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Geschrieben von Sascha Klie   
Wednesday, 15 April 2009

Das Phantom aus dem Eis – Antarctic Journal


OT: 남극일기 Nam-geuk Il-gi
Land: Südkorea 2005
Regie: YIM Phil-sung

Drehbuch: YIM Phil-sung, BONG Joon-ho, LEE Hae-jun
Darsteller: SONG Kang-ho, YU Ji-tae, PARK Hee-soon, YOON Jae-moon, CHOI Deuk-mun, Sam Hammington, KANG Hye-jeong, KIM Kyeong-ik

Kamera: CHUNG Chung-hoon

Musik: Kenji KAWAI
Länge: 114 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Koreanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 16:9 anamorph (2,35 : 1)
Extras: Original- und deutscher Trailer (je 2 Min.)
Synchronisation und Untertitel: Die Synchronisation ist sehr gut gelungen, auch die koreanischen Namen werden korrekt ausgesprochen. Die Untertitel sind stimmig wenn auch manchmal etwas abweichend.
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: 3L, ascot elite

 

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Sechs Männer haben sich aufgemacht einen bestimmten Punkt in der Antarktis zu erreichen. Es handelt sich um den sog. „Pol der Unzugänglichkeit“, der Ort, der von allen Ufern der Antarktis am weistesten entfernt ist. Expeditionsleiter ist der erfahrene Choi Do-hyung, ein Held der Extrembergsteigerei. Sie haben über 2000 km zu Fuß zu absolvieren, wo bei es über 3 km dickes Eis geht. Es heißt den Wettlauf gegen die Natur zu gewinnen, dann 50 Tage nach Weihnachten geht die arktische Sonne unter und Dunkelheit würde ein Fortkommen unmöglich machen. Sie haben auch zunächst noch Funkkontakt mit ihrem Basiscamp, doch wenn es stürmt oder ein Teil kaputt geht, hilft nur ein Notrufknopf, den Choi hat, dann würde sofort ein Rettungsteam kommen. Auf ihrem Weg entdecken sie eine alte Fahne, welche die Stelle markiert an dem seit 1922 ein Expeditonstagebuch vergraben ist. Es stellt sich heraus, dass es vor 80 Jahren bereits eine englische Forschergruppe gab, die ebenfalls den besagten Punkt aufsuchen wollte. Kim Jae-min, der Jüngste der Gruppe, nimmt das Buch an sich und versucht es nach und nach zu entziffern. Plötzlich wird einem Crewmitglied, Jae-kyung, schlecht, er ist entkräftet und zeigt Anzeichen einer Grippe. Doch das ist eigentlich unmöglich, gibt es doch bei fast minus 80 Grad Celsius keine Viren dort. Dadurch gerät der Zeitplan durcheinander, denn er hält die Gruppe auf, kann das Tagespensum nicht schaffen. Er fällt zurück und geht in der weißen Wüste schließlich verloren. Sie finden lediglich die Eismumie eines der früheren Expeditionsteilnehmer. Nun wird es unruhig in der Gruppe, einige fordern den Abbruch und den ultimativen Hilferuf, doch Do-hyung bleibt hart, mit Verlusten müsse man bei solchen Reisen rechnen. Sie geraten in Streit, ziehen schließlich aber doch weiter. Als Seong-hoon in eine Eissplate stürtzt versuchen sie ihn zu retten, doch Do-hyung kann (oder will) ihn nicht halten. Nun kommt auch noch ein Schneesturm und zerstört Teile der Ausrüstung. Alle haben nun Aussetzerfahrungen, halluzinieren oder sehen merkwürdige Naturphänomene. Sie laufen eine ganze Woche im Kreis, weil die Anzeigen der Geräte verrückt spielen. Die Gruppe scheint physisch und psychisch am Ende. Da stehen sie plötzlich vor einer Holzhütte.


Kommentar: Aufwendig inszenierter Expeditionsthriller mit Mysteryeffekten. Nach und nach zeigen sich Parallelen zu der gescheiterten Expedition von vor 80 Jahren. Mitglieder sterben oder gehen verloren, Erscheinungen zehren an den Nerven. Doch der Leiter ist ein Besessener. Er ist getrieben wie „Moby Dicks's“ Kapitän Ahab. Er will seiner Geschichte davonlaufen. Seit sein kleiner Sohn vom Balkon sprang und seine Ehe daraufhin scheiterte, flüchtet er in immer extremere Ziele, die er um jeden Preis erreichen will. Sein größter Bewunderer, der junge Jae-min wird fortschreitend zum größten Kritiker der Entscheidungen des Chefs. Die Frustration, dass vor ihm schon jemand an diesem Ort war, wird ähnlich groß gewesen sein als Robert F. Scott bemerkte, dass Roald Amundsen bereits einen Monat vor ihm 1909 den Südpol erreicht hatte. Er und sein Team starben bekanntlich auf dem kräftezehrenden Rückmarsch.


In den Bergen Neuseelands gedreht, überzeugt die Imagination der Topographie, die eindrücklich die endlose Eiswüste wiedergibt. Dank eines Abkommens zwischen Korea und Neuseeland werden immer wieder Spielfilmszenen dort gedreht.

Der Kurzfilmer YIM Phil-sung stellt hier seinen ersten Spielfilm vor. Ebenso entstand das Drehbuch unter seiner Ägide, unterstützt vom Regiekollegen Bong Joon-ho („Memories of Murder“, „The Host“). In einem Kameo-Auftritt spielte Yim übrigens 2006 in Bongs „The Host“ den Fat Guevara. 2007 kam dann Yim Phil-sungs skurrile Märchen-Adaption „Hansel & Gretel“ in die Kinos.

Die brillianten Bilder, die von der Kamera Chung Chung-hoons eingefangen wurden, werden durch die melodiösen Musikstücke Kenji Kawais untermalt. Der Japaner, der seit über 20 Jahren erfolgreich ist, wurde international auch durch den Mystik-Klassiker „Ring“ (1998) bekannt.

Die Protagonisten Song Kang-ho und Yu Ji-tae bedürfen keiner besonderen Vorstellung, sind sie doch seit einem Jahrzehnt in Dutzenden Blockbustern zu sehen gewesen. Song kommt 2009 mit Park Chan-wooks Vampir-Thriller „Thrist“ wieder auf die Leinwand. Yu ist in „Crush on You“ zu sehen, wo er sein vielseitiges Spektrum der Schauspielkunst zeigen kann.

 

AntJournal

 

Fazit: Bildgewaltiges Expeditionsdrama um eine Selbstfindungsreise ins Dunkel. Das Schicksal einer gescheiterten Forschungsreise scheint sich zu wiederholen. Eiskalter Thriller mit Mystik-Effekten. Leider etwas zäh inszeniert, retten die gestandenen Charaktere den Plot.

Der deutsche Titel mit dem „Phantom aus dem Eis“ will mir nicht einleuchten, wird doch weder eines gesichtet oder gefunden. Ein "Making of..." wäre wünschenwert gewesen.


(Dank an 3L und ascot elite für die Bereitstellung der Besprechungs-DVD)


Letztes Update ( Thursday, 16 April 2009 )