Home arrow Typisch Korea arrow Bang-Kultur

Wer ist online?

Kein Benutzer Online
Bang-Kultur PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sascha Klie   
Thursday, 23 October 2008

 

Herzstück eines traditionellen Holzhauses war früher der offene Innenhof (madang), das Zentrum des Hauses. Hier wurde im Sommer gegessen, Wäsche gewaschen und Gemüse getrocknet. Hier trank man mit Freunden und Verwandten, spielten die Kinder und wusch man sich des Morgens. Von äußeren Blicken geschützt spielte sich hier das Leben unter freiem Himmel ab. Es war ein offener, aber kein öffentlicher Raum, vielmehr nach innen hinein geschlossen.

 

Im modernen, städtischen Bereich hat sich in Koreas Gesellschaft eine Reihe von Einrichtungen entwickelt, die auf die Endung -bang oder auch -shil lauten. Das als 'Zimmer', 'Raum' übersetzbare Suffix wird allerdings oftmals für öffentliche Räume verwendet und nicht wie früher als abgesonderter, privater Raum, wie z.B. der Männerraum (sarangbang).

 

Am geläufigsten dürfte das Norebang sein, das 'Sing-Zimmer', ein schalldichter Raum, wo man stundenweise Karaoke-Singen kann. Hier trifft man sich mit Freunden oder Kollegen zum Ausklang eines Trinkgelages, oder um sich mit Annimierdamen zu vergnügen.

 

sunshine

Im Norebang in den Song versunken (Szene aus "You're My Sunshine", 2005)

 

Im Video- oder DVD-Bang kann man sich seinen Lieblingsfilm auf Großbildschirm und mit 3-D-Sound mit seinen Kumpels oder mit der Liebsten ansehen. Weil es ansonsten in der Öffentlichkeit schwierig ist ein stilles, intimes Örtchen für ein Schäferstündchen zu finden, kommen sich hier auch öfter junge Paare näher.

 

Image

Typisches DVD-Bang

 

Im Dabang, einer Teestube, kann man mit seinen Freunden Tee oder Kaffee trinken. In gemütlichen Fauteuils treffen sich hier besonders junge Leute und Studenten zum Plausch. Vielfach wurden die an jeder Ecke vorkommenden Dabangs von Coffee-Shop-Ketten wie 'Starbucks' übernommen.

 

Im PC-bang konnten die Jugendlichen der sog. 386er-Generation in den 90er Jahren erste Erfahrungen mit Computer-Spielen bekommen. In diesen 'Spielhöllen' stehen die neuesten Spielekonsolen und Online-Computer für Netzwerk-Games. Menschen unterschiedlichster gesellschaftlicher Herkunft trifft man hier, sei es in der kurzen Mittagspause oder zum Abschalten nach Dienstschluß. In Korea haben manche Online-Games bereits über eine Million Mitspieler. Zwar gibt es in jedem Haushalt einen Computer, doch den Flair eines PC-Bangs lässt diese Örtlichkeit nicht aussterben, kann man sich doch mit Snacks stärken und mit Freunden austauschen.

 

failan1

Streit im PC-Bang (Szene aus „Failan“, 2001)

 

Image

Eingang zum PC-Bang

 

Im Manhwa-bang kann man nach herzenslust Comics lesen. Nach der Benutzung sagt man lediglich, wieviele Bücher oder Zeitschriften man gelesen hat und bezahlt an der Kasse.

 

Image

Eine Riesenauswahl der beliebtesten koreanischen Comics (manhwa)

 

Ähnlich wie hierzulande ein Internet-Cafe gibt es in jedem Stadtviertel Online-bangs, wo man für seine persönlichen Computer-Aktivitäten online Zeit verbringen kann. Hier wird gebloggt oder emails verschickt. Auch Web-Chat mit Bildtelephonie ist möglich.

 

Image

Joo-hwan im Online-Bang (Szene aus „Oldboy“, 2003)

 

Im Zimjilbang kann man sich entspannen und in beheizten Räumen schwitzen, in dieser Art Sauna kann man aber auch übernachten oder mit der Familie picnicken. Weil jeder Gast in die gleiche Montur schlüpft, werden hier sämtliche Standesunterschiede obsolet. Man bewegt sich barfuß und hat lediglich einen Schließfachschlüssel am Handgelenk, mit dem Zusatzleistungen am Ende abgerechnet werden können. Hier trifft sich die ganze Familie vom Kleinkind bis zu den Großeltern. Hier kann ausspannen und ein Nickerchen haben, Karten spielen, Dramaserien im Fernsehen verfolgen oder lesen.

 

Image

Entspannung im Zimjilbang (Szene aus „Don't Believe Her“, 2003)

 

Im Dokseoshil oder auch Goshiwon kommen Schüler und Studenten zum ruhigen lernen zusammen. Hier stehen hunderte von Tischen nebeneinander, nur von einer Sichtwand getrennt. 24 Stunden geöffnet bereitet man sich hier auf die nahenden Prüfungen vor. Im Dokseoshil gibt es winzige abgeschlossene Lernplätze oder Räume mit Tisch, Stuhl und Internetanschluß. Mancher Raum wird über längere Zeit angemietet und als illegaler Wohnsitz misbraucht.

 

Eine moderne Form des Daten oder Kennenlernen ist das Bangting und wird in Ferienwohnanlagen praktiziert. Nach dem Zufallsprinzip wählt man die Telefonnummer eines anderen Zimmers und verabredet sich zum spontanen Gruppentreffen.

 

Image

Inspiriert vom Essay „Seoul - City of the Bang“ von Kim Kwang-soo im Heft 'Stadt Bauwelt 179' (36.08) vom September 2008.

Letztes Update ( Wednesday, 11 March 2009 )