versöhnungskommission“ Ungereimtheiten aus vergangenen Jahren in Korea aufarbeiten soll und Versäumnisse, Filz und Korruption nur mühsam erhellen kann, leisten hier Drehbuchautoren und Regisseure Vorbildliches.

 

So kam ans z. B. Licht, der vergebliche Versuch ein Spezialkommando nach Nordkorea zu schicken und den damaligen Präsidenten Kim Il-sung umzubringen. Das Himmelfahrtskommando wurde in letzter Minute abgeblasen. Von den ausgebildeten Kampfmaschinen überlebte nur einer, der in einem Enthüllungsbuch die Vorgänge schilderte, die die damalige Militärregierung selbstredend unter den Teppich kehren wollte. So wurde „Silmido“(2003) zu einem Paradestück von Aufklärungskino.

 

Ebenso die Vorgänge um die Entführung des damaligen Oppositionspolitikers und späteren Friedensnobelpreisträgers Kim Dae-jung, der bei Nacht und Nebel aus einem Tokioter Hotelzimmer gekidnappt wurde und nach Seoul gebracht wurde. Ein noch immer nicht bin in alle Einzelheiten geklärter Vorgang, der im Film „KT“ (2001) aufgegriffen wurde.

 

Die Umstände des gewaltsamen Todes von Präsident Park Chung-hee, der 1979 von seinem eigenen Geheimdienstchef ermordet worden war, wurde minutiös im Film „The President‘s Last Bang“ (2005) dargestellt.

 

Aber auch die Abläufe des Geiseldramas um die Gefängnis-Ausbrecher im Olympiajahr von Seoul 1988, welches durch die Medien ging, wurde durch ein Enthüllungsbuch der überlebenden Geiseln in krassem Gegensatz zur verbreiteten Meinung aufgearbeitet und aus anderer Perspektive in „Holiday“ (2005) erzählt.

 

Manchmal genügt auch nur der Hinweis auf eine Tragödie, wie der auf Pfusch am Bau zurückgehende ‚Sampoong‘-Kaufhauseinsturz in Seoul 1996, welcher zum Ausgangspunkte für eine Liebesgeschichte wird, so in „Trace of Love“ (2006).

 

Die unsäglichen Vorgänge bei der brutalen Niederschlagung der Studentenunruhen in Gwangju 1980 wurden mittlerweile in vielen Filmen aufgegriffen und stellen so eine wichtige Hilfe bei der Verarbeitung dieses nationalen Traumas dar. s. hier: Massaker von Gwangju .

 

Die Unabhängigkeitsbewegung zur Befreiung Koreas von den japanischen Einflüssen, die zur Besetzung und Kolonialzeit führten, werden durch Filme, die den Widerstandskämpfern gelten, wie „Anarchists“ (2000) oder „2009 Lost Memories“ (2001) und „Thomas Ahn Joong Keun“ (2004) gerecht.

 

Selbstverständlich gebührt den zahlreichen Dokumentarfilmern ebenso ein Lob, wenngleich auch diese Filme nur allzu selten den Weg ins Ausland finden.

Die nicht immer leichte Auseinandersetzung mit der eigenen historischen Vergangenheit zeugt von der Größe und Stärke der errungenen Demokratie, einem Gut, welches die Regisseure, die alle noch unter anderen politischen Umständen aufwuchsen zu schätzen und mit ihrer Arbeit zu verteiden wissen. Sie leisten -neben Schriftstellern und Theaterleuten- einen wichtigen Beitrag zur politischen Kultur und helfen beim Finden der kulturellen Identität Koreas bei.

 

PR1

Bergarbeiter-Streik in "Black Republic" (1990)

 

spark5

Szene aus "A Single Spark"

 

silmido

Szene aus "Silmido" 

 

KT

Szene aus "KT" (= Killing Target)

 

pres.1

Szene aus "The President's Last Bang" 

 

holiday

Die Umsetzung der Fensterszene 1:1 in "Holiday" 

 

anarchists

Szene aus "Anarchists" 

Letztes Update ( Saturday, 15 November 2008 )