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Geschrieben von Sascha Klie   
Sunday, 21 September 2008

 

Leider ist die Selbstmordrate in Südkorea eine der höchsten der Welt (Platz 7). So kommen immer wieder erschreckende Zahlen auf, die vermelden, dass mehr Menschen durch eigene Hand sterben als im Straßenverkehr oder an Bluthochdruck, es ist bereits die vierthöchste Todesursache.

Die Gründe für einen Selbstmord (chasal) werden vielfältig sein, doch lassen sich einige Felder feststellen, in denen sich die Todesfälle häufen. Schüler, die dem Leistungsdruck nicht mehr standhalten oder Rekruten, die in der Armee schikaniert werden bilden ebenso eine große Gruppe.

Deutlich mehr ärmere als reichere, mehr ältere als jüngere Opfer sind zu konstatieren. Gründe dafür sind u.a. Stress, Depression, Arbeitslosigkeit, Verschuldung. Immer längere Arbeitszeiten und wenig Erholungsurlaub (vielen Arbeitern stehen nur 6 freie Tage im Jahr zu), der enorme Leistungsdruck zwingt Eltern ihre Kinder zu immer mehr Extrauntericht und teuren Tutorien zu schicken. Seit der wirtschaftlichen Krise 1997 und den drakonischen Auflagen des IMF wurden viele Großkonglomerate (Chaebols) zerschlagen, die zuvor ihren Angestellten eine lebenslange Stelle garantierten. Der erneute wirtschaftliche Aufschwund geht an Vielen vorbei. Die Scheidungsrate ist enorm in die Höhe geschnellt, während die Geburtenrate stetig sinkt. Das Wegbrechen der traditionellen Grossfamilie ist für viele ein Riesenproblem. Oft wird versucht, die Schulden der Familie durch eine Lebensversicherungsauszahlung aufzufangen.

So lag im Jahr 2005 die Selbstmordrate bei 25 auf 100.000 Einwohner gerechnet. Es starben über 12.000 Menschen, doppelt so viele wie im Jahr 2000.

 

Aus Japan kennt man seit alters her die traditionelle Selbsttötung gemäß dem Ehrenkodex der Samurai, den seppuko (der hierzulande zumeist Harakiri genannt wird). Dieses gilt nicht für Korea.

In Korea springen viele vor U-bahnen, von Brücken oder aus Hochhausfenstern. Aufhängen oder Tablettenüberdosen kommen ebenso vor. Auf Hochhäusern und Brücken wurden daher nun hohe Zäune errichtet. Lehrer sollen stärker auf gehänselte Schüler achten und giftige Pflanzenschutzmittel stärker reglementiert werden. Auch Selbstverbrennungen aus Protest sind belegt. Tötungen durch Schussverletzungen sind wegen der regressiven Waffengesetze in Korea eher selten, häufiger dagegen kommt es durch Schnittwunden zum Verbluten (Exsanguination). So trugen die Frauen im historischen Chosun kleine Silbermesser (eunjangdo) bei sich, um einer möglichen Vergewaltigung zu entgehen sich vorher selbst umzubringen.

 

Wegen der Verstrickung in Geldzahlungen an Nordkorea, die im Vorfeld des historischen Treffens in Pyongyang 2000 gezahlt wurden und hinterher in den Büchern verschleihert wurden, nahm sich der Sohn des Firmengründers und Manager von Hyundai Chung Mong hun 2003 das Leben.

 

Leider sind auch Künstler betroffen, so starb Ende 2006 die Sängerin Yuni, bereits 1996 Koreas Folk-Sänger Kim Kwang-seok. Erhängt aufgefunden wurden die Schauspielerinnen Lee Eun-joo 2005, Jeong Da-bin 2007 und Woo Seung-yeon im April 2009. Im September 2008 nahm sich Ahn Jae-hwan in seinem Wagen das Leben und knapp vier Wochen später seine Kollegin Choi Jin-sil, die finanziell in den Fall Ahn verwickelt war. Als Domino-Effekt wertet man mittlerweile die anschließenden Suizide des homosexuellen Schauspielers Kim Ji-hoo und des Transsexuellen Jang Jae-won Anfang Oktober 2008. Mittlerweile will die Regierung gegen Internet-Mobbing stärker vorgehen, wurden doch viele Betroffene durch Rufmord zum Äußersten getrieben.

Filmregisseur Kwak Ji-kyun nahm sich im Mai 2010 das Leben, weil sich die Filmindustrie von ihm abgewendet hatte. Ihm folgte der Schauspieler Park Yong-ha im Juni 2010.

 

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Kim Kwang-seok und Lee Eun-joo

 

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Jeong Da-bin und Ahn Jae-hwan

 

Den größten Schock erhielt Korea jedoch durch den Tod von Ex-Präsident Roh Moo-hyon, der am Fuße eines Felsens in der Nähe seines Hauses in Jinyeong am 23. Mai 2009 leblos aufgefunden worden war. Ein Abschiedsbrief deutet auf einen Selbstmord, wenn jedoch auch Zweifel bleiben. Das Volk, dass sich in nie gekannter Solidarität um den beliebten Politiker in tiefer Trauer vereinte, gibt den Medien die Schuld, die eine Hetzkampagne gegen seine Person schürten und ihn unter Korruptionsverdacht stellten. War es eine Intrige? Der Stoff birgt jedenfalls ein Potential, dass nach einigen Jahren sicherlich als Filmstoff dienen wird.

 

Natürlich bleiben solche tragischen Ereignisse auch in Spielfilmen nicht unberücksichtigt.

 

Hier einige ausgewählte Szenen:

 

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Soo-dong hat sich aufgehängt. Szene aus "Yangsando" (1955).

 

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Doppelselbstmord des Liebespaares auf der Flucht. Szene aus "Barefoot Youth" (1964).

 

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Selbstentzündung aus Protest. Szene aus "A Single Spark" (1995).

 

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Young-ho sucht auf der Eisenbahnbrücke den Freitod. Szene aus "Peppermint Candy" (1999).

 

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Nachdem die Geheimaktion auf Silmido beendet wurde, zieht der Offizier die Konsequenzen. 

 

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Die eingekreisten Soldaten sprengen ihren Fluchtbus in die Luft. Szenen aus "Silmido" (2003). 

 

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Zunächst hinder Oh Dae-su den Sodomiten an seinem Selbstmord, um ihm noch seine Erlebnisse zu erzählen.

 

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Doch dann spring er vom Dach auf ein parkendes Auto. Szenen aus "Oldboy" (2003).

 

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Nachdem der Freier vor versammelter Familie sein Gesicht verloren hat, springt er aus dem Fenster. Szene aus "Samaria" (2004).

 

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Spektakulärer Doppelselbstmord mit der letzten Kugel. Szene aus "Holiday" (2005).

 

Possessed

In "Possessed" (2009) begehen eine Reihe von Nachbarn Selbstmord.

 

Letztes Update ( Tuesday, 15 February 2011 )