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Haare PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Tuesday, 04 March 2008

 

Haare waren zu allen Zeiten und in allen Kulturen Ausdruck von bestimmten Haltungen, Moden und sozialem Status. So nicht anders in Korea.

 

Normalerweise wurden während der Joseon-Zeit die Haare (mori garak) stets lang getragen, wobei die Männer die Haupthaare zu einem Knoten (sangtu) oben mittig auf der Kalotte trugen. Adelige konnten diesen mit kleinen Aufsätzen (chipo-gwan) und einer Haarnadel schmücken. Ein Haarband (manggeon) aus Rosshaar schützte den nach oben gekämmten Haaransatz.

 

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Mann mit Sangtu und Manggeon, Frau mit Binyeo (Szene aus "Untold Scandal" [2003]) 

 

Frauen trugen ihr langes Haar in einem Nackendutt oder -nest zusammengesteckt, der von einer Haarnadel (binyeo) gehalten wurde. Adelige Damen trugen ihren Zopf kranzartig oberhalb der Stirn, wobei auch falsche Haarteile oder Perücken Verwendung fanden. Ebenso konnten hölzerne Ornamente (tteoguji) eingearbeitet werden.

Sehr aufwendig waren die Frisuren bei Hofe und der Kisaeng (professionelle Begleiterinnen, die Feste durch ihren Gesang und rezitative Darbietungen aufwerteten), wo reiche Haarstecker aus Edelsteinen und Gold benutzt wurden.

 

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Frau mit reicher Haartracht, Zopfkranz, Haarnadel und Goldstecker (aus "Untold Scandal") 

 

Wollte eine Frau ihren Unmut über erlittenes Unrecht ausdrücken, so zog sie in weißer (Trauer-)Kleidung mit offenen Haaren klagend durch das Land. Dieser Ausdruck des sog. han-Gefühls wird auch deutlich, wenn man die Darstellung von weiblichen Geistern in Horrorfilmen betrachtet.

So erscheinen die Geister in weißer Kleidung mit offenen Haaren, die das Gesicht verdecken und treiben durch ihre pure Anwesenheit die Betroffenen in den Wahnsinn oder Tod. Die verletzte Seele läßt sie so erscheinen um ein Unrecht, das ihren Tod betrifft, sühnen wollen, weil sie ohne das kein Seelenfrieden finden können. Dieses Film-topos wird durch lange Haare, in denen man sich verfangen kann oder die einem Opfer die Luft abdrücken können verstärkt.

 

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Szene aus "Whispering Corridors 3: Wishing Stairs" (2003) 

 

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Szene aus "The Wig" (2005) 

 

Da Haare auch als Statussymbol gelten, haben konsequenterweise buddhistische Mönche und Nonnen bewußt auf Haarmode verzichtet und wie auch alle anderen weltlichen Besitztümern abgelegt, tragen somit stolz ihren kahlgeschorenen Schädel.

 

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Kahle Mönche im Bad (A Little Monk [2002])

 

Da üppiger Bartwuchs vielen Männern in Ostasien generell nicht gegeben ist, trugen viele Adelige, Beamte und Gelehrte einen dünnen langen Schnauzbart.

 

Heutzutage tragen die Älteren meist moderne Kurzhaarfrisuren und keinen Bart. Oftmals färben sich Politiker, Manager oder Schauspieler ihre Haare schwarz, um einen jugendlicheren Eindruck zu machen. Das geht auf eine Lehre des Konfuzius zurück, nach der man sich um ältere Leute mit weißen Haaren kümmern soll, weil sie der Pflege bedürfen.

 

Jugendliche hingegen eifern Popstars oder Fußballern nach und färben sich die Haare auch schon einmal blond oder rotbraun.

 

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Jugendliche mit gefärbten Haaren (Attack the Gas Station! [1999]) 

 

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Star-Designer und Modezar Andre Kim mit (vermutlich) gefärbten Haaren 

 

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Extravaganter Haarstil mit gescheitelter Langhaar-Melonenfrisur-Kombination in "Bisang" (2009).

 

Shin Ha-kyun mit beeindruckendem Brusthaar in "Hair" (2004) 

 

Letztes Update ( Sunday, 13 December 2009 )