Home arrow Neu auf DVD arrow Neu auf DVD: Die Verbotene Stadt

Wer ist online?

Kein Benutzer Online
Neu auf DVD: Die Verbotene Stadt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Friday, 08 August 2008

Die verbotene Stadt (CCTV 2006)


Pünktlich zum heutigen Start der Olympischen Sommerspiele in Beijing bringt e-m-s eine DVD mit der chinesischen Dokumentation über die Verbotene Stadt (The Forbidden City) heraus. Das touristische Ziel Nummer 1 in der chinesischen Hauptstadt und Weltkulturerbe der Menschheit wird in dieser bebilderten Geschichtsstunde durch das staatliche chinesische Fernsehen CCTV, deren neue Zentrale ein spektakulärer Neubau der Architekten Rem Koolhaas und Ole Scheeren kurz vor der Fertigstellung steht, beleuchtet. Natürlich konnten hier Areale besucht werden, die dem normalen Besucher unzugänglich sind. Alles in allem wurde ein Gebiet von rund 100 Fußballfeldern im Herzen der Hauptstadt bebaut und hinter einer massiven Mauer befinden sich Gebäude mit fast 10.000 Räumen.

Doch gedacht war es nur für eine Person, den Kaiser, der mit seinen zahllosen Eunuchen ein unbeschwertes Leben jenseits der Außenwelt führen konnte. Ein goldener Käfig in dem 24 chinesische Kaiser residierten.

 

(Die DVD beinhaltet zwei Sendungen a 50 Min.)

 

Image 

 

Teil 1 Geheimnisse

 

Rund 8 Mio. Besucher pro Jahr besuchen diese Attraktion in Beijing. Da nun der 600. Jahrestag der Erbauung begangen wurde, schien es an der Zeit umfangreiche Restaurierungen in Angriff zu nehmen.

Die Stadt war die Residenz eines Gottes, galt doch der chinesische Kaiser als Sohn des Himmels. Sie war aber nicht nur Regierungssitz, sondern auch Heiligtum zugleich. Der Nabel der Welt für Chinesen.

Prinz Zhu Di hatte den Thron erobert, doch in der Hauptstadt Nanjing fühlte er sich nicht sicher, so verlegte er die Residenz nach Beijing. Bekannt für seinen Größenwahn, plante er die größte Palastanlage der Welt an Stelle des alten Mongolenpalastes. In 14 Jahren Bauzeit (von 1407-1420) wurde eine Fläche von 1000 x 750 m bebaut. Daran schloß sich die Kaiserliche Stadt an, deren Herzstück die Verbotene Stadt darstellt.

Drei Tore führen auf die großen Plätze, die in den Hallen, die auf Terrassen gebaut wurden, kulminieren. Die Halle der höchsten Harmonie war der Thronsaal, der für Audienzen genutzt wurde. Hier saß der Kaiser auf seinem Drachenthron. Ihm zur Seite standen die 9 Ränge der Mandarine, die an unterschiedlichen Vögeln auf den gestickten Emblemen ihrer Roben unterscheidbar waren. Alle Hallen sind nach Süden ausgerichtet. Die prachtvollen Hallen wurden für Zeremonien aller Art, wie Hochzeiten, das Neujahrsfest oder die Thronbesteigung genutzt. Als höchter Punkt weithin wurde die Halle jedoch mehrfach Opfer eines Brandes durch Blitzschlag.

Die männlichen Bediensteten waren ausnahmslos Eunuchen, zumeist junge Kriegsgefangene, die kastriert wurden, aber auch Kinder, die von ihren Eltern abgegeben wurden, um ihnen ein Leben in Armut zu ersparen. In der Blütezeit der Dynastie waren rund 70.000 Eunuchen im Palast, zur Zeit des letzten Kaisers Pu Yi immerhin noch 1500.

Der Kaiser war aber auch Chef der Administration, oberster Richter und Kriegsherr. Tausende Mandarine standen ihm zur Seite. Vorzügliche Kenntnisse in Lesen und Schreiben galten hier als Grundvoraussetzung. Alle 3 Jahre gab es eine Prüfung im Palast für den Beamtennachwuchs. Die Hierarchie war streng konfuzianistisch geregelt.

Aber auch der Muße wurde sich ergangen, es gab einen Becherbach für das Gedichtspiel, Theater und Sportanlagen. Teiche und Wassergräben wurden im Winter für Schlittschuhsport genutzt.

Im Inneren Hof waren die Konkubinengemächer, 6 Paläste des Westens und des Ostens. Denn die Pflicht des Kaisers war es einen Thronfolger zu zeugen. So gab es neben der Kaiserin etliche Nebenfrauen und Konkubinen, die der Herrscher auswählen konnte und die ihm abends zugeführt wurden.

 

Teil 2: Fortbestand


Der Kindkaiser Pu Yi (1908-24) war der letzter Kaiser. 1912 durch die Revolution als Kaiser abgesetzt, wurde der Palast zu seinem Gefängnis. 1924 wurde die Republik ausgerufen und PuYi aus Palast verjagt. Es wurde eine Inventur veranlaßt. Keramiken, Schätze, Gemälde, Statuenwurden gelistet und rund 1 Mio. Artefakte erfaßt. 1925 wurde der Palast zum Museum. 1931 begann der japanische Angriff auf die Mandschurei. Pu Yi als Marionetten-Kaiser von Mandschukuo von den Japaners eingesetzt. Durch den unaufhörlichen Vormarsch der feindlichen Truppen zur Rettung der Schätze gezwungen wurde das Inventar 1933 in Verstecke in Nanjing und Shanghai gebracht. 1937 fiel Beijing. Der Exodus ging weiter: 3 Konvois wurden nach Sechuan in Chinas Süden gebracht. Doch erfreulicherweise ging auf den 5 Jahren Flucht Nichts verloren oder kaputt. Dem Kriegsende 1945 folgten 4 Jahre Bürgerkrieg. Ein Viertel des Palastinventars nahm General Chiang Kai Check mit nach Taiwan.

Der Jahrzehnte der Vernachlässigung und Zerstörung folgte nun der Beginn der Restaurierung.

19 Jahre und 250 Mio. $ bis 2020 wurden eingeplant. Allein 10 Mio. Bögen Blattgold werden die Restauratoren des internationlen Teams aus Italienern, Amerikanern, Japanern und Chinesen verwenden. Sogar hat der Rückkauf von verlorenen Artefakten auf internationalen Auktionen begonnen. Seit 2004 wird der Bestand nach neuesten Maßstäben katalogisiert und per Computer erfaßt.


*Der Kommentar ist wahlweise auf Englisch oder Deutsch.


Hier wurden auf aufwendige Art und Weise fantastische Aufnahmen aus der Zentralstelle des Reichs der Mitte eingefangen. Spielszenen ergänzen Zeitzeugen-Interviews, Animationen bringen alte Zustände bildlich vor Augen. Abläufe von Zeremnien werden wiedergegeben und im einzelnen erklärt. Eine vorbildliche Dokumentation, im aller höchsten Maße spannendes „Historytainment“.

 

Image 

 

Und was hat das mit Korea zu tun, werden sich nun einige Besucher dieser Seite fragen mögen. Nun, das koreanische Königshaus war immer in einer gewissen Abhängigkeit von seinem ‚Großen Bruder‘ wirtschaftlich wie kulturell verbunden. Von der Übernahme der chinesischen Hofetiquette, die bauliche Trennung der Palastkomplexe und die Hierarchie in der Herrscherfamilie war der chinesischen stets nah. Gerade in der Chosun-Zeit waren viele Thronprinzen als Kind für Jahre in der Verbotenen Stadt um die Schrift und die Klassiker von Grund auf zu lernen und eine gewisse ‚Freundschaft‘ zu festigen. Jährliche Abgaben an Waren als ‚Geschenke‘ wurden erwartet.

Nicht zuletzt wurde in Hanyang (Seoul) beim Bau der königlichen Paläste auf chinesische Vorbilder architektonisch zurückgegriffen, wenn auch die Dimensionen viel bescheidener ausfallen. Ein Vergleich der Verbotenen Stadt mit den Königspalästen wie Kyongbokgung, die zur gleichen Zeit errichtet wurden, sind legitim. Die Abfolge der Höfe, die Rangsteine für die Beamten, die Treppenaufgänge und Ausstattungen der Audienzhallen sind sehr gut vergleichbar. Unterschiede finden sich aber zum Beispiel in den Details, so haben koreanische Drachen stets 4 Klauen, während in China der kaiserliche Drachen 5 besitzt. Auch den künstlichen Wasserlauf finden wir in Kwangju wieder.

Ein Blick über den koreanischen Tellerrand ist ab und an sehr erhellend und hilfreich! 


(Dank an e-m-s new media für die Bereitstellung der Rezensions-DVD).



Letztes Update ( Friday, 08 August 2008 )