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Sunday, 28 September 2008


Korean Film goes International


Koreanische Filme und Stars erfreuen sich vor allem im internationalen Geschäft immer größerer Beliebtheit. Vor allem amerikanische Filmemacher aus Hollywood, die nach der Jahrtausendwende hauptsächlich Remakerechte japanischer Horrorfilme kauften, steuern in letzter Zeit unweigerlich auf den koreanischen Markt zu. Die Ankündigung diverser Remakes löste bei den Fans weltweit blankes Entsetzen und Unverständnis aus. Hollywood scheint unlängst hilflos verloren, wenn man beobachtet, wie Fortsetzungen und Remakes heimischer Filme die Kinos überfluten. Man versucht aus jedem erfolgreichen Film noch mehr Geld herauszuziehen, indem man neue Randgeschichten des Originals erfindet, egal wie hanebüchen sie auch sind. Dass dabei die grundsätzliche Leidenschaft des Filmemachens auf der Strecke bleibt, scheint keinen zu interessieren, schließlich muss immer mehr in die Kassen eingespült werden. Und nun müssen auch koreanische Filme dran glauben, der Ideenlosigkeit Hollywoods Filmemacher sei Dank. Die Verzweiflung scheint groß, sieht man die horrenden Summen, die koreanischen Produktionsfirmen gezahlt wird: Sechs- oder gar siebenstellige Dollarbeträge sind keine Seltenheit.


Einer der ersten koreanischen Filme, der von Hollywood neuverfilmt wurde, war Lee Hyun-seung's "Il Mare" aus dem Jahr 2000, ein wunderbares Liebesdrama mit Jeon Ji-hyun und Lee Jung-jae in den Hauptrollen. Das Remake steuerte 2006 Regisseur Alejandro Agresti unter dem Titel "Das Haus am See" (The Lake House) bei, mit Keanu Reeves und Sandra Bullock als Hauptakteure. Für mehr Furore sorgte das Remake von Kim Ji-woon's Meisterwerk "A Tale of two Sisters", einem der besten koreanischen Horrorfilme aller Zeiten. Es wird ein schier unmögliches Unterfangen für die Regisseure Thomas und Charles Guard, an die dichte Atmosphäre des Originals heranzukommen. Die offenbare Facettenlosigkeit der Hauptdarsteller sowie der absolut dämliche Titel "The Uninvited" (so ist der Titel eines weiteren koreanischen Horrorfilms aus dem Jahr 2003) werden diesem für 2009 angesetzten Projekt den Kopfschuss bringen. Leider kann man davon ausgehen, dass auch dieser Film womöglich seine Anhänger finden wird, die dann ganz stolz verkünden, wie innovativ und einfallsreich dieser neue Horrorfilm aus den USA ist. Mit "My Sassy Girl" wurde dieses Jahr ein weiterer moderner Korea-Klassiker neuverfilmt, der erneut bei weitem nicht an die Magie des Originals heranzukommen scheint. Die Kritiken waren wechselhaft bis mittelmäßig schlecht, ausbaden müssen es Regisseur Yann Samuell und die beiden Hauptdarsteller Jesse Bradford und Elisha Cuthbert.


Ajexandre Aja, Regisseur der Horrorfilme "High Tension" und "The Hills Have Eyes" (übrigens ein heimisches Remake des gleichnamigen Klassikers von Wes Craven), nahm sich den atmosphärischen und spannenden Horrorkrimi "Into the Mirror" aus dem Jahr 2003 zur Brust - und drehte daraus ein Remake mit dem Titel "Mirrors", dass diesen Sommer in die US-Kinos kam. Im Gegensatz zu Kim Seung-ho's Film erhöht Aja hier den Blutgehalt drastig, scheint in Sachen Anspruch allerdings zu versagen. Amerikanische Remakes asiatischer Horrorfilme sind bekannt dafür, die Atmosphäre des Vorgängers nicht zu beachten und dafür mit heftigen Schockeffekten und saftigem Blutgehalt zu protzen. Die Liste angekündigter Remakes scheint endlos, und selbst eine derart hirnrissige Idee, Park Chan-wook's "Joint Security Area" (2000) zu verfilmen, wurde bereits aufgegriffen. Nicht retten können wir uns vor den kommenden Remakes der koreanischen Hit-Thriller "Seven Days" und "The Chaser". Letzterer kommt von den Machern von "The Departed" (Remake des Hong Kong-Thrillers "Infernal Affairs"), mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle. Mehr muss man dazu wohl nicht sagen.


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Jeon Ji-hyun in "Blood: The Last Vampire"


Nicht nur koreanische Filme gehen um die Welt, sondern auch deren Stars. Einen der ersten Schritte in diese Richtung machte Jeon Ji-hyun (My Sassy Girl, Windstruck, etc.) in der Comicverfilmung "Blood: The Last Vampire" unter ihrem internationalen Namen Gianna Jun, in der sie Saya, den Hauptcharakter des Films spielt. Das Hollywood-Debut der beliebten koreanischen Schauspielerin kommt im Oktober in die US-Kinos, nach mehreren Verschiebungen. Der Big-Budget-Film wurde inszeniert von Regisseur Chris Nahon. Jeon kehrte letztes Jahr in die koreanische Filmlandschaft mit "A Man Who Was Superman" zurück. Superstar Jung Ji-hoon (besser bekannt unter seinem Künstlernamen "Rain" oder auch "Bi") kehrte ebenfalls ins internationale Filmgeschäft ein, mit einer Rolle im Visual Effects-Overkill "Speed Racer" der Wachowski-Brüder. Momentan steht er für einen weiteren Hollywood-Film vor der Kamera: "Ninja Assassin", einem Actionfilm von James McTeigue, bevor er nächstes wieder zum koreanischen Fernsehen in einer Serie mit Jeon Ji-hyun zurückkehrt. Lee Byung-hun, der supercoole Hitman aus "A Bittersweet Life", machte sein internationales Schauspieldebut im japanischen Gerichtsdrama "Hero", dem dortigen erfolgreichsten Live-Action-Film 2007, produziert von Fuji TV-Megaproduzent Chihiro Kameyama. Dort hatte er eine kleine Rolle als koreanischer Gangster, was sehr viele Fans erfreute. Demnächst steht er zusammen mit Josh Hartnett, Takuya Kimura und Shawn Yue in Tran Anh Hung's ambitionierten Thriller "I Come With The Rain" vor der Kamera. Sogar in Stephen Sommers' kommendem Actionfilm "G.I. Joe: Rise of the Cobra" (angekündigt für 2009) hat er eine kleine Rolle. Nächstes Jahr spielt er jedoch wieder die Hauptrolle in einer koreanischen Produktion, der Big-Budget-Thrillerserie "Iris" von Starregisseur Kang Je-gyu.


Auch Jang Dong-gun versuchte sich auf anderem Terrain und startete durch in seinem ersten Hollywoodfilm: "Laundry Warrior" vom koreanischen Regisseur Lee Sang-moo. Der 45 Millionen Dollar-Film wurde in Neuseeland gedreht und produziert von Barrie Osborne, dem Mann hinter Peter Jackson's gigantischer "Der Herr der Ringe"-Trilogie. Der Film macht zur Zeit eine aufwändige Phase der Post-Produktion durch und sollte demnächst veröffentlicht werden. Im Bunde ist übrigens ein dritter Koreaner, Kameramann Kim Woo-hyung, der schon für "Voice of a Murderer" und "The Old Garden" grandiose Bilder lieferte. Es gibt eine ganze Reihe weiterer Stars, die den Weg ins internationale Geschäft fanden: Veteran Ahn Sung-ki spielte im Historienepos "Battle of Wits" aus Hong Kong eine der Hauptrollen - Ha Jung-woo, der gefeierte Stars aus "The Chaser", stand zusammen mit Satoshi Tsumabuki im japanischen Film "Boat" vor der Kamera und TV-Starlett Song Hye-kyo machte ihr Debut im US-Film "Fetish". 2010 wird sie ausserdem in John Woo's Historienfilm "1949" zu sehen sein.


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Artwork zum Film "Laundry Warrior" mit Jang Dong-gun


Selbst koreanische Crew ist gefragt wie nie. Wer denkt, dass internationale Filme wie "Laundry Warrior" mit koreanischem Regisseur und Kameramann eine Ausnahme sind, der irrt. Kim Tae-kyun, Regisseur der abgedrehten Visual Effects-Extravaganz "Volcano High", wird die koreanisch-japanische Co-Produktion "Higanjima" verfilmen, angesetzt für eine Veröffentlichung in 2009. Die gleichnamige Verfilmung des Horrormangas von Koji Matsumoto kostet unglaubliche 57 Millionen US-Dollar (6 Milliarden Yen), die zwischen japanischen und koreanischen Investoren aufgeteilt werden. Die Darsteller sind überwiegend Japaner, die Crew ein Mix aus beiden Ländern und die Dreharbeiten beginnen am 1. Oktober. Selbst mit Frankreich möchte man zusammenarbeiten: Kim Kwang-deok, Präsident von Odyssey Pictures, verkündete im Sommer, man habe die Rechte an Yoo Kwang-soo's Novelle "The Qin Shi Huang Project" gesichert und wolle zusammen mit Frankreich eine 30 Millionen Dollar-Produktion in die Wege leiten. Offenbar möchte man mit Luc Besson zusammenarbeiten und für die Hauptrollen zwei koreanische Darsteller verpflichten. Dieser Film steht allerdings in einer sehr frühen Phase der Produktion, sodass es keine weiteren Informationen dazu gibt. Es wäre auf jeden Fall die erste koreanische Co-Produktion mit Europa. Ein wichtiger Schritt für koreanische Effektstudios wurde mit Rob Minkoff's Fantasyfilm "The Forbidden Kingdom" getätigt, indem eine internationale Produktion erstmals u.a. ein koreanisches Studio für die Effekte beauftragte. Die Ehre fiel auf die Schwesterfirma von DTI (Digital Tetra Inc.) - Macrograph, dessen Macher bereits an "The Restless" arbeiteten.


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Cover-Artwork zu "Higanjima", dem kommenden Film von Kim Tae-kyun


Die Zusammenarbeit und das allgemeine Interesse internationaler Produktionsfirmen an koreanischen Projekten steigt stetig. Polygon Entertainment, gegründet von Hans Uhlig und Kim Doo-jin, arbeitet gleich an drei koreanischen Projekten. Der erste Film, der daraus entstehend im Dezember in die Kinos kommt, ist "Chaw", ein Monsterfilm über einen mutierten Bären, der die Wälder Koreas terrorisiert. Nahezu komplett in San Francisco gedreht, werden sämtliche Effekte und Animationen von amerikanischen Studios zur Verfügung gestellt. "Haeundae", Korea's erster Katastrophenfilm über einen Tsunami, der den gleichnamigen Strand Busan's überschwemmt, ist die zweite Zusammenarbeit Polygon Entertainment's mit Korea. Die spektakulären Wassereffekte für den 15 Millionen Dollar-Film werden von Polygon und ILM (Industrial Light & Magic) übernommen. Letztere gehört zu den renommiertesten Effektstudios auf der Welt. Schon 2006 in Bong Joon-ho's Monsterfilm "The Host" lieferten zwei hochklassige Effektstudios Animationen und Computergrafiken: The Orphanage und WETA, die zur weiteren weltweiten Elite gehören. WETA arbeitete kurzzeitig sogar an Korea's teuerster TV-Serie, "Legend" (Tae Wang Sa Shin Gi), bis das heimische Effektstudio Mofac die Arbeit übernahm. Der dritte Film in Planung ist ein Science-Fiction-Film für 2010 mit dem Arbeitstitel "Seven Remedies", bei dem Yoon Je-gyun (Haeundae, Miracle on 1st Street) Regie führt.


Dieser Trend wird nächstes Jahr fortgesetzt. Universal Pictures kündigte vor kurzem an, Park Chan-wook's kommenden Vampirfilm "Thirst" neben koreanischen Firmen mitzuproduzieren. Dies wäre der erste koreanische Film, mit dem Universal zusammenarbeitet. William Teitler, Produzent von Filmen wie "Jumanji", wird Won Shin-yeon's Big-Budget-Sci-Fi-Film "Robot Taekwon V" als ausführender Produzent begleiten. Der Stellenwert koreanischer Filme am internationalen Markt ist hoch - und ein Abriss der Nachfrage ist nicht in Sicht. Solange es unseren geliebten Filmen zu Gute kommt, können wir uns nur freuen.

Letztes Update ( Sunday, 28 September 2008 )