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Seoul im Film PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Saturday, 14 June 2008

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Seoul, Chongno um 1888

 

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Namdaemun, Großes Südtor um 1900

 

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Straße zum Namdaemun, 1902 

 

Seoul hat längst seine architektonische Unschuld verloren. Nach den Zerstörungen durch den Koreakrieg wurde Seoul zum Inbegriff des Neuanfangs. Alles drängte in die Metropole, eine wahre Landflucht begann, der auch die von Präsident Park Chun-hee initiierte Saemaul-Bewegung (Neue Dorf-Bewegung) nicht wirklich eine Alternative entgegensetzen konnte. So wuchs die Bevölkerung exponential und zählt nun mit dem naheliegenden Incheon zu den Megametropolen der Welt mit weit über 10 Mio. Einwohnern.

So mußte Wohnraum geschaffen werden, und so schoßen die Hochhäuser wie Spargel aus dem Boden. Es wird nach wie vor 24/7 an immer weiteren neuen Großbauten gearbeitet, so dass die Masse der architektonisch uniformen Wohnsilos nur noch durch meist dreistellige Nummern zu unterscheiden sind. Hinzu kommen für jeden Stadtteil Heizkraftwerke mit ihren Schloten. Des Nachts weisen tausende rote Neonkreuze auf Kirchen, die sich nicht selten in einem Stockwerk der Hochhäuser verbergen. Un d so ziehen sich die Auswüchse der Stadt nach und nach bis zu den Hängen der Seoul umgebenden Berge. Mittlerweile teilt sich Seoul in 25 Stadtteile (gu) auf.

 

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Apartmenthäuser und eine Kirche bei Nacht

 

Aber es gibt auch Überbleibsel aus dem alten Seoul. Neben dem Bahnhof und dem alten Rathaus sind es die Paläste aus der Choson-Zeit, die allerdings auch oftmals erneuert worden sind. Die alten Stadttore, wobei das berühmte Südtor (Namdaemun) im Februar 2008 durch eine Brandkatastrophe schwer beschädigt wurde. Reste der Stadtmauer auf den Hügeln und dem Südberg (Namsan).

 

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Seoul Station 

 

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Seoul Old City Hall

 

Die Grabstätten der Herrscher, die zumeist in parkartigen Anlagen liegen, wirken wie Rückzugsgebiete für die Natur, die in den Straßenschluchten meist zu kurz kommt. Buddhistische Tempel und Schreine bilden vereinzelt Oasen in der Großstadtwüste. Ebenso bilden die dutzenden Campus-Universitäten eigene kleine Mikrokosmen.

 

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Yonsei- und  Kyunghee-University

 

Das neue Seoul kennzeichnet sich durch seine Großbauprojekte, wie das 63-Stockwerke Gebäude, welches nach seiner Errichtung einst das höchste Gebäude Koreas war, oder der COEX-Komplex mit Sitz des Korean World Trade Centers (KWTC). Weitere ehrgeizige Großbauten etwa sind das Nationaltheater, das neue Nationalmuseum und das Seoul Arts Center.

 

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63-Building und KWTC

 

Auf der Insel Yeouido im Hangang befindet sich nicht nur mit der Nationalversammlung das größte Parlamentsgebäude Asiens (1975 eingeweiht), sondern auch die Ministerien und die Medien wie TV-Gesellschaften.

 

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Blick vom 63-Building und Nationalversammlung (Parlamentsgebäude)

 

Nördlich und südlich der natürlichen Lebensader Hangang, ziehen sich die vielspurigen Autobahnen, die fast rund um die Uhr einem Verkehrsinfarkt erlegen. Ohne die weitverzweigte U-bahn mit 9 Linien wäre ein schnelles Fortkommen ausgeschlossen.

Viele der ehrgeizigen Bauprojekte sind gewissen geomantischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen worden, die man hierzulande mit dem chines. Begriff Feng shui (kor. pungsu) belegt. So gilt der Präsidentenpalast (das sog. Blaue Haus [Cheongwadae], wegen seiner blauen Dachziegel) als Inbegriff dieser Bauweise. Ausrichtung auf die Himmelsrichtungen, geschützt durch einen Bergrücken und zur Stadt hin geöffnet erweisen sich hier als pragmatische Vorrausetzungen für den Bau. Das galt auch für die Paläste der Chosun-Dynastie, deren weitläufige und aus vielen Einzelgebäuden zusammengesetztes Gesamtensemble an mehreren Stellen zu verfolgen ist.

 

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Das Blue House (Präsidialpalast)

 

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Im Kyungbok-Königspalast 

 

Während sich das alte Seoul lediglich im Talkessel zwischen dem Bergrücken und dem Namsan (Südberg) erstreckte, ufert Seoul nun auch jenseits des Hangangs und zieht sich bis in die Gegend der südlich gelegenden Stadt Suwon hin.

Rund 20 Brücken überspannen den breiten Hangang und verbinden den alten Teil der Stadt mit dem neuen Gebiet Gangnam, der allerdings historisch gesehen zu den ältesten Siedlungsplätzen zählte, wie die prähistorischen Funde von Amsadong bewiesen.

Zwei weltweit Aufmerksamkeit bescherende Großveransteltungen, die Ausrichtung der Olympischen Spiele 1988 und die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 (zusammen mit Japan) prägen die Zentren der Sportstätten der Stadt wie das Olympiastadion mit dem Olympia-Park oder das World Cup Stadium.

 

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Hangangbrücke und Olympic Gate 

 

Erst kürzlich wurde in einem baulichen Gewaltakt ein alter zugebauter Flußlauf (Cheonggyecheon) der Metropole wieder ausgegraben und renaturiert, bildet so für die Besucher einen Freizeit- und Entspannungsraum inmitten des Stadtzentrums.

 

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Am Cheonggyecheon

 

Das alte Stadtbild, welches durch niedrige kleine Holzhäuser geprägt war, gehört der Vergangenheit an. Die arme Stadtbevölkerung haust in Wellblechhütten, die sich an den Stadträndern die Bergkämme heraufziehen und den Grüngürtel, der Seoul umgibt nach und nach dezimiert.

 

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Seit 1999 ragt an der Millenium Plaza der Jungno-Tower mit 132 m und einer ungewöhnlichen Architektur in die Höhe. Rafael Vinoly schuf diese Konstruktion aus Stahl und Glas, die oberhalb des 24 Stocks mehrer Etagen ausläßt um dann im nur von drei Stahlsäulen getragenen „Top Cloud“-Restaurant zu gipfeln.

 

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Der Jungno-Tower 

 

Das neueste Projekt, welches bis 2013 verwirklicht werden soll, ist das im Stadtteil Yongsan geplante Hochhaus mit 150 Stockwerken und mit 620 m dann zweithöchste Gebäude der Welt (nach dem zur Zeit im Bau befindlichen Wolkenkratzer Burj Dubai mit geplanten über 800 m), über 100 m höher als das Taipeh 101-Gebäude.

Urbanistische Akzente setzt seit einigen Jahren der gefragte Architekt Seung Hyo-sang, der viel mit Corten-Stahl umsetzt, wie zum Beispiel das Schlössermuseum in Jongno.

Blickfang und Wahrzeichen des Südbergs (Namsan) ist der N Seoul Tower. Der 1975 fertiggestellte Fernsehturm wird allnächtlich in sich ändernden Farben angeleuchtet.

 

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N Seoul Tower (Namsan-Tower)

 

Aber auch deutsche Architekten sind gefragt, so schufen die Berliner Regine Leibinger und Frank Barkow 2006 das Trutec Building, die ‚Digital Media City‘ mit einer kubistischen Außenhaut mit verspiegeltem Glas. Spektakulär auch der Kyobo Tower von Mario Botta, ein Bürogebäude mit 117 m in Gangnam.

 

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Trutec Building und Kyobo Tower

 

Das Verbindungstor zur Welt stellt der Internationale Flughafen Incheon dar, der auf einer künstlichen Insel den alten Kimpo Airport ersetzt. So wirbt man für ein Drehkreuz im Flugverkehr Ostasiens. In nur sechs Jahren Bauzeit (1994-2000) war das Prestige-Projekt der Architekten Bradburn und Frentress verwirklicht worden. Die wabenartige Glaskontruktion setzt neue Maßstäbe für großvolumige Hallenräume.

 

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Incheon International Airport 

 

Leider gab es auch durch mangelhafte Bauausführung zwei katastrophale Unglücke. So stürtzte am 29.Juni 1995 das 5-stöckige Sampoong Kaufhaus komplett ein und begrub 1400 Leute. Für 502 kam jede Rettung zu spät. Die Seongsu-Fachwerkbrücke über den Hanfluß stürzte infolge fehlerhafter Schweißarbeiten auf 48 m zusammen. Auf Grund mangelhafter Ausführung mußte die Brücke komplett neu errichtet werden. Es gab am 21. Oktober 1994 32 Tote und 17 Verletzte.

 

Beispiele für Szenen in Seoul sind zahllos, hier eine kleine Auswahl: 

 

taegukgi

Straßenszene im Seoul von 1950. Szene aus "Taegukgi: Brotherhood of War" (2003). 


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Ein Bad im Teich beim Kyonghoe-ru (Bankett-Pavillion) im Kyongbok-Palast.

Szene aus "The Mystery of the Cube" (1998). 

 

witness

Showdown auf Seoul Station. Szene aus "Last Witness" (2001).

 

63-building

Hoch über Seoul. Auf dem 63-Building. Szene aus "Who Are You?" (2002).

 

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Mit dem Freier ins Dickicht unweit der Nationalversammlung. Szene aus "Samaria" (2004). 

 

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Das Monster unter den Hangang-Brücken. Szene aus "The Host" (2006).

 

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Kostenloses Umarmen am Olympic-Gate. Szene aus "Love, First" (2007). 

 

apt.

Trister Ausblick. Szene aus "Apartment" (2006). 

 

Tube

In Seouls U-bahn. Szene aus "Tube" (2003).

 

generation

Unter den Schnellstraßen Seouls. Szene aus "My Generation" (2004). 

 

Holiday

In der Armensiedlung kurz vor der Räumung. Szene aus "Holiday" (2005). 

 

traces

Ein Photo aus den Trümmern des Sampoong-Kaufhauses.

Szene aus "Traces of Love" (2006). 

 

enemy01

Spiegelnde Glasfassaden zeigen die Akteure in "My Dear Enemy" (2008).

 

Modern Boy

Im Film "Modern Boy" (2008) wird das Seoul von 1937 rekonstruiert.

 





Letztes Update ( Saturday, 04 April 2009 )